Buchtipp
George Soros: Die Vorherrschaft der USA -
eine Seifenblase
Die militaristische Außenpolitik der USA erhält derzeit von allen Seiten heftige Kritik, doch noch nie wurde sie so radikal formuliert. Der zornigste Milliardär der Welt kontra George W. Bush.
Der Titel des Buches verrät natürlich schon, wohin die Reise geht. George Soros reiht sich ein in die prominente Liste von Autoren, die sich die Politik der USA und ihres Präsidenten aufs Korn genommen haben. Sein Buch ist, auch was den intellektuellen Gehalt angeht, etwa in der Mitte anzuordnen zwischen den populistischen und sehr gut verkäuflichen Beschimpfungen des Dokumentarfilmers und Oskar-Preisträgers Michael Moore, der sich explizit George W. Bush als persönlichen Feind auserkoren hat. Auf der anderen Seite steht der französische Historiker Emanuel Todd, der in seinem Buch "Weltmacht USA - ein Nachruf" bei den USA das Leiden der "imperialen Überdehnung" diagnostiziert und nicht mehr und nicht weniger als ihren Niedergang voraussagt.
Spekulant und Wohltäter
Wie gesagt, George Soros liegt dazwischen - aber George Soros ist nicht irgendwer. Er wurde 1930 als Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts in Budapest geboren, entkam dem Holocaust, studierte in London Volkswirtschaft und Philosophie und erregte in den 90er Jahren weltweit Aufsehen, als er als Fondsmanager gegen das völlig überbewertete britische Pfund spekulierte und mit ein paar Mausklicks um drei Milliarden Euro reicher wurde. Aus seinen Gewinnen unterhält er mehr als ein Dutzend Stiftungen, die sich mit der Entwicklung offener demokratischer Gesellschaften befassen, er selbst gilt seitdem als Wohltäter, Globalisierungskritiker und "Sozialdemokrat" unter den Devisenspekulanten.
Seine Kritik gilt dem Unilateralismus und dem Hegemoniestreben der USA. Er betrachtet die amerikanische Außenpolitik als Bestandteil einer umfassenden Ideologie, die gemeinhin unter dem Begriff Neokonservatismus firmiert - für Soros jedoch nichts anderes ist als eine krude, primitive Spielart des Sozialdarwinismus. Er nennt sie primitiv, weil sie nach seiner Ansicht die Bedeutung der Kooperation im Kampf ums Dasein ignoriert und nichts anderes als den Konkurrenzkampf zulässt.
Demokratie mit Ideologen
In der Wirtschaft vollzieht sich der Konkurrenzkampf zwischen den Unternehmen, dort tritt der Sozialdarwinismus in Gestalt des Marktfundamentalismus auf. Auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen führt er zum Streben nach der Vorherrschaft der USA. In seinen Augen unterliegen George W. Bush und seine neokonservativen Vordenker dem Trugschluss, Macht haben und Recht haben sei ein und dasselbe. Diese Politik werde ebenso platzen wie die Seifenblase der "New Economy" um die Jahrtausendwende, werde das Land innenpolitisch lähmen und auf Dauer seine außenpolitische Bedeutung verringern.
George Soros verbindet sein Wissen um ökonomische Entwicklungen mit seinem Einsatz für eine "offene Gesellschaft", wie er es nennt, eine Gesellschaft, die auf den Prinzipien der Kooperation und der Achtung des Andersdenkenden beruht. Für ihn ist es eine Ironie der Geschichte, dass die Regierungsgewalt im Land der erfolgreichsten demokratischen Gesellschaft in der Hand von einigen Ideologen liegt, die die Grundsätze einer offenen Gesellschaft missachten. Selten wurde eine Kritik an der militärischen Außenpoltitik der USA so klar und radikal formuliert.
Weitere Schlagzeilen
Das Buch Kompakt
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George Soros: Die Vorherrschaft der USA -
eine Seifenblase - Verlag: Blessing, 2004
- ISBN: 3-89667-255-X
- Preis (EURO): 20.00



