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Stichwort | 05.05.2008

Wonne

Im kalten Winter war für viele Menschen ein Bad in der Wanne die Wonne. Doch jetzt scheint endlich wieder die Sonne. Was für eine Wonne! Der Mai ist eben der Monat der Wonne und nicht die Zeit für eine warme Wanne.

Die Zeichnung zeigt eine volle Badewanne. Darin liegt wohlig lächelnd ein Mann. Seine Augen sind geschlossen. "Meine Wanne ist eine Wonne", denkt er. Zumindest lautet so der Text, der uns in Form einer Gedankenblase die Botschaft überbringt, wir sollten es ihm gleich tun, und uns von einem Fachbetrieb des Handwerks eine ebensolche Oase des Glücks und der Zufriedenheit installieren lassen.

 

Wonnige Wanne

 

Bevor wir Ihnen verraten, welches Stichwort wir für diese Woche gewählt haben, eine kleine Randbemerkung: Die kleinste bedeutungstragende Einheit einer Sprache nennen die Sprachwissenschaftler Morphem. Nehmen wir das Wort Wanne. Es wird Wonne, wenn wir das a durch ein o austauschen.

 

Damit die Wanne zur Wonne wird, brauchen wir allerdings einen ganz bestimmten Kontext. Einen Zusammenhang. Zum Beispiel den zufriedenen Mann in seiner Wanne, dem dieselbe zur Wonne wird. Also. Erstes Stichwort im Wonnemonat Mai: "Wonne".

 

Wunnemanot, Wonnemonat

 

Der "Wunnemanot", in dem ohne weiteres der "Wonnemonat" zu erkennen ist, war einer der alten deutschen Monatsnamen gewesen, die Karl der Grosse einzuführen versuchte. Dass es damit nichts geworden ist und der Mai sich durchgesetzt hat, ist eine andere Geschichte. Wenngleich selten gebraucht, ist das Wort Wonne dennoch geläufig. Was bedeutet es? "Verlangen", steht da im Lexikon, auch "Genuss", "Freude" und "Lust"; oder auch "Vergnügen".

 

Der "Wunnemanot" Kaiser Karls hatte aber mit all dem nichts zu tun. Das heißt – fast nichts. "Wunnemanot" und "Wonnemonat" sind zusammengesetzte Substantive. Komposita. Das Grundwort ist "manot" beziehungsweise "monat". Die Bestimmungswörter "wunne" und "wonne" haben, was ihre Bedeutung als kalendarische Einheit angeht, eine erstaunliche Geschichte aufzuweisen. Irgendwann in althochdeutscher Zeit hat sich nämlich das Wort "wunja" in gewissermaßen zwei Grundbedeutungen aufgespalten. Die eine kennen wir schon. Die Wonne im heutigen Sinn von Freude, Lust und so weiter. Die andere aber ist Gras, Weideland und Weideplatz.

 

Oh, du schöne Augenweide!

 

In Ortsnamen kommt dies noch heute zum Ausdruck. Die Stadt Wunnenstein im württembergischen Bottwartal ist dafür ein Beispiel. Den Autofahrern besser bekannt: Der Rasthof Wunnenstein-Ost bei Ilsfeld an der A 81 zwischen Stuttgart und Heilbronn.

 

Der "Wunnemanot" wie der "Wonnemonat" sind der Monat, in dem das Vieh nach langem Winter wieder auf die frischen, grünen Weiden getrieben wird. In alter Zeit ein Anlass zur Freude, zur Wonne, der in zahllosen Liedern und Gedichten besungen wurde. Der Ort selbst, die Weide, galt als schöner Ort, als Idylle, als wonniglicher Anblick, ja eine "Augenweide". In der Tat hat dieser Ausdruck hier seinen Ursprung.

 

Ein wonniger Pfropfen

 

Später dann galt als "Augenweide" das junge Mädchen, die Frau, deren Anblick den Burschen "Wonneschauer" über den Rücken jagte. Das Wort Wonne ist in heutiger Sprache nur noch wenig vertreten. In der alljährlich wiederkehrenden Floskel vom Wonnemonat Mai, in dem sich junge Paare inzwischen wieder verloben und auch heiraten, bleibt uns Wonne – rein sprachlich erhalten. In Ausdrücken wie "Mit Wonne werde ich ihm meine Meinung offen ins Gesicht sagen" begegnet uns Wonne in negativ-ironischer Bedeutung.

 

Ansonsten gelten wonniglich und selbst wonnig als altmodisch und gestelzt, gehobener Sprache zugehörig. Gleichwohl wird schon noch verstanden, was Wonne bedeutet. Möglicherweise ist dies dem Wonneproppen zu verdanken, einem Kosewort für die rotbackig wohlgenährten, freundlich glucksenden, fröhlichen Babies, die der ganze Stolz ihrer Eltern sind. Der Proppen ist übrigens die mundartliche Form von Pfropfen, die sich merkwürdigerweise überregional als Wonneproppen durchgesetzt und geradezu hartnäckig gehalten hat.

 

Wieder die Wonne-Wanne

 

Wenn so ein Wonneproppen in die Wanne gesetzt wird und gebadet werden soll, ist allerdings keine Garantie gegeben, dass in diesem Falle nicht die Wanne sondern das Baden zur Wonne wird.

 

 

Fragen zum Text

 

Welchen Monatsnamen versuchte Karl der Große einzuführen?

1.      den Wonnemonat

2.      den Wannenmonat

3.      den Wunnemanot

 

Der Mai wird auch als … bezeichnet.

1.      Wärmemonat

2.      Hochzeitsmonat

3.      Wonnemonat

 

Ein Wonneproppen ist …

1.      ein verliebter Mann.

2.      eine dicke Frau.

3.      ein wohlgenährtes Baby.

 

 

Arbeitsauftrag

"Meine Wanne ist eine Wonne" – Denken Sie sich Werbesprüche für ein Produkt Ihrer Wahl aus. Stellen Sie sie anschließend Ihrer Klasse vor.

 

Michael Utz



 

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