Stichwort | 25.07.2007
Thron
Kein Thron ist groß genug für diese Queen. Aber sie braucht auch keinen, sie selbst ist schon imposant genug. Seit Jahrhunderten nehmen gekrönte Häupter ihn allerdings gerne in Anspruch, um ihre Macht zu demonstrieren.
Ach ja, das war doch ein schönes Bild. Die Königin mit einer Krone auf dem Kopf, wie sie da am Arm ihres Gemahls im House of Lords auf den Thron zuschritt, um von dort ihre traditionelle Rede zur Eröffnung des Parlaments zu halten. Immer noch ist das Zeremoniell dieser Thronrede Journalisten und Fotografen wichtig genug, um alljährlich davon zu berichten. Die Thronrede selbst, "The Queen’s Speech", besteht indessen lediglich darin, das Programm der "Regierung Ihrer Majestät" zu verlesen. Kein Wort der Thronrede stammt von der Königin selbst.
Edles Design für Regierende
Sie haben es gemerkt? Jawohl. ‚Thron’ ist das Stichwort dieser Woche. Auf einigen Fotos ist deutlich zu sehen, weshalb ein Thron – und nicht nur der von dem aus Elizabeth II ihre Thronrede hielt – mehr als eine Sitzgelegenheit ist. Auf einen Thron kommt nicht jedermann zu sitzen.
Ein Thron ist Herrschersitz, eine Art Sessel mit Arm- und Rückenlehnen, der aber keineswegs bequem sein muss. Er ist Symbol für die Macht und nicht zuletzt den Reichtum dessen, der ihn bestiegen hat. Symbolisch führen zum Thron Stufen; er ist der erhöhte Sitz der Könige und Königinnen, der Kaiser und Päpste, ja der Götter.
Thronbesteigung der Queen
Aber bleiben wir noch ein wenig bei der britischen Königin, bei Elizabeth II. Am 6. Februar 1952 war ihr Vater, König Georg VI., gestorben. Ihm folgt seine damals 25-jährige Tochter Elizabeth auf den Thron. Damit haben wir erklärt, was unter dem Begriff ‚Thronfolge’ zu verstehen ist: Die Nachfolge in einer monarchischen Herrschaft. Mit der Krönung und der ‚Thronbesteigung’ wird die monarchische Herrschaft angetreten.
Lisbeth, wie sie von ihren deutschsprachigen Verehrerinnen und Verehrern liebevoll genannt wird, wurde am 2. Juni 1953 in der Londoner Westminster-Abtei gekrönt. Diese hochfeierliche Zeremonie, die Inthronisation, wird auch Thronerhebung genannt. Übrigens befindet sich in der Westminster-Abtei einer der berühmtesten Throne, nämlich der St. Edward’s Thron.
Salomos Beschreibung als Vorbild
Schon immer war der ‚Thron’ Symbol irdischer und himmlischer beziehungsweise göttlicher Macht. Nicht zuletzt durch seine aufwendige Gestaltung mit kostbarsten Materialien wie Gold, Silber, edlen Hölzern oder Edelsteinen versinnbildlicht der Thron die Nähe zum Göttlichen. Der alttestamentarische Gott regierte von einem Thron aus.
Im Buch der Könige heißt es von König Salomo, dem Repräsentanten Gottes auf Erden: "Der König schuf einen großen Thron von Elfenbein und überzog ihn mit edelstem Gold. Und der Thron hatte sechs Stufen und hinten am Thron waren Stierköpfe und es waren Lehnen auf beiden Seiten am Sitz und zwei Löwen standen an den Lehnen. Und zwölf Löwen standen auf den sechs Stufen zu beiden Seiten. Dergleichen ist nie gemacht worden in allen Königreichen."
Historische Überleitung auf die Gegenwart
Der Thron Salomos wurde bis ins 20. Jahrhundert von bildenden Künstlern und Architekten zum Vorbild genommen. Damit sind wir mit unserem Stichwort wieder in der Gegenwart oder zumindest in neuerer Zeit gelandet. Das vom lateinischen ‚thronus’ abgeleitete Wort ‚Thron’ wird im heutigen Sprachgebrauch fast nur noch in historischem Zusammenhang gebraucht.
Ansonsten gibt es durchaus noch einige Wendungen mit unserem Stichwort, die aber nur in übertragener Bedeutung verwendet werden. So sagt man beispielsweise von jemandem der sich gar sehr wichtig nimmt und das auch zeigt, der oder die "sitzt auf dem Thron".
Königliche Wackelei
Aber wie wir wissen, Selbsterhöhung oder Hochmut kommt vor dem Fall und nicht selten beginnt genau jener "Thron zu wackeln" auf den sich er oder sie selbstherrlich gesetzt oder auf den er respektive sie "gehoben" wurde. Wenn der Thron erst mal zu wackeln beginnt, dauert es im allgemeinen nicht mehr allzu lange, bis die auf dem Thron sitzende Person von selbigem gestoßen wird. Sinnbildlich versteht sich.
Ja und dann gibt es noch den Thron, mit dem - weiß der Himmel weshalb – der Nachttopf oder der Toilettensitz gemeint ist; auf dem es sich lange und gut sitzen lässt; und wenn das Baby schon ganz alleine draufsitzen kann, freuen sich die Eltern königlich.
Vesöhnungsvorschlag für die Queen
Apropos königlich: Lisbeth wäre sicherlich ‚not amused’ wüsste sie, dass wir von ihrer Thronrede ausgehend zu diesem doch sehr profanen Ende gekommen sind. Falls sie doch heimlich an ihrem Weltempfänger lauschen sollte, bitten wir sie hiermit untertänigst um Verständnis und Nachsicht. Anlässlich ihrer nächsten Thronrede könnten wir ihr ja das Stichwort ‚Königin’ widmen.
Fragen zum Text
Der Thron ist ein Symbol für…
1. Macht und Reichtum
2. Krankheit und Armut
3. Verlobung und Hochzeit
Was wird mit einer Thronbesteigung eingeleitet?
1. ein feierliches klassisches Konzert
2. ein umfangreiches Frühstücksbüffet
3. der Antritt der monarchischen Herrschaft
Die Redewendung jemand sitzt auf dem Thron bedeutet…
1. er/ sie hat Urlaub.
2. er/ sie nimmt sich sehr wichtig.
3. er/ sie hat viel Geld.
Arbeitsauftrag
Das Leben eines königlichen Monarchen auf dem Thron ist bestimmt sehr bequem, oder nicht? Schreiben Sie einen kurzen Text, wie Sie sich den Tagesablauf eine Throninhabers vorstellen.





