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Wirtschaft | 18.10.2005

Island vorbildlich im Kampf gegen Korruption

Im Kampf gegen die Korruption ist Deutschland zum ersten Mal seit Jahren im internationalen Vergleich zurückgefallen. Laut einer Studie von Transparency International wurde Deutschland von Hongkong überholt.

Im so genannten weltweiten Korruptionswahrnehmungsindex 2005 stufte die Organisation Deutschland nach Jahren erstmals wieder um einen Listenplatz herab auf die Position 16, gefolgt von den USA, Frankreich und Belgien. Auf einer Punkteskala von Null bis Zehn stagnierte Deutschland mit 8,2 Punkten, hinter Hongkong mit 8,3 Punkten. Die beste Bewertung von insgesamt 159 Staaten erhielten Island (9,7), Finnland und Neuseeland (beide 9,6). Die letzten Plätze belegen Turmenistan, Bangladesch und der Tschad.

Outsourcing als Problem

Gründe für die Zunahme von Korruptionsfällen gerade zwischen privaten Unternehmen seien unter anderem eine massive Zunahme des "Outsourcing" von Unternehmensteilen und damit die Vervielfachung der Lieferanten, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Organisation, Peter von Blomberg, am Dienstag (18.10.2005) vor Journalisten in Berlin. Dies eröffne auch zusätzliche Möglichkeiten zur Bestechung und Vorteilsannahme. Zudem würden Loyalität und gegenseitiges Vertrauen in den Unternehmen abnehmen, wo sich Arbeitnehmer nur noch als Kostenfaktor behandelt sehen.

Spitze des Eisbergs

Die in den vergangenen Monaten bekannt gewordenen Vorfälle etwa bei BMW, DaimlerChrysler, Infineon, VW und Siemens stellten nur die Spitze des Eisberges dar. Es sei davon auszugehen, dass lediglich fünf Prozent von Korruptionsfällen wie Bestechung und Vorteilsannahme bekannt würden, betonte Blomberg. Im kommenden Jahr könnte Deutschland in dem internationalen Korruptionsindex noch weiter abrutschen, da die jüngsten Fälle um VW, DaimlerChrysler oder Infineon in der aktuellen Auflistung noch nicht eingerechnet sind.

Zentralregister gefordert

Transparency sprach sich erneut für die Einführung eines bundesweiten Zentralregisters aus. Darin sollen Unternehmen gelistet werden, die wegen Korruption für eine bestimmte Zeit von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen werden. Die Wirtschaft sperrt sich bisher dagegen, da dies Existenz gefährdend für Unternehmen sein könne. Zudem müsse für die Straftaten eine Kronzeugenregelung eingeführt werden, so Blomberg weiter.

Hindernis bei Armutsbekämpfung

Der Korruptionswahrnehmungsindex der in Berlin ansässigen Organisation findet weltweit Beachtung. Er beruht vor allem auf Befragungen ausländischer Geschäftsleute, Analysten und Wissenschaftler und konzentriert sich auf die Korruption im staatlichen Sektor. "Korruption ist einer der Hauptgründe für Armut", heißt es in dem Bericht. Sie erschwere auch die Verwirklichung der Millenniumsziele der Vereinten Nationen zur Halbierung der Armut.

Laut Bericht hat sich die wahrgenommene Korruption seit dem Vorjahr in Costa Rica, Gabun, Nepal, Papua-Neuguinea, Russland, den Seychellen, Sri Lanka, Trinidad und Tobago und Uruguay verstärkt. Russland fiel in der Tabelle vom 90. auf den 126. Rang. Dagegen zeigten Estland, Frankreich, Hongkong, Japan, Jordanien, Kasachstan, Nigeria, Katar, Taiwan und die Türkei deutliche Verbesserungen. (chr)

 

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