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Marc Luy hat sich einen eher ungewöhnlichen Ort ausgesucht, um dieser Frage nachzugehen: das Kloster. Der Rostocker Forscher erkundete, welchen Einfluss das Klosterleben auf Gesundheit und Lebenserwartung von Mönchen und Nonnen hat. Und er kam zu einem überraschenden Ergebnis: Mönche werden fast fünf Jahre älter als ihre Geschlechtsgenossen ausserhalb der Klostermauern, Nonnen aber nicht. Luys Fazit: Offensichtlich ist es weniger die Biologie, die über die Lebenserwartung bei Männern entscheidet, sondern der Lebensstil. Tägliches Gebet, Arbeit ohne Leistungsdruck und Enthaltsamkeit fördern ein langes Leben.

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Zisterzienserabtei Marienstatt: ein Ort des Glaubens - nicht gerade die richtige Umgebung, um naturwissenschaftliche Rätsel zu lösen.

Der Alltag hier läuft auch heute noch nach den gleichen, Jahrhunderte alten Regeln. Was soll es hier neues zu entdecken geben?

Mehr als 100 Jahre ist es her, dass ein Forscher deutsche Klöster betreten hat, um das Leben von Mönchen und Nonnen zu erforschen.

Doch jetzt wird das Klosterleben wieder aktuell - gerade weil es so abgeschottet von der Außenwelt ist – und alle nach den gleichen Regeln leben.

Und genau das sucht Marc Luy, Professor für Bevölkerungswissenschaften. Er will wissen: Warum sterben Männer früher als Frauen?

Im Kloster leben beide Geschlechter gleich.

Sterben die Mönche trotzdem früher? Dann wäre erstmals bewiesen: Männer sind allein durch ihre Gene zum früheren Tod verdammt. Marc Luy sucht erste Hinweise auf dem Klosterfriedhof: Die Mönche werden alt, überraschend alt.

Doch Marc Luy weiß, dass das nicht reicht. Die Grabsteine können nur ein erster Schritt sein. Was er braucht, sind die Daten von mindestens 10.000 Ordensleuten, toten und noch heute lebenden.

Aber sind die Klöster Deutschlands bereit, ihm diese Daten zu geben? Unerwartet offen bekommt er Zugang zu den Archiven. Es beginnt eine Reise in eine ihm völlig unbekannte Welt.

Über das Leben ihrer Ordensmitglieder führen die Klöster besondere Bücher. Es sind die sogenannten Professbücher. Nach ihnen sucht Marc Luy.

Das Professbuch ist neben der Bibel das wichtigste Schriftstück eines Klosters. Denn es enthält sämtliche persönlichen Daten der Ordensmitglieder, vom Eintritt ins Kloster bis zu ihrem Tod.

Hier findet Luy die Daten, die er braucht. Sie reichen oft bis ins 19. Jahrhundert zurück. Doch nicht nur das enthalten die Bücher. Auch Ungehorsam gegenüber den Weisungen des Abts, Selbstmorde und andere Sünden sind verzeichnet. Dem Wissenschaftler wird klar, dass er Einsicht in sensible Daten hat. Nicht alle sehen das mit reiner Freude.

Doch Marc Luy macht viele Tage und Nächte weiter. Dann hat er es geschafft: Genau 11500 Fälle sind zusammengekommen. Endlich kann er berechnen: Wie alt werden Männer und Frauen im Kloster? Die Vergleichszahlen aus der Bevölkerung: Männer sterben 6 Jahre früher. Bei den Nonnen: Kein Unterschied zu normalen Frauen. Dann die Überraschung: Männer werden in Klöstern fast 5 Jahre älter!

Marc Luy weiß sofort: Dieses Ergebnis wird in der Fachwelt für Aufsehen sorgen. Könnte die moderne Medizin nur ein Bruchteil dessen erreichen - es wäre eine Sensation.

Und Luy findet Studien, die sein Ergebnis stützen: Amerikanische Forscher haben kürzlich mit Nonnen Tests durchgeführt. Schauplatz der Studie war ein Kloster mit sehr alten Nonnen. Die Forscher führten mit ihnen regelmäßig Tests auf die geistige Fitness durch. Sie wollten wissen, ob das Klosterleben einen besonderen Einfluss hat. Und tatsächlich: Manche betagte Nonne verfügte noch über eine ungewöhnlich scharfe Intelligenz und ein vorzügliches Gedächtnis.

Das Klosterleben hält offenbar fit. Doch was sorgt für Gesundheit und langes Leben im Kloster?

Prof. Marc Luy, Bevölkerungswissenschaftler, hat darauf eine Antwort: "Die ursprüngliche Fragestellung war: Sind es biologische oder sind es nicht-biologische Faktoren? Und mit der Klosterstudie konnte ich schon ziemlich deutlich zeigen, dass es überwiegend nicht-biologische Faktoren sind, denn sonst könnten sich die Unterschiede im Kloster nicht ganz anders darstellen als in der Allgemeinbevölkerung."

Marc Luy ist sich sicher: Es gibt keine biologische Uhr, die bei Männern schneller tickt. Sie können allein durch Änderung ihrer Lebensweise fast fünf Jahre länger leben – im Durchschnitt. Und er wird weiter forschen. Damit auch die Menschen draußen eines Tages profitieren.

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