Buchtipp
Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Klimas
Früher war das Wetter ein Vorrecht der Götter - heute machen wir es selber. Eine wissenschaftlich fundierte Geschichte der Klimaentwicklung und des Zusammenhangs mit der kulturellen Entfaltung.
Den Menschen treibt es von jeher ins Warme. Nicht nur den Steinzeitmenschen des Neolithikums, den es immer in die jeweils wärmeren Gebiete zog, oder die Siedler des Mittelalters, die während der kleinen Eiszeit im 14. und 15. Jahrhundert viele Dörfer in England und Schottland verlassen mussten. Auch der moderne Vielflieger verbringt am Liebsten seinen Jahresurlaub unter südlicher Sonne. Denn - und das ist sicher nichts Neues - Wärme wirkt sich positiv auf die Stimmung des Menschen aus.
Dennoch firmiert unter dem Stichwort "Globale Erwärmung" ein Horrorszenario, das auszumalen die Klimaexperten auf der ganzen Welt nicht müde werden. Polkappen schmelzen, Überflutungen und Versteppungen drohen. Allerdings - und das ist eben auch eine interessante Erkenntnis, wenn man ein unberechenbares Phänomen wie das Klima mal kulturhistorisch betrachtet - fürchteten sich die Menschen etwa in den 1960er Jahren fast genauso stark vor einer drohenden Eiszeit, wie heute vor der globalen Erwärmung.
Mehr Gelassenheit?
Mit Blick auf knapp zwei Millionen Jahre Klimageschichte fordert uns der Historiker Wolfgang Behringer zu mehr Gelassenheit bei der Betrachtung des Wetters auf. Besonders da wir uns gerade vermutlich eher in der Warmphase einer Eiszeit befinden. Immerhin, so Behringers These, haben Warmzeiten zu kultureller Blüte geführt, wie man etwa an den alten Hochkulturen wie denen der Mayas in Mittelamerika sehen kann. In Kältezeiten dagegen suchten die Menschen nach Schuldigen für Missernten, Krankheiten und Hungersnöte, es gab Hexenverfolgungen und Bürgerkriege.
Ob warm oder kalt, das Klima ändert sich und die Menschen haben, so Behringer, bisher wenig dazu beigetragen, auch wenn uns dies fast alle Klimaexperten seit dem Ende der 1970er Jahre glauben machen wollen. Es komme nur darauf an, wie wir auf die Veränderung des Weltklimas reagieren - und das ist heute aufgrund der gestiegenen Weltbevölkerung eben nicht mehr so einfach wie früher.
Gewinner und Verlierer
Zwar mussten die Menschen im Mittelalter wegen der gesunkenen Temperaturen ihre Siedlungen in England und Schottland verlassen, in Italien allerdings blühte zur gleichen Zeit die Hochkultur der Renaissance. Auch heute werden steigende oder sinkende Temperaturen manche Weltgegenden eher zu Gewinnern, andere zu Verlierern machen und es ist die Herausforderung der Zukunft, den Folgen dieser Veränderungen handelnd entgegen zu sehen.
Weitere Schlagzeilen
Das Buch Kompakt
- Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Klimas
- Verlag: C.H. Beck, 2008
- ISBN: 3-406-52866-X
- Preis (EURO): 22.90








