Top-Thema | 28.03.2008
Marschieren für den Frieden
Der erste Ostermarsch von 1960 gilt als Geburtsstunde der deutschen Friedensbewegung. Früher marschierten Hunderttausende gegen Atomkraftwerke und Aufrüstung. Und heute?
Alles fing im Januar 1958 an, als in London die "Campaign for Nuclear Disarmament – CND" (Kampagne für nukleare Abrüstung) gegründet wurde. Eine der ersten großen Aktionen war der viertägige Ostermarsch von London zu der Forschungsanlage Aldermaston, um gegen Atomwaffen zu protestieren. 1960 marschierten dann die ersten Demonstranten auch in Deutschland: Von verschiedenen Orten aus ging man nach Bergen-Hohne, wo die US-Armee Trägerraketen für Atomwaffen erprobte.
Von Anfang an bestand die Ostermarschbewegung aus sehr unterschiedlichen pazifistischen Gruppen. Es war die erste soziale Bewegung in der Bundesrepublik, die unabhängig von Parteien und großen Organisationen eine neue Form des Protests entwickelt hat. Ihren Höhepunkt erreichten die Proteste Anfang der achtziger Jahre, als Hunderttausende gegen die Stationierung neuer Atomraketen in Deutschland demonstrierten. Das war auch die Geburtsstunde einer neuen Partei. "Die Grünen haben als Partei ihre Wurzeln in den sozialen Bewegungen: Umwelt- und Anti-AKW-Bewegung und insbesondere in der Friedensbewegung", erklärt Manfred Stenner vom "Netzwerk Friedenskooperative".
Ihre einstige Bedeutung haben die Ostermärsche inzwischen verloren: Heute marschieren nur noch wenige für den Frieden. Dennoch ist es nach Meinung von Stenner wichtig, dass es die verschiedenen pazifistischen Gruppen noch gibt: "Wenn ein neuer Irakkrieg vor der Tür steht, dann ist das Flugblatt innerhalb von einem halben Tag fertig und gedruckt und der Aufruf mit ganz vielen Organisationen abgestimmt. Und dann sind auf einmal wieder 500.000 Leute in Berlin."
GLOSSAR:
marschieren – eine lange Strecke zu Fuß gehen
Ostermarsch, der – das Marschieren an den Osterfeiertagen im Frühjahr
Geburtsstunde, die – hier: der Beginn von etwas; die Gründung
Bewegung, die – hier: eine Gruppe von Menschen, die für ein gemeinsames Ziel kämpft, z. B. Friedensbewegung oder Umweltbewegung
Atomkraftwerk – Anlage zur Gewinnung elektrischer Energie, in der sehr kleine Teile von bestimmten Stoffen (z. B. Uran) geteilt werden
Aufrüstung, die – die Anschaffung von neuen Waffen
Kampagne für nukleare Abrüstung, die – Aktion zur Abschaffung von Atomwaffen
Trägerrakete, die – ein Flugkörper zum Transport von Menschen oder Gegenständen
etwas erproben – testen, ob etwas funktioniert; etwas ausprobieren
pazifistisch – überzeugt sein, dass Kriege immer verhindert werden müssen
Höhepunkt, der – der wichtigste, bedeutendste Teil einer Entwicklung
Stationierung, die – das Aufstellen von Waffen oder Soldaten an einem bestimmten Ort
seine/ihre Wurzeln in etwas haben – bei etwas anfangen; von etwas herkommen
Anti-AKW-Bewegung, die – eine Bewegung, die gegen Atomkraftwerke (AKW) kämpft
einstig – früher; ehemals
etwas steht vor der Tür – hier: etwas wird bald da sein; etwas wird bald anfangen
Flugblatt, das – ein Blatt Papier mit bestimmten Informationen, das umsonst verteilt wird und meist zu (politischen) Handlungen auffordert
etwas mit jemandem abstimmen – über etwas mit anderen sprechen, so dass alle einverstanden sind
Fragen zum Text:
Wo fand der erste Ostermarsch statt?
1. in Deutschland
2. in Großbritannien
3. in den USA
Wogegen protestierte die deutsche Friedensbewegung in den 1980er Jahren?
1. gegen eine Atomforschungsanlage in Bergen-Hohne
2. gegen die Stationierung von Atomraketen in Deutschland
3. gegen den ersten Irakkrieg
Welche politische Partei ist aus der Friedensbewegung heraus entstanden?
1. Die Linke
2. Die Grauen
3. Die Grünen
Arbeitsauftrag:
Die Ostermärsche waren zu Beginn vor allem eine Protestbewegung gegen Atomwaffen. Manche Menschen sind jedoch der Meinung, dass die nukleare Aufrüstung im Kalten Krieg den Frieden gerettet habe. Informieren Sie sich (z. B. im Internet) über die Zeit des Kalten Krieges und diskutieren Sie diese These im Kurs.
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