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Made in Germany (deutsch)

Studiogast – Wolfgang Gerke, Finanzexperte

Diese Woche bei MADE IN GERMANY - Wolfgang Gerke vom Bayerischen Finanzzentrum in München.

DW-TV: Die Fußball-WM im Jahr 2010 bringt einen großen Wirtschaftsschub für Südafrika. Es wird mit schätzungsweise 160 000 neuen Jobs vor Ort gerechnet. Aber hat eine Fußball-WM vielleicht sogar auch Auswirkungen auf die Börse? Es gibt eine amerikanische Studie, die belegt haben will, dass Niederlagen der Nationalmannschaft Auswirkungen auf die Börse haben. Kann das sein?

Wolfgang Gerke: Das soll man nicht so ernst nehmen. Es gibt so viele Studien! Mit Statistiken kann man auch Schindluder treiben. Man nimmt die Daten rein und sucht und sucht und sucht - irgendwann findet man irgendetwas. Ich glaube, das ist sogenanntes "data-mining", Zauberei mit Daten.

DW-TV: Kommen wir zu einem wirklich ernsten Thema: Wenn man zurückschaut, im Herbst vergangenen Jahres gab es das, was wir jetzt als Finanzkrise bezeichnen. Da hat es begonnen. Der Dax ist abgerutscht, seitdem ging immer wieder die Kurve rauf und runter. Jetzt scheint er sich zu stabilisieren. Haben wir die Finanzkrise überstanden?

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  

Wolfgang Gerke: Nein, die Finanzkrise ist natürlich noch nicht überstanden. Das ist auch eine viel zu einschneidende Krise gewesen, als dass sie schon überstanden sein könnte. Es ist auch in den USA noch längst nicht absehbar, wie die Realwirtschaft unter der Finanzwirtschaft weiter leiden wird. Die leidet jetzt schon. Was wir aber sagen können: die Börsen haben sich erholt. Die Börse spiegelt ja die Zukunftserwartung wider und man ist optimistisch. Ich warne aber auch hier vor den Risiken, die noch auf dem Markt sind. Da werden die Kurse noch erheblich schwanken, und wir können in Deutschland froh sein, dass unsere Wirtschaft so stabil ist.

DW-TV: Nun gab es durch die Finanzkrise einen Vertauensverlust in die Finanzmärkte. Der deutsche Bundespräsident, Horst Köhler, hat gesagt, die Finanzmärkte hätten sich "zu einem Monster entwickelt, das in die Schranken gewiesen werden muss." Das sind harte Worte. Wie würden Sie das interpretieren?

Wolfgang Gerke: Das sind falsche Worte. Ähnlich wie Herr Müntefering mal die Heuschrecken eingeführt hat. Man hätte darauf verzichten können. Jetzt sind nun also die Monster eingeführt worden, da kann man genauso drauf verzichten. An den Finanzmärkten kann einiges an Schindluder getrieben werden, wird es auch: Marktmanipulationen, Marktmissbrauch und dergleichen. Aber letzten Endes sind die Märkte erst einmal neutral und entscheidend ist, was die Leute daraus machen. Effiziente Finanzmärkte sind ganz wichtig für die Finanzierung von Arbeitsplätzen, Innovationen und Unternehmen und da muss man seriöser herangehen. Also man muss sagen, und das hat der Bundespräsident auch gesagt, wir müssen die Märkte besser in den Griff bekommen und kontrollieren. Und wir brauchen bessere Aufsichtsbehörden.

DW-TV: Wie kann die Kontrolle aussehen?

Wolfgang Gerke: Mehr Transparenz, wir müssen wissen, was Hedgefonds machen. Die angelsächsischen Länder haben sich denen lange verweigert. Wir müssen wissen, was privat- Equity-Firmen machen. Wir brauchen auch einen internationalen Standard, wie die Kontrolle aussehen soll. Nationale Behörden müssen kontrollieren, aber sie müssen auch kooperieren mit anderen. Und einer muss drauf schauen, ob auch alles mit der gleichen Elle gemessen wird.

 
 
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