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Buchtipp

Lucie Klassen: Der 13. Brief

Eine junge freche Heldin, die zur Lösung eines Falls noch einmal die Schulbank drückt. Ein Krimidebüt mit Pfiff von Lucie Klassen.

Die schönsten Überraschungen kommen meist dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. Im Frühjahr 2008 - einer Zeit also, in der so etwas wie eine kreative junge Kriminalliteratur in Deutschland im Prinzip nicht vorhanden ist. Und dann ausgerechnet aus dem etwas verschlafenen Heilkurort Bad Pyrmont, wo die Physio- und Reittherapeutin Lucie Klassen, geboren 1977, ihren ersten Kriminalroman geschrieben hat.

Nein, keine Sorge, die Geschichte ist nicht in Bad Pyrmont angesiedelt, sondern in Bochum, wo die etwas eigenwillige Erzählerin Lila Ziegler landet, nachdem sie sich entschieden hat, mal zu schauen, wohin das Leben respektive die Deutsche Bahn sie so verschlägt. Lila sollte eigentlich in Bielefeld ein Jurastudium starten, hat sich dann aber im letzten Moment entschieden, nicht ihres Vaters Plan zu folgen, sondern der ihr eigenen Renitenz.

Detektivin aus Zufall

In Bochum also verschlägt es Lila - zufällig, klar - vor das Gebäude, in dem die Anfangsvierziger Molle und Danner hausen. Der Kneipier und der Detektiv bilden eine seltsame Männer-WG, sporadisch ergänzt von dem Polizist Staschek. Dieser ermittelt zusammen mit Danner den unerklärlichen Selbstmord einer Musterschülerin, und da kommt Lila, nachdem sie sich nun schon mal mit der ihr eigenen Penetranz eingemietet hat, als angehende Detektivin wie gerufen. Auch, wenn das heißt, dass sie an den einzigen Ort zurückkehren muss, der ihr noch verhasster ist als das heimische Elternhaus: Die Schule…

Respektlos, bösartig, intelligent

Lucie KlassenBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Lucie Klassen

Was folgt ist ein intelligenter, witziger, authentischer Kriminalroman, dem es in Form seiner Erzählerin mühelos gelingt, die Welt der 18jährigen mit der der 40jährigen zu verbinden. Klar, natürlich hat das Buch auch seine Problemchen, hier eine überflüssige Länge, dort eine kleine Überkonstruiertheit. Aber all das ist marginal angesichts des großen Talents dieser Autorin und angesichts der tollen Respektlosigkeit ihres Textes, der richtig schön bösartig ist und richtig klasse zu unterhalten weiß.

Und als wäre das nicht schon genug, lässt sich "Der 13. Brief" - wenn man so will - auch noch als gewitzter Beitrag zur neuen Feminismus-Diskussion lesen. Da kann man nur sagen: Klasse, Lucie! Respekt! Mehr davon, BITTE!

 

Ulrich Noller

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Weitere Schlagzeilen

Das Buch Kompakt
  1. Lucie Klassen: Der 13. Brief
  2. Verlag: grafit
  3. ISBN: 978-3894253493
  4. Preis (EURO): 9.95


 
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