1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose form 30 Languages

 
 
 

 

Projekt Zukunft

Studiogast – Michael Pauen, Philosoph zum Thema freier Wille

Michael Pauen ist Philosoph an der Humboldt-Universität in Berlin. Wir sprechen mit ihm zum Thema freier Wille und Strafrecht.

DW-TV: Zum Thema Straftäter – schuldig oder willenlos? wollen und müssen wir reden. Bei uns zu Gast ist Professor Michael Pauen, der sich als Philosoph mit genau diesem Thema beschäftigt: Neurowissenschaft, Willensfreiheit und Bewußtsein. Wenn man konkret weiterdenkt, lässt sich anhand der Hirnstruktur potentielle Terroristen erkennen und wie weit sind wir von allgemeinen Gefährlichkeitstests entfernt?

Michael Pauen: Ich glaube, das ist alles andere als erwiesen, dass man Terroristen daran erkennen kann. Insofern stellt sich diese Frage im Moment gar nicht.

DW-TV: Ist denn Verbrechen eine Krankheit?

Michael Pauen: Verbrechen ist erst einmal eine Abweichung von bestimmten Normen, die wir uns gesetzt haben. Es kann natürlich sein und es spricht einiges dafür, dass einzelne Verbrecher krank sind. Die müssen wir sicher auf eine andere Art und Weise behandeln. Es gibt aber keine Beweise dafür, dass das generell für alle Verbrecher gilt.

DW-TV: Ist denn der Rückschluss richtig, dass man keine Verantwortung trägt, so wie Herr Markowitsch das ja auch in dem Film angedeutet hat? Wir sind doch aber in der Lage, Entscheidungen jederzeit zu überdenken?

Michael Pauen: Da muss man differenzieren. Es gibt Fälle und die Neurowissenschaften haben uns Belege dafür gebracht, dass bestimmte Verbrecher oder in bestimmten Fällen krankhafte Abweichungen vorliegen. Das heißt, Menschen sind nicht im Stande ihr Verhalten so zu kontrollieren, wie wir das normalerweise können und wie wir das auch Können müssen, um unserer Norm folgen zu können. Aber das gilt nicht für jeden Fall. Und in den Fällen für die das nicht gilt, indem jemand die normalen Möglichkeiten der Handlungskontrolle hat, da kann man ihn auch verantwortlich machen.

DW-TV: Was ist denn aber mit den Opfern, wenn man den Tätern die Verantwortlichkeit abspricht?

Michael Pauen: Man muss da zwei Perspektiven unterscheiden. Für das Opfer macht das, glaube ich, erst einmal gar keinen Unterschied. Das Opfer hat diese schreckliche Situation erlebt, insofern muss man dem Opfer helfen, wie man eben kann. Auf der anderen Seite hat die Gesellschaft natürlich beide Perspektiven zu betrachten. Sie muss eben auch die Verantwortlichkeit, oder die Steuerungsfähigkeit des Täters selbst betrachten. Da können andere Strategien sinnvoll sein, als den Täter ins Gefängnis zu stecken.

DW-TV: Wenn ich ein guter Mensch bin: hilfsbereit, rechtschaffend ... Ist das denn mein Verdienst, oder ist das der Verdienst meines Gehirns?

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Michael Pauen: Ich glaube, dass das Gehirn zentral dafür ist, dass ich bestimmte Fähigkeiten habe. Aber das Gehirn bin nicht Ich, sondern das ist ein Teil von mir. Ob das Ihr Verdienst ist oder nicht, kommt auch darauf an. Es könnte sein, das Sie mehr oder weniger eine zwanghafte Hilfsbereitschaft hätten, dann würde man das Ihnen nicht so sehr zu Gute halten.

DW-TV: Nein, ich bin nur nett.

Michael Pauen: Sie betreiben vielleicht sogar dafür einen bestimmten Aufwand, um mir zum Beispiel über die Straße zu helfen, wenn ich das nicht mehr so gut alleine kann. Dann könnte man Ihnen das natürlich zu Gute halten.

DW-TV: Wer ist denn Ich, wenn das Hirn Entscheidungen trifft?

Michael Pauen: Das Gehirn ist wie gesagt ein Teil von mir. Und es hilft mir dazu Entscheidungen zu treffen. Das heißt, es hilft mir dabei sehr viele unterschiedliche Aspekte zu betrachten und dann eine angemessene Entscheidung zu treffen. Insofern ist das Gehirn ein Teil von mir, aber ich bin natürlich mehr als das Gehirn, zum Beispiel durch meinen Körper.

DW-TV: Kann ich denn mein Gehirn umprogrammieren, zum Beispiel lang gehegte Vorlieben aufgeben?

Michael Pauen: Im Prinzip können Sie das natürlich, jeder Lernprozess ist natürlich eine Umprogrammierung des Gehirns. Man kann auch bestimmte Vorlieben verändern. In wieweit das geht, das ist natürlich individuell und je nach Vorliebe unterschiedlich. Es gibt aber Fälle, in denen man das nicht mehr kann und da stellt sich die Frage, ob man die Person dann noch verantwortlich machen kann.

(Interview: Daniela Levy)

 
 
Artikel bookmarken

VersendenDrucken

Weitere Schlagzeilen



 

DW-TV EUROPA live

In Focus - A Millionaire in Rubber Boots