Interview | 05.06.2008
Greenpeace: Umweltminister Gabriel spielt Zwischenfall im Atomkraftwerk herunter
Atom-Experte Thomas Breuer im Interview der Deutschen Welle
Die Umweltorganisation Greenpeace hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgeworfen, den Zwischenfall im slowenisch-kroatischen Atomkraftwerk Krsko in seinen ersten Stellungnahmen heruntergespielt zu haben.
In einem Interview der Deutschen Welle sagte Thomas Breuer, Atom-Experte von Greenpeace: „Der Zwischenfall ist überhaupt nicht harmlos. Wenn es zu einem Kühlmittelverlust in einem Reaktor kommt, ist das einer der schlimmsten Unfälle, die in einem Atomkraftwerk passieren können. Denn der Reaktor muss sowohl im laufenden Betrieb als auch im abgeschalteten Zustand gekühlt werden. Wenn das nicht erfolgt, wird es unweigerlich zu einer Kernschmelze kommen.“ Gabriel hatte erklärt, von dem Zwischenfall gehe für Deutschland keine Gefahr aus.
Der Greenpeace-Sprecher sagte der Deutschen Welle: „Der Atomalarm war aus unserer Sicht gerechtfertigt.“ Die Regeln für das europäische Warnsystem seien „sehr klar“. Wenn ein Ereignisablauf im Reaktor vorliege, von dem die Reaktorbetreiber glaubten, dass sie ihn nicht mehr beherrschten, müsse sofort informiert werden. Breuer: „Deshalb verstehe ich die Reaktion von Gabriel nicht, denn offensichtlich war der Eindruck in Slowenien, dass ein Unfall vorliegt, der womöglich nicht mehr zu beherrschen ist.“
5. Juni 2008
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