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Studiogast – Heinrich Weiss: neuer Präsident der deutsch-russischen Außenhandelskammer
Heinrich Weiss ist Vorsitzender der SMS Group und Mitglied im Vorstand des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Jetzt ist er Präsident der deutsch-russischen Außenhandelskammer. Wir sprechen mit ihm über das Geschäft mit Russland, seine Chancen und Risiken.
DW-TV: Ich begrüße Heinrich Weiss im Studio. Herr Weiss, wir haben es im Beitrag gerade gesehen, es gibt immer noch Schwierigkeiten gerade auch bei der Bürokratie in Russland. Ist das einer der Gründe, warum man gesagt hat, man gründet eine Deutsch-Russische Außenhandelskammer, oder war es einfach an der Zeit?
Heinrich Weiss: Das ist einer der Gründe. Aber der Hauptgrund ist der, dass zwischen Ländern in denen normaler Handelsverkehr besteht – und der Verkehr mit Russland ist ja nicht mehr der Verkehr mit einem kommunistischem Land, sondern mit einer mehr und mehr normalen Marktwirtschaft – dass dann diese Außenhandelskammern da sind, um den Handel für beide Seiten in beiden Richtungen zu erleichtern.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: DW-TV: Trotz aller Schwierigkeiten – Continental ist eines der Unternehmen, das investiert. Insgesamt haben sich die Deutschen Direktinvestitionen im Vergleich zum Jahr 2003 fast vervierfacht. Russland hat extrem aufgeholt, wie man sehr gut im Vergleich mit China sehen kann – und dort boomen ja die deutschen Investitionen. Woran liegt das?
Heinrich Weiss: Das liegt daran, dass die deutsche Industrie schon lange darauf gewartet hat, in Russland zu investieren. Aber dass die Probleme noch zu groß waren. Die Bürokratie war noch nicht eingestellt auf marktwirtschaftliche Strukturen. Es gab Joint Venture Partner, die noch nicht die Mittel hatten, und es gibt sehr viel Korruption in der Bürokratie. Und deshalb hat man sich zurückgehalten. Aber der Bedarf ist da. Nachdem jetzt die Putin-Regierung in den letzten Jahren – und auch der neue Staatspräsident – sich klar für Liberalismus im Kapitalverkehr ausgesprochen haben, sich also für Investitionen ausgesprochen haben, löst sich jetzt sozusagen ein Rückstau auf, der sich gebildet hatte.
DW-TV: Sie haben das Stichwort Korruption angesprochen. Das ist ja vermutlich einer der Gründe, warum auch russische Investoren immer noch einen sehr schlechten Ruf haben. Es ist also immer noch schwierig?
Heinrich Weiss: Die russischen Investoren sind weniger betroffen. Die Russen, die im Ausland investieren, da gibt es eigentlich keine Korruption. Das ist genauso, wie jedes andere Auslandskapital auch. Das wird auch nicht vom Kreml gesteuert. Das ist freier Kapitalfluss. Aber das Problem ist, dass Deutsche, die in Russland investieren wollen, Firmen bauen wollen, dazu Genehmigungen brauchen und dann nach wie vor häufig mit Korruption konfrontiert werden.
DW-TV: Nach wie vor ist Deutschland abhängig von Russland, gerade was die Rohstoffe angeht. Eine der größten Rohstoffquellen der Welt befindet sich in Russland nämlich das Erdgas. Herr Weiss, bisher ist es ein Viertel, was an Erdgas aus Russland nach Deutschland importiert wird. Über vierzig Prozent sollen es werden, wenn die Ostsee-Pipeline 2010 existiert. Machen wir uns da viel zu abhängig?
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Heinrich Weiss: Eine gewisse Abhängigkeit ist es natürlich schon. Aber ich würde das jetzt nicht zu absolut sehen. Erdgas ist nur eine von mehreren Energiearten. Wir sind auch vom Öl abhängig. Wir werden wahrscheinlich auch die Atomenergie wieder benötigen. Und insofern ist das nicht so absolut zu sehen. Dann muss man natürlich auch berücksichtigen, dass die Russen genauso abhängig sind, wie wir. Sie brauchen nämlich dringend die Einnahmen aus den Energieexporten, weil sie sonst ihre Importe nicht bezahlen können. Und deshalb wird niemand auf die Idee kommen – plötzlich aus einer Laune heraus – einfach den Hahn abzudrehen.
DW-TV: Also, keine Angst mehr vor dem großen Mann? Und mit Dimitri Medwedew, seit Mai dem neuen Präsidenten in Russland – wird sich da was ändern?
Heinrich Weiss: Das wissen wir noch nicht, die ersten einhundert Tage sind noch nicht vorbei. Wir glauben, dass er eher auf der liberaleren Seite ist, als Putin, der ja noch ein Gewächs aus dem Sowjet-Kommunismus war. Medwedew ist mehr ein Typ Weltbürger. Und ich gehe davon aus, dass sich die Wirtschaftsbeziehungen sich eher verbessern, als verschlechtern werden.
DW-TV: Gerade in der Vergangenheit haben ausländische Investoren Deutschland oft gemieden und einen Bogen um Deutschland gemacht. Jetzt wird es besser – auch aus Russland. Woran liegt das, haben die Deutschen ihre Hausaufgaben gemacht?
Heinrich Weiss: Ja, weil wir konkurrenzfähiger geworden sind, aber auch deshalb weil die Wirtschaftszweige in denen Deutschland besonders stark ist, Maschinen- und Anlagenbau, Automobilbau heute weltweit stärker gefragt werden. Weil viele Schwellenländer und Entwicklungsländer eigene Industrien aufbauen und deshalb die Deutschen Anlagen gebrauchen können.
(Interview: Anja Heyde)









