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Buchtipp

Robert J. Shiller: Die neue Finanzordnung

Begleitlektüre zur Diskussion über den Umbau des Sozialstaats: US-Ökonom Robert J. Shiller vertritt die These, dass soziale Sicherheit und Wirtschaftlichkeit sich nicht grundsätzlich ausschließen.

Robert Shiller ist der Prophet, der angesichts der fatalen Konsequenzen des Börsen-Booms Ende der 1990er Jahre mahnend den Zeigefinger hob. Im März 2000, kurz vor dem Platzen der Technologie-Blase, hatte der Yale-Professor sein Buch "Irrationaler Überschwang" veröffentlicht. Die Botschaft damals lautete: Die Börsen machen den Menschen nicht reich.

In seinem jüngsten Werk hat Shiller nun die Wandlung vom ökonomischen Saulus zum Paulus vollzogen: "Die neue Finanzordnung" setzt darauf, dass Finanzmärkte, Versicherungen und Hedgefonds zur Lösung der Probleme des Einzelnen und der Gesellschaft beitragen können: beispielsweise zur Sicherung der Altersversorgung, zur Rettung des maroden Sozialstaats und als Entwicklungshilfe. Dabei konstruiert Shiller in amerikanisch-pragmatischer Manier eben nicht theoretische Gedanken-Experimente, sondern liefert praktische Beispiele für die neue Rolle der Finanzmärkte.

Lebensunterhalt-Versicherung

So etwa in der Ausbildung mit der Idee einer so genannten "Lebensunterhalt-Versicherung", die jungen Leuten die Perspektive einer gewagten akademischen Karriere erleichtern soll. Dadurch könnte ein junger Wissenschaftler am Kapitalmarkt eine solche Versicherung kaufen, mit der er seine Ausbildung finanziert. Der Clou dabei: Das Risiko wird von den Kreditgebern über den Kapitalmarkt getragen, praktisch von einem Zukunftsmarkt für künftige Berufserfolge. Damit würden mehr Menschen riskante Karriere-Schritte unternehmen - etwa in der Forschung von Bio- und Gentechnik - und dies bringe die gesamte Volkswirtschaft nach vorn.

Was bei der Ausbildung funktioniert, soll laut Shiller auch in anderen Bereichen dank solcher Risiko-Versicherungen klappen: etwa gegen den Wertverfall von Immobilien und bei der Finanzierung von Generationen-Verträgen als Alternative zur herkömmlichen Rente. Dies alles erscheint wie eine High-Tech-Version zur Rettung unserer maroden Wohlfahrtsstaaten.

Weltportfolio

Die Krönung der Ideen der "neuen Finanzordnung" ist aber das so genannte "Weltportfolio", in dem sich die Staaten gegenseitig gegen Wirtschaftskrisen absichern können: Globale Wohlfahrt durch globales Risiko-Management soll so auch zum Weltfrieden beitragen. Zunächst einmal klingen die Vorschläge abwegig und kompliziert, doch Shiller setzt auf die digitale Technologie. Mit Hilfe von Computern und vernetzten Datenleitungen könnten auch globale Risiken berechnet werden. Das Management von Risiken an den internationalen Börsen führt so zu mehr Wohlstand für alle - so das Credo von Robert Shiller.

Bei alldem offenbart sich der Autor als ein Sozialreformer mit Herz und zugleich als gemäßigter Kapitalist, der Geld und gesellschaftliches Gewissen in Einklang bringen will. Noch klingen die Konzepte utopisch - aber die Herausforderungen unserer Zeit erfordern utopische Konzepte.

 

Klaus Feldkeller

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Weitere Schlagzeilen

Das Buch Kompakt
  1. Robert J. Shiller: Die neue Finanzordnung
  2. Verlag: Campus, 2003
  3. ISBN: 3-593-37327-0
  4. Preis (EURO): 34.90


 
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