Buchtipp
Stephan Bierling: Geschichte der amerikanischen Außenpolitik
Keine Macht hat die internationale Politik seit 1917 stärker geprägt als die USA. Stephan Bierling bietet hier eine fundierte Darstellung der amerikanischen Außenpolitik vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart.
Die Ereignisse und Entwicklungen zwischen dem 11. September und der Irak-Krise boten beste Voraussetzungen, die Grundzüge der amerikanischen Außenpolitik seit ihren Anfängen verdichtet und überschaubar darzustellen. So bietet die "Geschichte der US-Außenpolitik" gerade auch der Amerika kritischen Öffentlichkeit tiefere Einsichten in außenpolitische Handlungsweisen amerikanischer Präsidenten von George Washington bis George W. Bush.
Brüche und Kontinuitäten
Stephan Bierling, Politologe an der Universität Regensburg, zeichnet die facettenreichen Linien der US-Außenpolitik anschaulich und leicht verständlich nach. Er zeigt Brüche wie auch Kontinuitäten einer Politik auf, die einem Europäer befremdlich erscheinen mag. Besonders das moralische Sendungsbewusstseins der USA und die Verbindung von idealistischer Rhetorik und Interessenpolitik wirken oftmals heuchlerisch. Das aber sehen die USA völlig anders:
"Für die meisten Außenpolitiker der USA und den Großteil der Bevölkerung fallen Moral und Macht zusammen, ist das eine ohne das andere nicht denkbar und legitimieren sie sich gegenseitig."
Die klare Strukturierung in sinnvolle Zeitabschnitte - vom I. Weltkrieg bis zum Krieg gegen den Terror - deckt sich auch inhaltlich weitgehend mit sehr unterschiedlichen außenpolitischen Ausrichtungen, die sich mit Hilfe der Zeitachse leicht nachvollziehen lassen. Aber auch die frühe Geschichte der US-Außenpolitik kommt nicht zu kurz und findet sich in den Grundlagen wieder. So erfährt der Leser dort auch zum Beispiel einiges über die Hintergründe und den besonderen Status von Guantanamo.
Think Tanks und Lobbyisten
So informativ die historischen Abfolgen auch dargestellt sind, entscheidende Einsichten bieten die Kapitel über die Rolle des Präsidenten und die gesellschaftlichen Akteure, die Außenpolitik beeinflussen und manchmal auch dominieren. Hier treffen Liberale, Konservative, Internationalisten und Unilateralisten aufeinander, unterstützt von "Think Tanks" oder Lobbygruppen wie dem extrem einflussreichen "Amerikanisch-israelischen Aktionskomitee". Sie versuchen, ihre Ideen in der Administration unterzubringen. Und ob der Präsident die Außenpolitik im Weißen Haus zentralisiert oder dem Außenamt eine Führungsrolle einräumt, entscheidet letztlich auch über Ausrichtung und Stil der Außenpolitik, aber natürlich auch über den Einfluss der Think Tanks und Lobbyisten. Ein lesenswertes Buch, das sich auch gut als Nachschlagewerk eignet.
Weitere Schlagzeilen
Das Buch Kompakt
- Stephan Bierling: Geschichte der amerikanischen Außenpolitik
- Verlag: C.H. Beck, 2003
- ISBN: 3-406-49428-5
- Preis (EURO): 12.90







