Buchtipp
Peter Bender: Weltmacht Amerika - Das Neue Rom
Sind die Amerikaner die Römer unserer Zeit? Wollen sie - wie Rom - ein Empire schaffen? Peter Bender spekuliert nicht, sondern befragt die Geschichte vom Altertum bis ins Jahr 2003.
Allein schon der Titel: ”Weltmacht Amerika: Das neue Rom” macht neugierig, ja elektrisiert vielleicht sogar. Kein Wunder, angesichts der politischen Entwicklung in den USA seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und der Zerreißprobe im UN-Sicherheitsrat vor und während des Irak-Krieges im letzten Jahr. Peter Bender, Althistoriker und langjähriger Journalist wagte sich an ein immer wieder gern diskutiertes Thema: Die einzig verbliebene Supermacht USA direkt und unmittelbar mit der antiken Weltmacht Rom zu vergleichen.
Versuch der Plausibilität
Aber schon nach wenigen Seiten weicht die spontane Neugierde einem berufsmäßigem Interesse, erlischt jede Form der Elektrisierung. Das Buch ist erzählte Geschichte, nett und mit leichter Hand niedergeschrieben, die auch ein geübter Erzähler unterhaltsam vortragen könnte. Es ist eine scheinbar endlose Aneinanderreihung und Beschreibung von wichtigen politischen Ereignissen in Rom, Karthago, Athen, Washington, New York, die die Wege des Antiken Rom und der USA zur Weltmacht aufzeigen. So werden der 2. Punische Krieg und der Zweite Weltkrieg oder auch die Entmachtung der hellenistischen Großmächte und der Kalte Krieg jeweils nebeneinander gestellt, und der Autor versucht mit dieser Struktur Plausibilität in seiner Argumentation zu erzeugen.
”Unentbehrliche Bedingung dafür, die Nummer eins in der Welt zu bleiben, war für Römer und Amerikaner militärische Überlegenheit über den Rest der Welt. Beide wurden zu den einzigen Weltmächten ihrer Zeit, weil sie als einzige jeden Platz der Welt militärisch erreichen konnten.”
Unterhaltsamer Parforce-Ritt durch die Geschichte
Aber das, was der Autor aus der römischen Antike und den USA nebeneinander stellt, wirkt merkwürdig kühl, fast leblos, wie etwas, das nicht zusammenpassen will. Und daran liegt auch das Grundproblem: etwas zu vergleichen, das analytisch nicht zusammenpasst, deskriptiv sicherlich schon.
Was bleibt ist ein unterhaltsamer Parforce-Ritt durch alte und neue Geschichte, oder besser Zeitgeschichte. Für den historisch unbedarften, aber interessierten Leser gibt das Buch erstklassigen Nachhilfeunterricht in Geschichte überhaupt, die leider in den Schulen in den letzten zwei, drei Jahrzehnten so sehr vernachlässigt wurde. So kann dieses Buch vielleicht als Einstieg in die Geschichte der USA dienen und gibt zugleich dem Leser einen Eindruck, wer unser abendländischen Denken so stark geprägt hat.
Weitere Schlagzeilen
Das Buch Kompakt
- Peter Bender: Weltmacht Amerika - Das Neue Rom
- Verlag: Klett-Cotta, 2003
- ISBN: 3-608-96002-3
- Preis (EURO): 19.50






