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Stichwort | 09.06.2008

Duft

Gemeinhin wird dem Geruchssinn des Menschen eher geringere Bedeutung zugemessen. Dabei ist es häufig der Duft – oder je nachdem der Gestank – der über Zu- und Abneigung, über Ge- und Missfallen entscheidet.

Was wir über den Geruchssinn wahrnehmen können, haftet am längsten im Gedächtnis. Das olfaktorische Erinnerungsvermögen ist in der Tat erstaunlich. Vielleicht, ja mit Sicherheit haben Sie es schon erlebt: Plötzlich ist es wieder da, das Bild aus Kindheitstagen. Alles steht deutlich vor dem geistigen Auge, als sei es gestern gewesen. Ausgelöst durch einen Geruch oder einen Duft, der einen im Vorbeigehen von irgendwoher anweht. Schon ist er vorbei, aber das Bild, welches er hervorgerufen hat, bleibt.

 

Duft – ganz ohne Duftstoff

 

Sie können nachher folgenden Versuch machen: Konzentrieren Sie sich möglichst mit geschlossenen Augen auf etwas Ihrer Wahl, was einen ganz eigenen Duft hat. Zum Beispiel Veilchen. Es kann sein, dass sich dann ganz langsam die Wahrnehmung von Veilchenduft einstellt, obwohl in Ihrer unmittelbaren Umgebung gar keine Veilchen sind.

Düfte können unterschiedlichste Gefühle und Assoziationen auslösen. Es scheint ihnen etwas Magisches innezuwohnen. Nicht ohne Grund sprechen wir von einem zauberhaften, einem betörenden Duft. Mit dem Frühling, wenn es zart zu knospen und zu blühen beginnt, erwachen auch die Düfte. Beim Spazierengehen können wir ihn erschnuppern, den mit einem Windhauch herüber getragenen leisen Duft der ersten Blüten.

 

Was der Nebel damit zu tun hat

 

Duft. Woher kommt er denn, der Duft, sprachlich? Da gab es einmal ein Wort, das hieß "tuft". Es bedeutete "Dunst", "Nebel", "Reif" und auch "Tau". Dann wurde aus dem "tuft" der "Duft", der gleichbedeutend mit "feinem Geruch" war und es bis heute ist. Interessanterweise hatte es in den historischen Tiefen des Indogermanischen ein mit "Duft" urverwandtes Wort gegeben, das so ähnlich wie "deubh" oder "de-ubh" ausgesprochen wurde, doch "zerstieben" und "neblig" waren seine Bedeutungen.

Es mag eine Laune der Sprachgeschichte sein, dass wir heute von "Duftzerstäubern" sprechen und manchmal wie benebelt sind von einem Duft. In der Tat sind es ja feinste Tröpfchen, die in der Luft schweben, wenn wir auf den Vaporisateur, den Zerstäuberknopf des Fläschchens mit Eau de Toilette oder gar Parfüm drücken. Ein feiner wohlduftender Dunst breitet sich dann aus, aber wir kennen auch jene aufdringlichen Duftwolken, wenn es Mann oder Frau zu gut mit dem Duftwässerchen gemeint hat und das hinterlassen, was der Volksmund eine "Duftmarke" nennt.

 

Von Duftmarken und Duftnoten

 

Die Duftmarke gehört eigentlich in die Welt der Tiere. Hierzulande sind es Hunde und Katzen, aber auch Wildtiere, die ihr Revier durch duftende und zunächst flüssige Hinterlassenschaften abstecken. Was den Tieren die Duftmarke, ist den Menschen die Duftnote. Welcher Duft passt zu mir? Welcher zu ihr? Es sind die Duftstoffe, ihre raffinierten Zusammensetzungen, die einen Duft unverwechselbar machen. Geradezu einmalig durch den Menschen, der ihn trägt.

 

Patrick Süskind, der Romancier, hat dies in seinem Buch "Das Parfüm" aufs Beste beschrieben. Düfte wehen uns an und sie verfliegen wieder. Sie verduften. Es bedeutet nämlich dieses "verduften" keineswegs nur das umgangssprachliche "sich aus dem Staub machen", "verschwinden".

 

Ick steh uff Berlin

 

Ja, und nun warten wahrscheinlich etliche der schon etwas Älteren unter Ihnen, was es mit dem einstmaligen Modewort "dufte" auf sich hat. Es hat sich so um die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts von Berlin aus in ganz Deutschland verbreitet. Es hat mit "Duft" und "duften" nichts zu tun. Es ist vielmehr aus dem jiddischen Wort "tow" abgeleitet. "Tow" heißt "außerordentlich", "tadellos", "sympathisch". Nun ist auch klar, was mit der "duften Biene" gemeint war. Ein duftes Mädchen; und dass so eine dufte Biene gut geduftet hat, das versteht sich fast von selbst.

 


Fragen zum Text

 

Wer hat den Roman "Das Parfüm" geschrieben?

1.      Max Frisch

2.      Christoph Ransmayr

3.      Patrick Süskind

 

Wer umgangssprachlich verduftet, der …

1.      riecht gut, hinterlässt eine Duftmarke.

2.      verschwindet, geht weg.

3.      freut sich, ist begeistert.

 

Aus welcher Sprache ist der Ausdruck dufte abgeleitet?

1.      aus dem Englischen

2.      aus dem Jiddischen

3.      aus dem Arabischen

 

 

Arbeitsauftrag

Der Kursleiter besorgt verschiedene Duftstoffe. Als Kursteilnehmer sollen Sie nun jeweils mit geschlossenen Augen herausfinden – evtl. mithilfe von entsprechenden Fragen –, um was es sich handelt. Beschreiben Sie anschließend Ihre Assoziationen.

 

Michael Utz



 
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