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Buchtipp

Hans Leyendecker: Die Lügen des Weißen Hauses

Lügen, Verdrehungen, Manipulationen sind Bestandteil der amerikanischen Politik geworden. Hans Leyendecker schildert die Methoden der Globalkrieger und Hintermänner im Weißen Haus.


Der Irak-Krieg war real, ist wirklich geschehen, wir alle konnten live per TV-Übertragung dabei sein. Die Begründung des Krieges erwies sich im Nachhinein als ein einziges Lügengebäude. Noch nie hat eine Regierung nicht nur die internationale Öffentlichkeit, sondern auch das eigene Volk derart dreist belogen, wie es George Bush und seinen Mannen im Vorfeld der Feldzuges gegen Saddam getan haben - mit diesen Thesen macht ein Buch in Deutschland auf sich aufmerksam, dass sich einreiht in die Vielzahl der Werke, in denen, vor allem in den USA, die Irak-Politik der Bush-Administration durchleuchtet wird.

In Europa unterschätzt: die Think-Tanks

Die oben zitierten Erkenntnisse sind inzwischen nicht mehr neu, und die Recherche der Fakten ist eher eine Fleißarbeit denn ein Stück journalistischen Heldentums. Dennoch: Was Hans Leyendecker, angesehener Journalist der Süddeutschen Zeitung, in seinem Buch "Die Lügen des Weißen Hauses“ zusammengetragen hat, liest sich in der komprimierten Form und der nüchternen Darstellung der Fakten und der Hintergründe wie ein Aha-Erlebnis. Da hat einer die Hunderte von Puzzleteilchen zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Zu sehen sind die bekannten Gesichter, George Bush, Condoleezza Rice, Dick Cheney, Colin Powell und wie sie alle heißen.

Interessant wird das Buch an der Stelle, wo es zu jedem der Hauptakteure den persönlichen und politischen Werdegang umreißt, und vor allem die Zusammenhänge zwischen den politischen Entscheidungen und den in der US-Politik mächtigen und in Europa oft unterschätzten Denk-Fabriken, den so genannten Think-Tanks herstellt. Dort wurden bereits in der Ära Reagan die Visionen entwickelt, so Hans Leyendecker, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nur noch aus den Schubladen geholt zu werden brauchten: Die Gebrauchsanweisung für die Durchsetzung der geopolitischen Interessen der USA, zu denen sowohl politischer Einfluss als auch der Zugang zu den strategisch wichtigen Rohstoffen zählt.

Christlich-fundamentalistisches Sendungsbewusstsein

Getragen wird dieses Streben nach der Vormachtstellung in der Welt nicht allein von wirtschaftlichen Interessen - die engen Verbindungen zwischen der Regierung Bush und der Erdöl-, bzw. der Waffenindustrie werden ausführlich dargestellt - sondern, so Leyendecker, auch von einem christlich-fundamentalistischen Sendungsbewusstsein. Zu Beginn seines Buches stellt Leyendecker die These auf, Bush glaube, "dass Amerika eine Macht des Guten ist, die mit dem Bösen der Welt aufräumt“, und diese Überzeugung, so der Autor, sei in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Variationen verkündet worden. Davon ausgehend, wirft der Autor "einen Blick hinter die Kulissen der Denkfabriken ...., ohne die es vermutlich keine Bush-Doktrin gegeben hätte“.

Ein aufschlussreicher Blick, der viele Erklärungen liefert, und eine Antwort auf die im Untertitel des Buches formulierte Frage gleich mit: Warum Amerika einen Neuanfang braucht. Mit einem Wahlsieg des Demokraten John Kerry, würde die America-First-Politik der erzkonservativen Republikanergarde zwar nicht folgenlos bleiben, aber, so die Hoffnung von Hans Leyendecker, am Ende ein irritierendes, jedoch kurzes Intermezzo.

 

Mirjam Gehrke

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Weitere Schlagzeilen

Das Buch Kompakt
  1. Hans Leyendecker: Die Lügen des Weißen Hauses
  2. Verlag: Rowohlt, 2004
  3. ISBN: 3-498-03920-2
  4. Preis (EURO): 14.90


 
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