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DW Digital Radio DRM

Mann mit Visionen

Man kann den Direktor DRM der Deutschen Welle getrost als „Mr. DRM“ bezeichnen. Denn Peter Senger stand von Anfang an in der vordersten Reihe derer, die den Internationalen Rundfunk zukunftsfähig machen wollen.



Seit wann beschäftigen Sie sich mit DRM?

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs Anfang der 90er Jahre war das Militär berechtigt, seine Technologien auch für eine zivile Nutzung frei zu geben. Aus drei verschiedenen Vorschlägen resultierte die Entwicklung eines digitalen Standards. Zusammen mit anderen internationalen Rundfunkanstalten haben wir uns seinerzeit bei einer Zusammenkunft in Paris mit diesem Thema befasst, aber es hat noch lange gedauert bis zur Gründung des Konsortiums.

 

Den Begriff DRM gibt es seit 1998; erst kurz bevor sich das gleichnamige Konsortium formiert hat fanden wir diesen Namen. Der Name sollte etwas mit Digitalradio zu tun haben und die Internationalität widerspiegeln. Letztendlich entschieden wir uns für eine Kombination aus Englisch und Französisch: Digital Radio Mondiale, abgekürzt DRM.

Haben sie das Potential des Standards direkt erkannt?

Durchaus. Damals war ich im Lenkungsausschuss von World DAB für die Satellitengruppe zuständig. Das Projekt ‚Mediastar‘ aus Deutschland haben wir begleitet, analysiert und dann erkannt, dass die Digitaltechnik auch aus dem Orbit heraus sehr gute Ergebnisse erzielen kann.

Es war folglich eine Frage der Logik, ob das nicht auch über den klassischen Kurzwellen-Weg geht, durch die Spiegelung an der Ionosphäre. Wir haben Experten aus Forschung, Industrie und den Rundfunkanstalten zusammengeführt und das analoge System untersucht. Dabei kamen wir zu dem Schluss, dass es gehen müsste. Heute wissen wir: Es geht und funktioniert bestens!

Was bedeutet diese neue Technik für die Verbreitungsmöglichkeiten und damit auch für die möglichen Märkte?

Für die Hörer, weltweit ein paar hundert Millionen Menschen, die uns und andere internationale Stationen hören, bedeutet es einen Quantensprung in der Qualität. Man kann nahezu UKW-Qualität bei störungsfreiem Empfang erreichen. Für die Rundfunkanstalten bedeutet es Kostensenkungen, da die Stromkosten der Sendeanlagen wesentlich niedriger ausfallen.

Peter Senger, Direktor DRM Deutsche Welle und Vorsitzender des Internationalen DRM Konsortiums mit Radio.Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Peter Senger, Direktor DRM Deutsche Welle und Vorsitzender des Internationalen DRM Konsortiums. Foto: DW/Frank LiesegangMittlerweile befassen sich auch kommerzielle Sender, wie RTL aus Luxemburg, mit DRM um später einmal durch den Verkauf von Werbezeiten in DRM-Programmen Geld zu verdienen. Dies wird sich, wenn RTL erfolgreich ist, sicherlich auch in anderen Teilen der Welt durchsetzen, da die Kurzwelle über große Entfernungen hinweg weite Flächen versorgen kann. Hinzu kommt, dass sie nicht von nationalen Regulierungen im Zielland abhängig ist.

Wir glauben, dass dieses System auch für den lokalen Rundfunk eine Rolle spielen wird, denn hier herrscht ein hoher Bedarf an Frequenzen. Mit DRM können Frequenzen genutzt werden, die früher für diesen Bereich nicht vorgesehen waren. Mit 26 MHz , einem kleinen Sender mit 100 W und einer Antenne, die nur die Bodenwelle ausstrahlt und in etwa 100-200 km Fläche im Umkreis versorgt, kann lokaler Rundfunk in voller Stereoqualität gemacht werden.

Es ist immer von einem Quantensprung in Sachen Qualität die Rede. Haben Sie das auch so empfunden?

Viele Menschen, die DRM zum ersten Mal hören, und den direkten Vergleich zwischen analog und digital haben, tendieren zu diesem Begriff. Es ist vergleichbar mit dem Wechsel von der Mittelwelle zu UKW in den 50er Jahren. Das war damals, aus heutiger Sicht würde man sagen, ein CD-Qualitätssprung. Das schaffen wir mit den digitalen Lang- Mittel – und Kurzwellensendungen nicht ganz, aber wir schaffen einen Audio-Qualitätssprung von 4,5 auf 15 KHz, also auf mehr als das dreifache. Nicht zu unterschätzen ist die Verbesserung der Empfangsqualität: Das Rauschen, die Schwankungen und die Interferenzen fallen bei der Digitaltechnik weg!

Früher gab es den Spruch „Das versendet sich auf der Kurzwelle!“, sprich: kleine Fehler, meinte man, waren bei KW - Programmen erlaubt. Das dürfte sich mit DRM ändern!

Wir haben das hoffentlich nicht gedacht! Die Qualität unserer Hörfunkprogramme ist sehr gut. Schließlich wird schon lange nicht mehr nur für die Kurzwelle produziert. Die Programme gehen gleichzeitig über Satellit in nahezu Studioqualität an wiederausstrahlende UKW-Stationen, in Kabelnetze oder komprimiert auch ins Internet.

Bedeutet dieser neue Übertragungsweg auch neue Kosten für die DW?

Anfangs muss parallel, das heißt sowohl digital als auch analog gesendet werden. Für einige Jahre bedeutet das Mehrkosten. Diesen Zeitraum genau abzuschätzen ist sehr wichtig für uns, vor allem in Hinblick auf unsere Kostenkalkulation. Daher haben wir uns auf verschiedene Richtwerte geeinigt.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Einführung des terrestrisch ausgestrahlten digitalen Fernsehens, DVB-T. Die Übergangsfrist beträgt nur ein halbes Jahr, sechs Monate nach dem Start der digitalen Ausstrahlung wird die analoge abgeschaltet.

Negativbeispiel ist in einigen Ländern die Einführung von DAB, sprich dem digitalen Hörfunk, der ursprünglich als UKW-Ersatz gedacht war. Es läuft nicht wie erwartet, und daher gibt es hier Verunsicherungen.

Die Hoffnungen bei der Deutschen Welle, dass DRM sich erfolgreich am Markt etablieren wird, in unseren Hörerkreisen und auch darüber hinaus, sind sehr groß.

Grund zur Hoffnung ist ja gegeben: Vergleicht man UKW mit DAB und die analoge Kurzwelle mit DRM, dann ist der Qualitätsunterschied im letzteren Falle viel deutlicher.

DAB hört sich besser an als UKW, vor allem die bei UKW vorhandenen Mehrwegeausbreitungstörungen fallen bei DAB weg. Dafür ist dieses System schließlich entwickelt worden. Aber es gibt nicht diesen enormen Qualitätsunterschied. Das System ist hervorragend. Es arbeitet genau so, wie man es haben wollte. Der Hörer aber sagt sich: Auf ein bisschen Qualitätsverbesserung kann ich verzichten.

Peter Senger, Direktor DRM, Vorsitzender DRM-Konsortium, auf der IFA in Berlin.Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Peter Senger, Direktor DRM, Vorsitzender DRM-Konsortium, auf der IFA in Berlin.Beim Vergleich der analogen zur digitalen Lang- Mittel- und Kurzwelle sind die Reaktionen durchweg äußerst positiv und befürwortend. Ich bin sehr optimistisch, dass die Hörer, die die Deutsche Welle, die BBC oder andere Stationen regelmäßig hören, das Geld investieren werden, uns in verbesserter Qualität zu hören.

Unsere Inhalte und eine aktualisierte Art der Programmgestaltung sollen ein zweites Zugpferd sein. Es wird einen Europakanal geben, wie er noch als Arbeitstitel heißt, auf dem wir ein neu gestaltetes Programm veranstalten: Zum Teil Deutsch, zum Teil Englisch, zum Teil Musik. Wir hoffen, so unseren Hörern etwas noch Attraktiveres bieten zu können.

Mit welchen Kosten hat der Hörer bei DRM zu rechnen? Ist das schon absehbar?

Leider nicht, da sich die Industrie nicht äußert. Es wird ein Gerät sein, das auf jeden Fall neben DRM auch analoge Lang-, Mittel- und Kurzwelle, sowie UKW wiedergibt. Wahrscheinlich auch DAB-Sendungen, und es wird portabel nutzbar sein. Zusätzlich ist ein Empfänger fürs Auto geplant und ein „Küchenradio“. Aber wer das am Ende bauen und zu welchem Preis auf den Markt bringen wird, kann ich noch nicht sagen.

Wie sieht die „Roadmap“ für DRM aus, was die Zielgebiete angeht?

Nach langen Abwägungen innerhalb des DRM Konsortiums wurde Europa als erster Markt festgelegt. Das hat zum einen damit zu tun, dass sehr viele Mitglieder des Konsortiums aus Europa kommen, zum anderen damit, dass viele Rundfunkanstalten Europas bei DRM eine Vorreiterrolle einnehmen. Da sind wir, sprich die Deutsche Welle, der BBC Worldservice, DeutschlandRadio, RTL als großer kommerzieller Sender, und andere.

Nimmt der Markt DRM in Europa an, werden andere Märkte folgen. Die Reihenfolge ist bislang nicht festgelegt, aber sicherlich gehören der Nahe und Mittlere Osten und Asien dazu.  Wir konzentrieren uns im Moment voll auf Europa, da uns nur begrenzt Ressourcen und Mittel zur Verfügung stehen. Es werden auch bereits Sendungen nach Russland, an denen die DW beteiligt ist, sowie nach Asien, ausgestrahlt. Offensichtlich besteht dort ein starkes Interesse an DRM.

Die DW wird dieser Richtung folgen und bald auch mit einer Stunde Sendung nach China beginnen. Wir wollen dort forciert auf einen lokalen Markt hinarbeiten und hoffen, nationale Rundfunkanstalten zu finden, die mitmachen. Denn diese öffnen den dortigen Markt natürlich sehr viel schneller als ein internationaler Sender wie die DW.

Ab wann – glauben Sie – sendet die DW nur noch digital?

Irgendwann zwischen 2015 und 2020 wird man meiner Einschätzung nach die analoge Ausstrahlung abschalten. Dann wird sich die digitale Übertragung weltweit durchgesetzt haben.

 


 

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