1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose form 30 Languages


 

Stichwort | 30.06.2008

Band

Wenn mal wieder alle Bänder stillstehen, ist klar: Betroffen sind hier weder Maßbänder noch Tonbänder oder Haarbänder, sondern die Fließbänder in den Betrieben. Leider ist die Sache nicht immer so eindeutig.

Das Stichwort dieser Woche umfasst eine außergewöhnliche Bandbreite von Bedeutungen, und "Bandbreite" selbst ist eine davon. "Band" ist nämlich unser Stichwort, und das fängt mit einem Streifen Gewebe an, einem Streifen Stoff, mal länger, mal kürzer, schmal oder breit, aus unterschiedlichstem Material und in allen denkbaren Farben. Da haben wir die bunten Bänder an Trachten und Kostümen, die Bänder am Maibaum, das Band im Haar und das Band zum Zusammenhalten von allen möglichen Gegenständen, die sich mit Band oder Bändern zusammenbinden oder zusammenkleben lassen. Mit Klebeband.

Bewegte Bänder

Und dann gibt es da noch das Fließband, die Bänder. Das Kürzel für Fließbänder, jener technischen Errungenschaft, die – so steht es zumindest in einem Lexikon – am 16. August 1913 zum ersten Mal eingesetzt wurde. Übrigens in der Autoindustrie; nämlich bei der Herstellung des legendären Modells Ford T in den Fabriken von Henry Ford.

Die Fließbandfertigung als Produktionsmethode ist seitdem nicht mehr aus den Prozessen industrieller Fertigung wegzudenken. Wissenschaftliche Untersuchungen über die Arbeit am Fließband füllen ganze Bände; in unzähligen Veröffentlichungen wurde über das Für und Wider der Arbeit am Band geschrieben.

Binden, Band, verbunden

"Band", das Substantiv, ist aufs engste mit dem Verbum "binden" verbunden. In einem Band, im Sinne von Buch, sind bedruckte Seiten zusammengefasst, gebunden, das Gegenteil wären lose Blätter. Ein Blumengebinde ist eine zum Strauß gebundene Menge einzelner Blumen.

Bänder halten zusammen. Ohne sie könnten wir uns nicht bewegen. Gemeint sind jetzt die dehnbaren sehnenähnlichen Bindegewebsstränge zur Verbindung beweglicher Teile des Knochensystems. Wenn solche Bänder überdehnt sind oder sogar reißen, wird uns nicht nur aufs Schmerzlichste bewusst, dass sie da sind, sondern dass wir im wahrsten Sinn des Wortes abhängig von ihnen sind.

Außer Rand und Fassband?

Einen Zusammenhalt anderer Art gewährleisten die Fassbänder, die das Fass beziehungsweise die Fassdauben zusammenhalten. Wenn sie reißen, löst sich das Fass in seine Einzelteile auf. Dafür gab es einen Fachausdruck, der hieß "außer Rand und Band" und bedeutet heute in etwa "Chaos", "Durcheinander". Oder ein bisschen gestelzt ausgedrückt, den Verlust von Ordnung und Zusammenhalt.

"Band", wir haben es schon erwähnt, hat nicht nur eine beeindruckende Bandbreite von Bedeutungen, es ist auch Kürzel. Im entsprechenden Zusammenhang genügt es, vom "Band" statt vom "Tonband" zu sprechen, statt "Maßband" "Band" zu schreiben, und wenn klar ist, dass es um ein neues Farbband geht, so kann auch in diesem Beispiel der erste Teil des Kompositums getrost weggelassen werden. Und zu guter Letzt: Ein klar abgegrenzter, schmaler Frequenzbereich wird in der Nachrichtentechnik kurz "Band" genannt.

Was ein farbiges Band in der Schifffahrt zu suchen hat

Unter allen farbigen Bändern ist das blaue Band wohl das berühmteste. Im Gedicht Eduard Mörikes ist es der Frühling, der sein blaues Band wieder durch die Lüfte flattern lässt; aber das blaue Band gab es wirklich. Die "Normandie", 1935 das schnellste Passagierschiff der Welt, hatte die Atlantikstrecke Le Havre – New York in Rekordzeit geschafft und auch die Rückfahrt nach Cherbourg in vier Tagen, drei Stunden und 25 Minuten geriet zum Triumph.

Commodore Pugnet hatte vor Fahrtantritt heimlich ein dreißig Meter langes Band anfertigen lassen und ließ dieses am Großmast der "Normandie" flattern. 30,31 Knoten betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit. Dreißig Knoten, dreißig Meter blaues Band. In den folgenden Jahren jagten sich französische und englische Luxusdampfer sozusagen am laufenden Band gegenseitig die Rekorde ab. Mal flatterte das blaue Band an einem englischen, mal an einem französischen Schiff. Niemals war dieses Band eine offizielle Auszeichnung, aber es gab es.

Hm, lecker: blaues Band

Die Speisekarten Europas haben jener Zeit auch das mit Käse gefüllte panierte Schnitzel zu verdanken. Irgendwann ließ sich ein Schiffskoch zu diesem Gericht inspirieren und nannte es "Cordon bleu". Zu Deutsch: blaues Band.


Fragen zum Text:

Von wem wurde das Fließband erstmals eingesetzt?
1. Adam Opel
2. Henry Ford
3. André Citroën

Herrscht Chaos und Durcheinander, so ist etwas oder jemand ...
1. am laufenden Band unterwegs.
2. außer Rand und Band.
3. vollkommen bindungslos.

Das blaue Band flatterte an Schiffen, die ...
1. besonders schnell waren.
2. sehr viele Passagiere befördern konnten.
3. besonders umweltfreundlich waren.


Arbeitsauftrag:
In unzähligen Veröffentlichungen sei über das Für und Wider der Arbeit am Fließband geschrieben worden, heißt es im Text. Diskutieren auch Sie über die Vor- und Nachteile dieser Arbeitsform.

 

Michael Utz



 
Bilder des Tages
ImageOfTheDay

DW-TV EUROPA live

Quadriga - The international Talk Show