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Stichwort | 21.07.2008

Luft

Kaum etwas ist so wichtig wie die Luft, doch wird man mal wie Luft behandelt, so ist man darüber meist wenig erfreut. Statt deswegen aber gleich in die Luft zu gehen, empfiehlt sich ein Spaziergang an der frischen Luft.

Die Berliner Luft hat in Deutschland eine gewisse Berühmtheit erlangt. Sie wird in einer Volksweise besungen und zählt immer noch zum unverzichtbaren Repertoire nicht nur der Berliner Drehorgelspieler. Mit dieser Berliner Luft ist weniger die Atemluft in der deutschen Hauptstadt gemeint als vielmehr die unverwechselbare Atmosphäre der Stadt, in der Dinge möglich sind, die eben nur in Berlin, in der Berliner Luft, geschehen können.

Lyrische Luft

Wir stellen Ihnen wie jede Woche ein Stichwort vor. Diesmal heißt es "Luft", und was läge nach Frühlingsbeginn näher, als dabei an die milde Frühlingsluft zu denken. Man muss sie einfach erwähnen, die Anfangszeilen von Eduard Mörikes Gedicht "Er ist’s":

"Frühling lässt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte …".

Und Ludwig Uhland begrüßt den Frühling:

"Die linden Lüfte sind erwacht …".

Seit dem 18. Jahrhundert zählt der Plural von "Luft" – "Lüfte" – als ausschließlich poetischer Ausdruck zum deutschen Wortschatz.

 

Wenn wir sagen: "Kein Lüftchen regt sich", ist "Lüftchen" eine Art Grenzfall zwischen gehobener und dichterischer Sprache. Ein Lüftchen ist ein Windhauch. Für kurze Zeit leicht bewegte Luft. Die Luft wird meist erst dann wahrgenommen, wenn sie in Bewegung ist. Wir kennen die Wahrnehmung und natürlich auch die Wirkung frischer Luft, die beispielsweise beim Lüften von Räumen durch die geöffneten Fenster strömt. Wir empfinden Luft als kalt oder warm, wir spüren die Zugluft, die durch Fenster und Türen zieht und besonders im Winter höchst unangenehm ist.

 

Zu Wasser, zu Lande – und an der Luft?

 

Aber wir haben ja den Winter hinter uns gelassen, Warmluft bestimmt nun im Großen und Ganzen das Wetter. Den meisten von uns macht es eben doch mehr Spaß, an die Luft zu gehen, wenn es schön mild ist draußen, man kann sich wieder luftigere – sprich leichtere – Klamotten anziehen und, wie es in dem alten Schlager heißt, feststellen: "Es liegt was in der Luft, ein ganz bestimmter Duft …"

 

Wir gehen an die Luft, das heißt, wir machen einen Spaziergang. Wir können aber auch in die Luft gehen. Letzteres bedeutet, wir machen unserem Ärger lauthals Luft, hauen auf den Tisch und sagen, was Sache ist.

Macht Stadtluft nun frei oder doch eher krank?

Apropos sagen, was Sache ist: Was ist denn Luft eigentlich? Nun, sie ist die Schicht, die unsere Erde als Atmosphäre umgibt. Ein Gasgemisch, das vor allem aus Stickstoff und Sauerstoff besteht. Verschiedene Luftschichten unterschiedlicher Temperaturen und die Luftströmungen bestimmen im Wesentlichen unser Wetter.

 

Luft ist nicht gleich Luft. Wir spüren die Unterschiede. Die Meeresluft, die Luft in den Bergen, sie sind anders als die Luft in den Städten, den Ballungsgebieten. In diesem Zusammenhang kommen wir um den so strapazierten Begriff der Luftverschmutzung nicht herum. Frische, gute Luft ist lebensnotwendig. Deshalb sagen wir auch von etwas, was uns lebenswichtig erscheint: "Ich brauche das, wie die Luft zum Atmen."

Von Luftsäcken und Luftschlössern

Wir verzichten auf einen alphabetischen Durchgang der gebräuchlichsten mit "Luft" zusammengesetzten Hauptwörter. Jeder weiß, dass ein "Luftbefeuchter" ein Gerät ist, das die Luft befeuchtet, wenn sie zu trocken ist, und über den "Luftverkehr" müssen wir uns auch nicht auslassen. Aber da gibt es noch den "Luftsack", und zu dem wollen wir uns eine Anmerkung nicht verkneifen. "Luftsack" ist nämlich das deutsche Wort für "Airbag".

 

So ganz ohne die Komposita geht es ja wohl doch nicht. Also, ein letztes: Was ist ein Luftschloss, beziehungsweise was bedeutet der Ausdruck "Luftschlösser bauen"? In uns allen steckt ein kleiner Baumeister, der manchmal, vor dem Einschlafen zum Beispiel, ein Luftschloss zu bauen beginnt. Das ist ein Fantasiegebilde, eine Wunschvorstellung, bis ins Detail ausgemalt; aber ach, sie lassen sich nicht verwirklichen, die Luftschlösser, lösen sich auf und verschwinden im Nichts.

Bloß nicht Luft sein!

Luft wird im Vergleich zu Festem und Flüssigem als Nichts, als Leere angesehen. Vernichtendes Urteil über eine Person ist demnach: "Der ist Luft für mich." Ein Nichts. Ein Niemand. Schlimm, wenn es einmal soweit gekommen ist. Da ist nichts mehr zu machen. Dann lieber dicke Luft und irgendwann ein ordentlicher Krach. Dann ist sie raus die dicke Luft.


Fragen zum Text:

Was bezeichnet der Begriff "Lüftchen"?
1. dünne, sauerstoffarme Bergluft
2. das Öffnen von Fenstern, um Luft hereinzulassen
3. einen leichten Windhauch

Woraus besteht Luft hauptsächlich?
1. aus Kohlendioxid
2. aus Argon
3. aus Stickstoff

Ein Luftschloss ist eine ...
1. unrealistische Wunschvorstellung.
2. bestimmte Wolkenformation.
3. Burg mit einer Mindesthöhe von 30 Metern.


Arbeitsauftrag:
Ob Eduard Mörike oder Ludwig Uhland, ob in der Volksweise oder im Schlager – Luft war stets ein beliebter Gegenstand für Dichter bzw. Texter. Schreiben auch Sie ein kurzes, mindestens vierzeiliges Gedicht, in dem es um Luft geht.

 

Michael Utz



 
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