Religion | 10.09.2007
Zwischen Dschihad und Sozialarbeit - Die Hisbollah im Libanon
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Zerstörte Häuser im Südbeirut.
Im Süden von Beirut sind vielerorts noch Schäden des letzten Kriegs zu sehen. Die Menschen hier haben gelitten - aber die Hisbollah hat ihnen auch geholfen: Wer durch israelischen Bombenbeschuss sein Heim verlor, erhielt eintausend Dollar Soforthilfe. Das schafft viel Dankbarkeit. Und natürlich auch Abhängigkeiten. Die Menschen hier sprechen in höchsten Tönen von der Hisbollah und Hassan Nasrallah.
Der Kampfgeist und die militärische Stärke der Hisbollah werden auch von Nicht-Schiiten bewundert. Bei vielen verursachen sie aber auch Ängste. Eine große christliche Partei arbeitet zwar mit der Hisbollah zusammen. Aber andere Christen und viele Sunniten und Drusen unterstellen ihr, den Libanon in immer neue Kriege mit Israel hineinziehen und weitgehend unter syrischen und iranischen Einfluss stellen zu wollen - möglicherweise sogar mit dem Fernziel einer schiitischen Dominanzherrschaft im Libanon.
Nawaf Al Musawi, zuständig für die Außenbeziehungen der Hisbollah, dementiert dies: "Die Errichtung einer Islamischen Republik war zu keinem Zeitpunkt Bestandteil des politischen Programms der Hisbollah. Wir bemühen uns vielmehr bereits seit unserer Parteigründung um einen nationalen Konsens - und halten bis heute an diesem Kurs fest."
Hisbollah als Machtfaktor
Allerdings - die Hisbollah ist schwer bewaffnet. Sie ist die einzige Miliz, die 1990 nach dem Ende des Bürgerkriegs nicht ihre schweren Waffen abgegeben hat - sondern schmuggelt bis heute sogar weitere ins Land. Die Islamisten stellen diese Waffen nicht zur Schau - aber ihre Existenz verursacht bei Teilen der anderen Bevölkerungsgruppen großes Misstrauen. Sheikh Mohammed Hussein Fadlallah, der oberste religiöse Führer der Schiiten im Libanon, versucht zu beschwichtigen: "Was die Frage der Waffen anbelangt, so hat die Hisbollah doch längst deutlich gemacht, dass diese nicht gegen andere libanesische Konfessionsgruppen gerichtet oder für den internen Einsatz bestimmt sind. Sie dienen vielmehr zur Abwehr israelischer Aggressionen."
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Sheikh Fadlallah im Deutsche-Welle-Interview
Fadlallah gilt als spiritueller Vordenker der Hisbollah - ein radikaler Prediger gegen so genannte "Ungläubige" ist er aber nicht. Im DW-Interview bekundet er Dialogbereitschaft gegenüber Sunniten und Christen und verurteilt alle Anschläge islamistischer Terrorgruppen in den USA und Europa. Eines jedoch verurteilt er ganz auffälligerweise nicht: Gewalt gegen den Nachbarstaat Israel. Die Hisbollah spricht hier allerdings nicht öffentlich von "Dschihad" oder "Heiligem Krieg". Sie nennt es lieber "nationalen Widerstand".












