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Arbeitsmarkt | 19.03.2008

Wie lange arbeiten wir?

Acht Stunden in Deutschland, sieben in Frankreich, fast neun in Tschechien - die Arbeitszeiten sind in Europa höchst unterschiedlich. Warum das ist das so? Und wie verändert sich unser Arbeitspensum?

Während die Franzosen bisher maximal 35 Stunden pro Woche arbeiten dürfen, müssen die Tschechen durchschnittlich fast zehn Stunden länger ran. Denn das Arbeitspensum ist in fast jedem EU-Staat anders. In dieser Ausgabe von Treffpunkt Europa gehen wir der Frage nach, warum das so ist. Und wir gehen darauf ein, wie sich die Arbeitszeiten in einigen Ländern verändert haben.

Durchschnitt reicht nicht

Deutschland liegt, was die Arbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten angeht, mit einer faktischen Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche ziemlich genau im europäischen Durchschnitt. Den Arbeitgebern sind die Arbeiter und Angestellten damit aber nicht fleißig genug: Es soll noch länger gearbeitet werden. Nur so könne Deutschland international wettbewerbsfähig werden. Doch stimmt das? Über die Hintergründe der Debatte berichtet Renate Krieger.

Tschechien: Die Rekordarbeiter

Arbeiter reparieren einen defekten Generator im Atomkraftwerks Temelin (Archiv, Quelle: AP)Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Die Tschechen schuften europaweit nach wie vor am längsten

Während in Deutschland die Arbeitszeit in den letzten Jahren noch angestiegen ist, arbeiten die Tschechen nicht mehr ganz so viel wie noch Ende der 90er Jahre. Aber mit durchschnittlich 43 Stunden pro Woche sind sie nach wie vor die Rekordschufter in der EU. Nun könnte man meinen, das liege an der geringen Produktivität in dem Ex-Ostblockland, immerhin musste Tschechien vier Jahrzehnte Planwirtschaft überwinden. Nach dem Motto: wer nicht effizient ist, muss halt länger arbeiten. Stimmt aber nicht, mittlerweile hat die Arbeitsproduktivität den europäischen Durchschnitt erreicht. Pavel Polák von Radio Prag berichtet über die wahren Gründe für den Elan der Tschechen.

Das Privileg der 35 Stunden

Die kürzesten Arbeitszeiten gibt es europaweit in Frankreich: Hier gilt - staatlich festgelegt - die 35-Stunden-Woche. Zwar liegt die tatsächliche Arbeitszeit noch etwas höher, bei etwa 37 Stunden, aber dennoch: Die Franzosen haben seit der Einführung der 35-Stunden-Woche vor zehn Jahren relativ viel Freizeit. Damals wurde diese Obergrenze eingeführt, um die immer weniger werdende Arbeit auf mehr Köpfe zu verteilen. Hat das funktioniert? Achim Lippold von Radio France Internationale zieht Bilanz.

Querelen um die Arbeitszeitrichtlinie

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (4.2.2008, Quelle: AP)Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Will die 35-Stunden-Woche nur etwas lockern: Nicolas Sarkozy

Europaweit gibt es also ganz unterschiedliche Arbeitsbedingungen und Vorschriften – und trotzdem dürfen alle EU-Bürger und Unternehmen in ganz Europa über Landesgrenzen hinweg agieren. Um auf dem Binnenmarkt trotzdem Wettbewerb unter ähnlichen Bedingungen zu ermöglichen, gibt es in der EU das Prinzip der Mindeststandards. Diese stehen in der EU-Arbeitszeitrichtlinie, die es seit 1993 gibt und die verschiedene Regelungen zum Arbeitnehmer-Schutz enthält. Bestimmte Ruhezeiten, aber auch die Obergrenze für Arbeitszeit von 48 Stunden in der Woche. Diese Richtlinie wird allerdings in vielen Ländern nicht voll umgesetzt. Seit zwei Jahren versucht die EU-Kommission nun schon das zu ändern und für alle Staaten verbindliche Standards zu setzen – bisher ohne Erfolg. Ruth Reichstein über eine nicht enden wollende Debatte.

 

Manfred Götzke

 
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