Sprachbar | 27.02.2008
Stille Wasser sind tief
Wasser ist Leben. Es fließt, rauscht und rast, wenn es in Massen kommt. Es plätschert als Bächlein und blubbert im Kochtopf. Es gibt viele Ausdrücke und Redewendungen rund um das nasse Element.
Wasser. H²O: Farblose, in dicker Schicht bläuliche Flüssigkeit, mit der unsere Erde zu mehr als 70 Prozent bedeckt ist. So sagt es das Lexikon. Wasser ist das wichtigste Lebenselement für Menschen, Tiere und Pflanzen und hat sich auch in die deutsche Sprache tief hineingegraben.
Sprudeln und spritzen
Die sprudelnde Quelle wird zum plätschernden Bächlein, fließt langsam und mächtig als Fluss, wird manchmal zum reißenden Strom mit tosendem Wasserfall und versickert als spärliches Rinnsal im Boden. Mit Wasser kann man sich das Gesicht benetzen, den Rasen sprengen und im Sommer seine Mitschüler bespritzen. Kinder springen gerne platschend in Wasserpfützen, im Schwimmbad gerne vom Einmeterbrett, und prusten, wenn sie aus Versehen Wasser geschluckt haben.
Stille Wasser sind tief, sagt eins von den vielen Wasser-Sprichwörtern, und Menschen, für die das gilt, sind besonders ruhig, zurückhaltend, ja unscheinbar. Hat man ihre Oberfläche aber einmal durchbrochen, dann zeigen sie ihre bisher unsichtbare Leidenschaft und vielleicht auch manch unvermuteten Abgrund. Der sonst stille Bürokollege entpuppt sich beim Betriebsfest als großer Opernfan, die Sekretärin als wilde Tänzerin und der Kantinenkoch als wüster Frauenheld. Wo der doch sonst so harmlos wirkt, so als könne er kein Wässerchen trüben.
Steter Tropfen höhlt den Stein
Sein Chef dagegen ist Frauen gegenüber eher zurückhaltend, im Umgang mit seinen Geschäftspartnern aber mit allen Wassern gewaschen, zeigt Mut, durchaus auch Kaltblütigkeit und vor allem Erfahrung. Er kann hervorragend handeln, die besten Preise für seine Produkte herausholen und seinen Partnern sogar zum Schluss noch das Gefühl geben, dass sie ein gutes Geschäft gemacht haben.
Selbst bei hartnäckigen Neinsagern gibt er nicht auf und hat so oft nach Tagen und Wochen mit schwierigen Verhandlungen sein Ziel erreicht, ganz nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein. Im Verkaufen ist er wirklich Spitze, da kann ihm keiner seiner Konkurrenten das Wasser reichen.
Wasser predigen, Wein trinken
Managern wird oft vorgeworfen, sie würden mit der Forderung nach mehr Leistung für weniger Lohn Wasser predigen und Wein trinken, vor allem dann, wenn bekannt wird, dass sie sich gerade einige Millionen aus der Bonuskasse genehmigt oder gar Steuern hinterzogen haben.
Derartige Zeitungsmeldungen wirken wie Wasser auf die Mühlen des Volkszornes, bestätigen das negative Klischee von "denen da oben" und schüren den Ärger über sie. Aber bis ein politisches System es schafft, derartigen Missbrauch zu verhindern, nun bis dahin wird noch reichlich Zeit vergehen und viel Wasser den Rhein hinunter fließen.
Mit und gegen den Strom
Menschen neigen zur Idealisierung, besonders in jungen Jahren, wo es darum geht, den eigenen Weg zu finden. Sie darauf hinzuweisen, dass ihre Vorbilder und Helden auch nur Menschen sind und auch nur mit Wasser kochen, bringt meist wenig. Das müssen sie schon selbst erfahren.
Und bald schon teilt sich die Welt auf in Opportunisten, die gerne mit und Querdenker, die lieber gegen den Strom schwimmen, eigene Ideen entwickeln und vertreten. Übrigens, die meisten Menschen liegen wohl dazwischen, schwimmen mal mit und mal gegen den modischen oder politischen Strom. Nur dafür gibt es leider keine passende Redewendung.
Das kalte Wasser der Realität
Es ist schön und sicher ein großer Vorteil, wenn Eltern ihr Kind auf das Leben vorbereiten können. Ebenso wie es als Auszubildender praktisch ist, erst einmal üben zu dürfen, bevor man im Geschäft, im Büro, in der Werkstatt – eben im echten Leben – das Gelernte anwenden muss.
Mancher hat das Glück solcher Vorbereitung aber nicht und wird ins kalte Wasser geworfen, muss sich ohne Ausbildung behaupten oder etwas ganz Neues beginnen, weil für den gelernten Beruf kaum mehr Stellen existieren. In den besten Fällen ist daraus mit der richtigen Idee manch geglückte Unternehmergeschichte entstanden. Der abgebrochene Student, der seine Leidenschaft als Koch, oder der Drucker, der als brillanter Verkäufer sein Redetalent entdeckte.
Kopf hoch
Auch wenn vielleicht vielen eine Zeit lang das Wasser bis zum Halse steht und sie ums wirtschaftliche Überleben kämpfen mussten. Da gilt es, sich gegen Konkurrenten durchzusetzen und sich nur nicht von anderen das Wasser abgraben zu lassen.












