Stichwort | 10.03.2008
Streik
Immer mal wieder geht gar nichts mehr. Die Bänder stehen still genau wie die Busse, und auch der Müll bleibt stehen. Spätestens dann merkt man: Die Tarifparteien konnten sich wohl mal wieder nicht einigen.
Bei der Vielzahl von unnötigerweise aus dem Englischen ins Deutsche übernommenen Wörtern kann es inzwischen passieren, dass die Sprachgrenzen verschwimmen. Was heute salopp als "Denglisch" bezeichnet wird, das modische Mischmasch aus Deutsch und Englisch, hat Vorläufer vom Ende des 19. Jahrhunderts.
Ein Beispiel, in dem unser Stichwort der Woche gleichsam versteckt ist: "Stricke machen". Die Schreibung mit "ck" lässt zunächst vermuten, es handelte sich um einen Ausdruck, der für die Herstellung von Seilen, von Stricken benutzt wurde. Weit gefehlt. Die weitere Wortentwicklung führt uns auf die richtige Spur. Bald gab es die Schreibung ohne "c". Es hieß also "Strike" und "Strike machen". Man sagte bald "streiken" und hatte so das englische "to strike" eingedeutscht.
Unser Stichwort "Streik" hat also englische Wurzeln, was nicht weiter verwunderlich ist, denn die englische Arbeiterbewegung als die älteste der Welt kannte die organisierte Arbeitsniederlegung als erste. "To strike work" hieß nichts anderes, als "die Arbeit niederlegen". Ein sinnvoller Ausdruck; man stelle sich vor, wie die Arbeiter das Werkstück samt dem Werkzeug auf die Werkbank niederlegten.
Der Weg ins Grundgesetz
In Deutschland verbreitete sich das Wort "Streik" mit der Lohnbewegung ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr. Besonders um 1865 und vor allem während des Leipziger Buchdruckerstreiks wird "Streik" und "Streik machen" als Begriff populär und geht in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. In Gesetzestexten und der offiziellen Sprachregelung wird das Wort allerdings gemieden. So ist beispielsweise in der Gewerbeordnung des Deutschen Reiches noch im Jahr 1900 von "Einstellung der Arbeit" zu lesen.
Heute ist "Streik" in Deutschland ein Wort, das untrennbar mit Arbeitskampf verbunden ist. Das Recht auf Streik, das Streikrecht, ist im Artikel 9 des Grundgesetzes verankert. Streik bedeutet allgemein die planmäßige und gemeinsame Arbeitsniederlegung mit dem Ziel, Forderungen durchzusetzen.
Wie streikt man denn nun am wirkungsvollsten?
Es gibt viele Arten von Streiks. Der umfassendste und auch politisch bedeutendste ist der Generalstreik. Nichts geht mehr. Dagegen sind Warnstreiks geradezu harmlos. Sie sollen ja auch dem Tarifpartner auf der anderen Seite, den Arbeitgebern, lediglich signalisieren, dass man sich schleunigst an einen Tisch setzen sollte, damit der Arbeitsfrieden nicht schwerwiegend gefährdet wird und ein richtiger Streik gar nicht erst aufgerufen wird. Dies ist ohnehin nur möglich, wenn die gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer dem Streik in einer Urabstimmung zustimmen, normalerweise müssen dies 75 Prozent sein.
Dann beginnen die Streikaktionen, die sehr unterschiedlich und branchentypisch sein können. Beim Bummelstreik geht einfach alles nervtötend langsam, ebenso wenn Dienst nach Vorschrift gemacht wird, was die peinlich genaue Befolgung oft aberwitziger Vorschriften bedeutet. So kam es vor, dass vor vielen Jahren Postangestellte bei jeder Leerung die Briefkästen mit einer Art Staubtuch reinigten.
Streikrecht – und Streikpflicht?
Dem Aufruf zum Streik muss der organisierte Arbeitnehmer nicht folgen. Wer will, geht trotz Streik zur Arbeit. Allerdings muss er oder sie dann an den Streikposten vorbei, die schon nachfragen, weshalb und wieso der Kollege oder die Kollegin sich als Streikbrecher betätigt. Allerdings dürfen Streikposten Streikbrecher nicht daran hindern, trotz des ausgerufenen Streiks zur Arbeit zu gehen. Übrigens: Wer streikt, darf nach geltendem Recht nicht entlassen werden, und wer nicht streikt, darf von den Streikenden nicht diskriminiert werden.
Fragen zum Text
Seit wann verbreitete sich das Wort "Streik" in Deutschland?
1. ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
2. nach dem Zweiten Weltkrieg
3. seit dem Jahr 1900
Die umfassendste Niederlegung der Arbeit heißt ... ?
1. Bummelstreik
2. Warnstreik
3. Generalstreik
Was verbirgt sich hinter dem Ausdruck "Dienst nach Vorschrift"?
1. die Weigerung von Arbeitnehmern, an einem Streik teilzunehmen
2. der Entscheidung eines Gerichts, den Streik zu untersagen
3. das peinlich genaue Beachten von häufig unsinnigen Regeln
Arbeitsauftrag
Führen Sie eine Podiumsdiskussion zwischen Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Politikern über mögliche Vor- und Nachteile des Streikrechts.













