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Sprachbar | 26.03.2008

Zu Potte kommen

Zügig zu Potte kommen ist von Vorteil – nicht nur im Ruhrpott, sondern auch für die Schönen wie Potthässlichen. Wer nicht so richtig in die Pötte kommt, muss sich aber nicht grämen. Ist oft eh alles Pott wie Deckel.

"Menschenskind, komm doch endlich mal zu Potte!" Eine Formulierung, die ebenso Ungeduld wie Verärgerung ausdrückt. Was aber steckt genau dahinter? Da drunter würde die Sache besser treffen. Denn der Pott ist nichts anderes als das Nachtgeschirr, das vor der Einführung der Toilettenspülung unter jedem Bett stand. Für alle Notdurftfälle, pardon, Notfälle, wenn man oder frau mal den Nachttopf zur Erleichterung brauchte – und auf den Pott musste.

In die Pötte

Heute brüllt der Göttergatte gerne mal in Richtung Badezimmer, wenn die Dame des Hauses morgens allzu lange das Bad blockiert: "Jetzt komm doch endlich mal zu Potte!" Will sagen: "Beende dein Geschäft! Mach hin!" Womit nicht zwangsläufig gemeint ist, dass die Ehefrau schon seit Stunden auf dem Pott sitzt. Aber eben den Zugang zu diesem verwehrt.

Es geht übrigens auch im Plural: "Komm endlich in die Pötte!" Damit sind nicht etwa die Schuhe der Hausdame gemeint, denn Schuhe als Pötte zu bezeichnen gilt höchstens für Schuhgrößen von 50 aufwärts. Gemeint ist, dass sich die Beste aller Ehefrauen nun doch endlich für die eine oder andere Ausgehkombination entscheiden soll. Währenddessen blickt er in der Küche in immer kürzeren Abständen auf die Uhr, trommelt mit den Fingern auf den Tisch und muss feststellen, dass der Kaffeepott inzwischen genauso leer ist wie seine Blase voll. Schließlich schlüpft sie aus dem Bad, er hinein – er muss mal ganz dringend auf den Pott – und schon ist ihre Stimme mit einem gewissen triumphierenden Unterton zu vernehmen: "Ich bin fertig! Können wir denn endlich?!" Seine Reaktion: "Du bist schon fertig? Potts-tausend!"

Der Ruhrpott

Von solchen Erlebnissen berichten Männer gerne am Stammtisch, wo sie gerne mal einen "pötten", also ein paar Bierchen trinken. Beliebt ist das "Pötten" im Ruhrpott, jenem Gebiet in Nordrhein-Westfalen, in dem früher viel Kohle abgebaut wurde. Und zwar von Püttarbeitern, die im Kohlenpott unter Tage malochten und nach der Schicht aussahen wie eine Pottsau, also kohlenschwarz waren.

Der Ruhrpott ist aber auch die Gegend, in der viele Fußballfans schon seit Jahren vom Titel ihres Vereins im deutschen Fußball träumen – doch irgendwie kommen die Kicker einfach nicht zu Potte! Vielleicht klappt es ja demnächst mit dem Pott, oder Pokal!

Nicht alle in einen Pott

Sicherlich darf man nicht alle Menschen in einen Pott werfen, es gibt eben solche und solche: Reiche und Arme, Hübsche und Hässliche, manchmal auch Potthässliche, Große und Kurze. Während der Reiche über jede Menge Asche, also Geld verfügt, meint "Pottasche" etwa nicht einen reichen Einwohner aus dem Ruhrpott.

Pottasche ist ein Begriff aus der Chemie, meint Kaliumcarbonat und hat mit einem Pott voller Geld soviel zu tun wie ein iPod mit einem Topf, in dem Eier gekocht werden. Oder auch soviel wie ein Pottwal mit einem im Topf gegarten Walfilet. Einen Pott, der so groß ist, dass man einen ganzen Wal bequem darin zubereiten kann, findet man übrigens auf den Weltmeeren. Die japanische Walfangflotte hat jede Menge Pötte, also Schiffe, wo man an Bord Pottwale ausnimmt.

Ein Kessel Buntes

Auf jeden Pott passt ein Deckel – das sagt man, wenn zwei Sachen gut zusammenpassen. Oder zwei Menschen. Partnervermittlungen werben gerne damit, dass sie für Suchende immer den Richtigen finden, einen Deckel passend zum Pott eben. Vom Potpourri weiß man, dass es aus dem Französischen kommt und eine kunterbunte Mischung bezeichnet – meist eine Zusammenstellung von verschiedenen Musikstücken. Früher sagte man auch zum Eintopf Potpourri, weil darin alle Reste eingerührt und gekocht wurden. Unterschiedliches Gemüse mit ein paar Speck- und Würstchenstücken – schon war der Kessel Buntes ein Pott voller leckerer Überraschungen!


Fragen zum Text

Jemand, zu dem man "Komm doch endlich mal zu Potte!" sagt, ist …

1. ungeduldig

2. langsam

3. verärgert

 

Aus welchem Bereich stammt der Begriff Pottasche?

1. aus dem Bergbau

2. aus der Chemie

3. aus dem Finanzwesen

 

Ein Potpourri bezeichnet …

1. ein japanisches Walfänger-Boot

2. zwei Menschen, die gut zusammenpassen

3. eine kunterbunte Mischung

 

 

Arbeitsauftrag

Überlegen Sie sich eine Situation, in der eine Person zu einer anderen sagt – wie z.B. im Text der Mann zu seiner Ehefrau: "Komm endlich in die Pötte!" Suchen Sie sich eine/n Partner/in, verfassen Sie gemeinsam einen kurzen Dialog (pro Sprecher/in ca. fünf Wortbeiträge) und spielen Sie ihn anschließend der Klasse vor.

 

Wendelin Rader

 
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