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Medienforschung

Wie arbeitet die internationale Medienforschung?

Breites Methodenspektrum

I. Quantitative Methoden

Quantitative Methoden sind häufig stichprobenbasiert. Repräsentative Stichproben bilden eine Bevölkerung (Population) gewissermaßen "im Kleinen" ab.

Länderstudien

Länderstudien, oder auch Untersuchungen von Regionen oder Metropolen, wie sie die DW-Medienforschung erstellt, sind repräsentative, das heißt auf ein Abbild der Bevölkerung abzielende Erhebungen zur Bekanntheit und Nutzung internationaler Radio- und Fernsehsender, zur allgemeinen Mediennutzung, Gerätebesitz, Empfang, Interessengebiete etc.

Von der Deutsche-Welle-Medienforschung wird hierfür ein Forschungsinstitut beauftragt, das im jeweiligen Land die Umfragen in Form von persönlichen oder telefonischen Interviews durchführt.

In den Studien der DW-Medienforschung werden meist zwischen circa 1.000 und 2.000 Personen befragt - eine im Allgemeinen ausreichend große Stichprobe. Man geht in den Sozialwissenschaften davon aus, dass eine zufällig gezogene Stichprobe eine Population in ihren soziodemographischen Merkmalen abbildet.

Der zu Grunde liegende Fragebogen wird im Allgemeinen von den Medienforschern der DW erstellt. Die vom Institut erhobenen Daten werden anschließend von der DW-Medienforschung ausgewertet und in einem Berichtsband dargestellt.

Zielgruppenbefragungen

Zielgruppenbefragungen sind telefonische, per email oder postalische Untersuchungen einer mehr oder weniger umfassenden Sub-Population, beispielsweise der ehemaligen Programmheftbezieher oder Hörer eines DW-Programms, die postalisch mit der DW in Kontakt getreten sind. Zielgruppenbefragungen erheben nicht den Anspruch repräsentativ für eine bestimmte Population zu sein, sie wollen vielmehr Deskription liefern und auf der Basis anspruchsvoller statistischer Analyseverfahren Strukturen und Zusammenhänge zwischen Einstellungen und Verhaltensweisen in Verbindung mit den Programmangeboten der DW aufzeigen. Zielgruppenbefragungen geben wichtige Hinweise für die Programmgestaltung und -verbesserung.

Programmformatanalysen / Inhaltsanalysen

Für eine Programmanalyse werden die zu untersuchenden Programme in einem bestimmten Zeitraum mitgeschnitten und anschließend nach Kategorien inhaltlich analysiert.
Das Ergebnis einer Programmformatanalyse ist eine exakte Dokumentation des Programmablaufs, des Verhältnisses der verschiedenen Genres und Darstellungsformen, der Präsentation sowie der Musik. Aufbereitet werden die Daten auch in Form so genannter Programm- oder Stundenuhren.
Bei empirischen Inhaltsanalysen dagegen liegt der Schwerpunkt der Untersuchung, wie der Name schon sagt, nicht auf der Struktur oder dem Format, sondern auf Inhalten des Programms. Ansatzpunkt ist eine vorher bestimmte Fragestellung, etwa das im Programm vermittelte Deutschlandbild o.ä.

Programmformat- und Inhaltsanalysen können den Redaktionen nützliche Hinweise zur Kontrolle und eventuell zur Optimierung ihrer Programme liefern.

II. Qualitative Methoden

Qualitative Methoden sind als Ergänzung, aber auch Vorbereitung von quantitativen Verfahren zu verstehen. Da sie inhaltlich weit mehr in die Tiefe gehen können als quantitative Methoden, können sie den Redaktionen Hinweise auf inhaltliche Details geben, die sich in Repräsentativbefragungen kaum abfragen lassen.

Gruppendiskussionen (Focus Groups)

Gruppendiskussionen sind ein übliches Verfahren der qualitativen Medienforschung. Sie dienen der Ermittlung von Aussagen und Meinungen von Testhörern zu einem Programm, anhand derer individuelle und typische Rezeptionssituationen rekonstruiert werden können.
In Gruppendiskussionen können in relativ kurzer Zeit sehr vielfältige Meinungen gesammelt werden, auch solche, die die Forscher bzw. Auftraggeber evtl. nicht vorhergesehen haben.

In Gruppendiskussionen befragt ein Moderator in einem Leitfadeninterview, das die Form eines offenen Dialogs annimmt, nach vorher festgelegten Kriterien ausgewählte Testpersonen. In der Regel nehmen an einer Focus Group circa sechs bis zehn Personen teil, die zuvor beauftragt wurden, das betreffende Programm zu hören oder zu sehen.

Die Antworten und Interaktionen der Gruppenteilnehmer werden aufgezeichnet und anschließend ausgewertet. Auf der Basis der subjektiven Wahrnehmungen der Diskussionsteilnehmer (dies kann selbstredend auch Missverständnisse einschließen) entsteht ein facettenreiches Bild des untersuchten DW-Programms.
Zusammen mit quantitativen Repräsentativ-Erhebungen vermitteln Gruppendiskussionen ein detailliertes Bild der Nutzung eines Programms.

Allerdings kann dieses Verfahren nicht repräsentativ sein, das heißt, es liefert keine verallgemeinernden Befunde.

Programmbeobachtungen

Bei einer Programmbeobachtung hört oder sieht ein Testhörer bzw. Testzuschauer ein Programm über einen bestimmten Zeitraum, in der Regel zwei bis vier Wochen. Die individuellen Hör- bzw. Seheindrücke werden nach einem Beobachtungsleitfaden systematisiert niedergeschrieben.
Es handelt sich allerdings um die Eindrücke und Anmerkungen eines meist einzelnen Testhörerers bzw. Testzuschauers, die nicht verallgemeinert werden dürfen.
Programmbeobachtungen können der jeweiligen Redaktion hilfreiche Hinweise zu ihrem Programm liefern.

Weiterführende Literatur:

DEUTSCHE WELLE (ed.): An Essential Link With Audiences Worldwide: Research For International Broadcasting. Berlin 2002.

Graham MYTTON: Handbook on Radio and Television Audience Research, London u.a. 2. Auflage 1999

 


 

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