Made in Germany (deutsch)
Volkswagen – Betriebsrat gegen Großaktionär Porsche
Seit Monaten tobt der Streit um die Mitbestimmung. Der VW-Betriebsrat wehrt sich gegen den Großaktionär Porsche und spricht bereits von einer „feindlichen Übernahme“. Denn die Mitbestimmungsvereinbarung geht aus Sicht des Betriebsrates zu Lasten der VW-Belegschaft.
Volkswagen werde nach der Übernahme durch Porsche Teil der Holding. Der größere Bruder müsste sich so dem Kleineren unterordnen. Zudem will Porsche auf der Hauptversammlung am 24. April mit einer Änderung der VW-Satzung seine Macht weiter ausbauen. Unter anderem soll das Land Niedersachsen aufgefordert werden, seine 20 prozentige Sperrminorität aufzuheben. Damit verliert dann ein wichtiger Verbündeter des VW-Betriebsrates an Macht. Das will sich die VW-Belegschaft nicht gefallen lassen und plant nun Proteste bei der Hauptversammlung. Patrick Benning mit einem Stimmungsbericht aus Wolfsburg.
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Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Wenn es Not tut, sind sie da. Von Emden über Chemnitz bis Ingolstadt: Die Belegschaften des Volkswagen-Konzerns am vergangenen Donnerstag in Hamburg – pressewirksam und in Kämpferpose. Allen voran ein Mann: Bernd Osterloh – Chef des VW-Gesamtbetriebsrats. Ihn umtreibt eine Frage: Was wird aus der Mitbestimmung bei Volkswagen: "Es geht nicht darum, dass Gross Klein übernimmt oder Klein Gross übernimmt, sondern es geht um eine angemessene Beteiligung der Belegschaft. Und wir wollen ganz einfach, dass diese 360.000 Menschen mittlerweile – wenn man Scania dazu nimmt – angemessen in einem Betriebsrat oder in einem Aufsichtsrat vertreten sind."
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Osterlohs Auftritt – früh um Neun am Hamburger Bahnhof Dammtor – ist ein wohlgeplanter Akt. In knapp einer Stunde wird – keine hundert Meter entfernt – die Hauptversammlung der VW-Aktionäre beginnen. Das große Thema dort: Wie werden die neuen Machtverhältnisse den Konzern verändern. Gegen das Muskelspiel des neuen Großaktionärs tritt Bernd Osterloh in den Ring: "Dies ist kein Konflikt mit Volkswagen und Audi. Dies ist eine Auseinandersetzung mit dem Vorstand von Porsche. Und – Kolleginnen und Kollegen – den werden wir mit aller Härte führen."
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Die Worte des Betriebsratschefs sind nicht zu überhören – auch nebenan im Hamburger Kongreßzentrum nicht. Den meisten VW-Aktionären ist längst klar, dass sie sich zu keiner normalen Hauptversammlung treffen. Es steht vielmehr eine Art Showdown bevor – zwischen denen, die die Verhältnisse bei VW bewahren und denen, die sie ändern wollen. Bernd Osterloh, Chef des VW-Betriebsrats trifft Wendelin Wiedeking, Chef von Porsche – beide gehören dem Aufsichtsrat der Volkswagen AG an – eine mehr als pikante Konstellation in diesen Tagen.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Dabei hatte man in Wolfsburg den neuen Partner Porsche anfangs noch fast euphorisch empfangen. Von Orchesterklängen geleitet traten vor einem Jahr die VW-Topmanager vor ihre Belegschaft – mit Betriebsrat Osterloh und dem Vertreter des anderen großen VW-Aktionärs: Christian Wulff, Ministerpräsident von Niedersachsen. Und Betriebsrat Osterloh hielten ein Plädoyer: "Deshalb habe ich den Einstieg der Porsche AG bei Volkswagen aus Überzeugung immer begrüßt: Weil mir nämlich ein gewichtiger Partner, der sich zum Standort Deutschland und zur Sicherung von Arbeitsplätzen in diesem Land bekennt, allemal lieber ist, als ein Hedgefond."
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Allein: Man hatte die Rechnung wohl ohne ihn gemacht – Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ließ die VW-Betriebsräte bei der Gründung der neuen Porsche-Holding gar nicht mitreden. Und dann noch dies: Höchstens die Hälfte der Sitze im neuen Betriebsrat für die Volkswagen-Belegschaft – obwohl die 30 mal größer ist, als jene von Porsche. Porsche-Vorstandschef Wiedeking erklärte im Januar: "Niemand wird uns mehr aufhalten und daran hindern, die nächsten Schritte zu gehen – sofern wir das denn wollen. Auch, und das sage ich auch bewusst, der Konzernbetriebsrat von Volkswagen wird uns daran nicht hindern."
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Eine Ohrfeige für Bernd Osterloh – zumal auch das Arbeitsgericht Stuttgart Porsche Recht gab – in erster Instanz an diesem Dienstag. Die VW-Hauptversammlung in Hamburg ist die nächste Runde im Machtkampf um VW. Das Volkswagen-Gesetz soll fallen, denn es verschafft dem Land Niedersachsen in wichtigen Fragen ein Vetorecht bei VW. Ministerpräsident Wulff verkündet seinen Widerstand und einen Schulterschluss: "... dass man als Landesregierung und als Betriebsrat natürlich Rendite und Arbeitsplätze gleichermaßen wichtig ansieht. Und dass die Landesregierung schon auch als ein gewisser Gewährträger gesehen wird, dass man Belange von Arbeitsplätzen hoch gewichtet."
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Ein Teilerfolg für Bernd Osterloh – ein Stück Hoffnung auf jeden Fall. Zu viel steht auf dem Spiel: "Wenn man die Vereinbarung sieht, so wie sie gemacht worden ist, ist klar, dass Porsche uns beherrschen möchte und dass es Porsche nicht um eine angemessene Beteiligung der VW-Belegschaft geht." Notfalls will er bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. Es könnte ein langer Kampf werden um Volkswagen.









