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Made in Germany (deutsch)

Studiogast – Andreas Bremer zum Machtkampf bei Volkswagen

Andreas Bremer leitet das Institut für Automobilmarktforschung in Essen. Wir sprechen mit ihm über Volkswagen nachdem Porsche zum Großaktionär wurde.

DW-TV: Heute begrüße ich im Studio Herrn Andreas Bremer vom Institut für Automobilmarktforschung. Herr Bremer, auf was muss sich Volkswagen gefasst machen?

Andreas Bremer: Auf ein höheres Tempo, das auf jeden Fall. Denn Porsche wird auf das Tempo drücken. Produktivität, Effizienz sind die beiden Dimensionen, in denen Porsche ganz klar dominieren möchte und auch den Konzern VW sicherlich verändern wird.

DW-TV: Gut, es ist ein Sportwagenhersteller, da kommt wahrscheinlich das Tempo her, das ist das eine. Aber wird sich Volkswagen auch darauf einstellen müssen, dass es da Umbauten oder Umstrukturierungen gibt in Sachen Belegschaft?

Andreas Bremer: Ja, das ist natürlich die Krux an der Sache. Wenn sie die Produktivität steigern, müssen sie gleichzeitig natürlich ihren Abverkauf steigern, sonst haben sie irgendwann Überkapazitäten, die dann wieder abgebaut werden müssen. Und zu diesem Abbau gehört in der Regel dann auch natürlich Personalabbau. Ich hoffe sehr, dass beide Dimensionen erfüllt werden, also die Produktivitätssteigerung auf der einen Seite und die Absatzsteigerung auf der anderen, dann wird die Personaldecke konstant auch bleiben.

DW-TV: Dieser Personalabbau ist ja auch das, wovor der Betriebsrat so Angst hat. Der Betriebsratschef Osterlohe hat jetzt allerdings in erster Instanz vor dem Arbeitsgericht in Stuttgart beim Mitbestimmungsrecht verloren. Wird er weiterziehen?

Andreas Bremer: Ich denke schon. Er wird zumindest sagen, dass er weiterziehen wird, denn ich kann mir nur vorstellen, dass ein Kompromiss gefunden werden muss. Es kann nicht sein, dass die beiden Parteien jetzt in einen monatelangen Gerichtsstreit gehen. Die haben beide besseres zu tun. Das Kerngeschäft liegt schließlich woanders. Sie wollen Autos bauen und produzieren, und von daher hoffe ich, dass es zu einem Kompromiss kommen wird.

DW-TV: Es hat ja auch eigentlich alles sehr schön angefangen. Also da war sehr gute Stimmung, die ist jetzt allerdings auf einem Tiefpunkt. Wie kann man denn dieses Problem wieder in den Griff bekommen?

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Andreas Bremer: Ja, beide Seiten müssen sich natürlich ein bisschen bewegen. Das ist der Kern eines Kompromisses. Ich denke, dass VW wahrscheinlich von dem Tempo, das Porsche, speziell Herr Wiedeking, vorgelegt haben, ein bisschen überrollt worden ist. Man wird sich fangen und dann werden die beiden Parteien aufeinander zugehen und sich um das kümmern, worum es schließlich geht bei Volkswagen und auch bei Porsche.

DW-TV: Wie zeitgemäß ist denn noch dieses Mitbestimmungsrecht, das das Land Niedersachsen da noch hat?

Andreas Bremer: Ja, die Sperrminorität von Niedersachsen ist sicherlich an sich kein Thema. Die 20% sind das Thema und ich denke, auch die werden zumindest mittelfristig, wenn auch nicht kurzfristig, fallen. Es ist ein Anachronismus heutzutage für eine Aktiengesellschaft.

Interview: Anja Heyde

 
 
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