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Interview | 28.04.2008

Willi Lemke: „Es wird sicher keine Boykott-Mehrheit geben“

UN-Sonderbeauftragter für Sport im Interview der Deutschen Welle

       

Der künftige UN-Sonderbeauftragte für Sport, Willi Lemke, hat erneut einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking ausgeschlossen. In einem Interview der Deutschen Welle sagte Lemke, der am 1. Mai 2008 sein Amt als UN-Sonderbeauftragter antritt: „Es wird ganz sicher keine Mehrheit beim IOC und der UNO geben, die Spiele zu boykottieren.“ Die Staatsform Chinas sei „allen bekannt gewesen, als das IOC die Spiele nach China vergeben hat“. Boykotte dieser Art hätten „nie etwas Relevantes bewirkt“.

Der Bremer Senator für Inneres und Sport und Aufsichtsratsvorsitzende des SV Werder Bremen sagte, Menschenrechtsverletzungen fänden „leider in vielen Staaten der Welt statt“. Es gebe politische Gremien, Menschenrechtsorganisationen und die Vereinten Nationen, die diese Verletzungen thematisieren müssten. Lemke: „Ich halte es für den falschen Weg, wenige Wochen vor den Olympischen Spielen von den Sportorganisationen zu fordern, diese politischen Probleme zu klären.“ Aus Sicht des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hätten die Sportler „selbstverständlich das Recht, sich zu politischen Themen zu äußern. „Wir wollen den Athleten keinen Maulkorb verpassen“, sagte Lemke der Deutschen Welle. Politische Themen sollten aber nicht im Rahmen der Wettkämpfe thematisiert werden, die Veranstaltungsorte sollten frei von Demonstrationen bleiben.

Lemke: „Die Olympischen Spiele sollen für die Chinesen und die ganze Welt ein Erfolg werden. Allerdings sollen die Spiele keine Veranstaltung allein für die Chinesen, sondern für den Weltsport und das IOC sein. Wir wollen die Menschen zusammen- und nicht auseinanderbringen.“

28. April 2008
48/08

 
 
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