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Made in Germany (deutsch)

Pfarrkirchen – das Gymnasium für angehende Unternehmer

Für Sportler gibt es Sportgymnasien, für Künstler Kunstgymnasien, für die Regensburger Domspatzen sogar ein Sängergymnasium, aber eines für spätere Manager gibt es nicht. Mit einer Ausnahme: im niederbayrischen Pfarrkirchen existiert seit ein paar Jahren Deutschlands einziges Unternehmergymnasium.

Hier lernen Schüler, eine Firma zu gründen und werden dabei von so genannten "Paten" aus der örtlichen Wirtschaft begleitet. Zum Beispiel die "Stylingagenten", die Typberatungen verkaufen und vom örtlichen Kaufhaus betreut werden. Oder die Schülerfirma, die die Pausenkantine betreibt. Joachim Eggers begleitet die Schüler und ihre Paten über den Tag.

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Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Eben hatten sie noch Unterricht, jetzt sind sie Unternehmerinnen und prüfen die Kontoauszüge ihrer Firma "JMK". Die Schülerinnen hatten eine Geschäftsidee und das Gymnasium Pfarrkirchen läßt sie machen. Ein Schuljahr lang. Am Ende gibts eine Note für ihr Unternehmen auf Zeit, eine Stylingberatungsfirma, wie die achtzehnjährige Jasmin Meier erklärt: "Die Kunden kommen zu uns, um neu eingekleidet zu werden. Es wird bei der Beauty-School z.B. der Typ bestimmt. Ist man jetzt Sommer-, Herbst-, Winter-, oder Frühlingstyp." Dank der Stilberatung wurde aus ihr ein Sommertyp. Vorher-Nacher-Bilder als Internetwerbung ganz schön clever. Jasmin Meier macht nächstes Jahr Abitur: "Mein Berufswunsch? Managerin. Also ersteinmal möchte ich BWL studieren, so ein Auslandspraktikum, also so ein Jahr lang ein Auslandssemester, und danach möchte ich in einen Konzern einsteigen und immer weiter die Karriereleiter hochklettern."

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Jasmins Bruder geht auch auf diese Schule. Zwei Klassen unter ihr: Manuel Meier. Er möchte mal Unternehmer werden, hat aber gerade wenig Zeit, gleich ist für den 16-jährigen die Pause zu Ende und dann steht Chemie auf dem Stundenplan. Seine Schwester Jasmin ist bereits bei ihrem nächsten Job. Sie arbeitet für die sogenannte Schülerfirma des Gymnasiums, die die Mitagsverpflegung organisiert. Auch hier muss sie unternehmerisch arbeiten, zum Beispiel den Einkauf organisieren. Außerdem bessert sie so ihr Taschengeld auf: "Das liegt in der Familie. Mein Vater, der hat einen Betrieb aufgebaut, und daher lernen wir das von Kindheit an schon, dass man, um etwas zu erreichen, auch ehrgeizig sein muss und nie aufgeben darf. Und deshalb möchten wir beide Unternehmer werden. Jeder hat einen anderen Charakter, und dem einen liegt mehr das Soziale und mir liegt eben mehr das Wirtschaftliche."

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Und damit ist sie eindeutig auf der richtigen Schule, dem einzigen Unternehmergymnasium Deutschlands. Seit zwei Jahren läuft das Projekt "Unternehmergymnasium". Die Schule weckt und fördert unternehmerische Talente. Manuel und seine Schwester besuchen außerdem Workshops mit Unternehmern aus der Umgebung, zu denen die Schule gute Kontakte pflegt, sagt uns Schüler Manuel Meier: "Wir fahren heute noch zur Firma Rematec, wo ich meinen Paten hab und wo ich mein Praktikum mache."

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Viele ortsansässige Firmen haben Patenschaften für die Jungunternehmer des Gymnasiums übernommen. Manuel interessiert sich für Maschinen, der Mittelständler Rematec baut welche. Großkonzerne gibt’s in Niederbayern eher nicht, dafür Unternehmer, bei denen Manuel was lernen kann. Rematec Geschäftsführer Ulrich Steiger ist Manuels Unternehmerpate: "Wir werden ihm auf alle Fälle sämtliche Bereiche zeigen, also die, auf die es ankommt. Wichtig ist, dass die Kalkulation und später die Nachkalkulation der Produkte passt, wie man sie einsetzt und wie man sie auch vertreibt. Es ist wichtig, wie gehe ich an meinen Kunden ran, wie komme ich an meinen Kunden, und wie präsentiere ich mich auch in der Öffentlichkeit."

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Auch Manuels Schwester hat an diesem Nachmittag einen Geschäftstermin: "Und Sie sollen bei ihr Typberatung machen, wenn das geht bitte." Jasmin im Einsatz für ihre Stylingberatungsfirma. Ihre Kundinnen sind in der Regel Freundinnen und Bekannte, für sie knüpft sie den Kontakt zu den Modeprofis. Immerhin, in diesem Schuljahr hat sie schon einen Stamm von 20 Kunden aufgebaut.

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Die Eltern von Jasmin und Manuel sind stolz auf ihre beiden Jungunternehmer. Mutter Meier macht schnell ein Photo für das Gemeindeblatt, weil das Fernsehen auf ihrem Bauernhof ist, vor allem, um diese Maschine zu filmen, einen sogenannten Holzrückewagen. Manuel hat ihn mit einer Bürgschaft seines Vaters für 20.000 Euro gekauft. Jetzt verleiht er die Maschine gegen Geld und hat so kalkuliert, dass er in drei bis fünf Jahren schwarze Zahlen schreibt. Gerda Maria Meier, die Mutter der beiden Jungunternehmer ist stolz: "Also ich finde das ganz gut Weil nur durch Erleben lernt man. Und wenn mal etwas schief geht, der Papa haftet ja." Wenn das Geschäftsmodell funktioniert, kann Manuel in ein paar Jahren mit dem Verleih der Maschine sein Studium finanzieren. Und Jasmin, das sagen alle, die macht Karriere, vielleicht sogar hier in Niederbayern.

 
 
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