Made in Germany (deutsch)
Studiogespräch – Dirk Martin zu jungen Unternehmern
Dirk Martin ist der Vorsitzende des Bundesverbandes Junger Unternehmer (BJU) in Berlin. Wir sprechen mit ihm darüber, wie mehr junge Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.
DW-TV: Bei uns ist jetzt ein Unternehmer, Dirk Martin. Er ist Bundesvorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer. Wie sind Sie Unternehmer geworden?
Dirk Martin: Ganz einfach, nach dem Studium habe ich mir gedacht, jetzt oder nie! Ich habe wenig Geld bis dato verdient und habe mir gesagt: "Jetzt musst Du auch in den nächsten Monaten nicht so viel Geld verdienen!", und habe mir dann gedacht: "Dann probierst Du es einfach mal!"
DW-TV: Also auch sehr unorthodox würde man jetzt sagen. Jetzt haben wir das Beispiel Unternehmergymnasium Pfarrkirchen gesehen, ist das der richtige Weg? Brauchen wir solche Einrichtungen? Geht das nicht anders?
Dirk Martin: Absolut! Ich glaube, wir Deutschen haben ein bisschen Probleme mit Unternehmern und auch Managern. Man hat das ja in der öffentlichen Diskussion zur Zeit sehr häufig, und deshalb glaube ich, dass es sehr, sehr gut ist, wenn man sehr früh – auch schon in der Schule schon mal – darüber aufgeklärt wird, wie der Markt funktioniert, was einkaufen bedeutet, was verkaufen bedeutet und natürlich auch, was es bedeutet, eigene Entscheidungen zu treffen mit einem gewissem Risiko, allerdings auch mit einer Chance – nämlich Geld zu verdienen.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: DW-TV: Sie haben es gerade angesprochen, also wir Deutschen haben so ein bisschen Probleme mit dem Unternehmertum, das lässt sich in Zahlen auch belegen: während in Australien zum Beispiel fast 12% der Erwerbsfähigen eine Firma gründen wollen oder schon gegründet haben, sind es in Deutschland so knapp über 4%. Woran liegt das? Sind das die Deutschen? Ist das die Einstellung oder sind die anderen Länder einfach besser?
Dirk Martin: Also ich glaube, es ist zum einen ein bisschen, dass wir risikoavers sind. Also die Deutschen neigen eher dazu, die Sicherheit zu wählen. Und ein fester Arbeitsplatz, also ein Angestelltendasein, ist vermeintlich erst mal sicherer, als selber frei als Unternehmer zu arbeiten und das andere Thema ist schon, dass wir auch gewisse bürokratische Hürden haben, die es auch nicht so sonderlich schmackhaft machen, mal eben ein Unternehmen zu gründen und es beispielsweise auch auszuprobieren.
DW-TV: Was müsste sich denn grundlegend verändern, damit die Deutschen da so ein bisschen mehr in die Pötte kommen?
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Dirk Martin: Also ich glaube, ganz wichtig wären in der Tat, solche Beispiele wie wir das eben gesehen haben: in der Schule von Anfang an mehr Wirtschaft zu lehren, auch den Leuten etwas besser das Unternehmerbild beizubringen, so, dass sie es auch mal erleben können, weil es einfach viel, viel mehr Spaß macht, frei zu entscheiden, als vielleicht ein Angestelltendasein zu fristen. Von dieser Seite glaube ich schon, dass es der richtige Weg ist, in den Schulen schon anzufangen und danach auch durchaus die Bürokratie etwas zu reduzieren, so dass man also wesentlich schneller mal eine GmbH gründen kann und auch wesentlich schneller dort erfolgreich sein kann.
DW-TV: Wenn Sie jetzt mal so einen kleinen Blick in die Zukunft wagen sollen, glauben Sie, dass die neue Generation, die jetzt heranwächst, vielleicht ein bisschen risikofreudiger ist, weil es sich gesellschaftlich nicht anders machen lässt?
Dirk Martin: Ich bin da eher skeptisch, weil ich glaube, da muss sich die Gesellschaft an sich etwas anders gegenüber Unternehmern und Managern positionieren. Wenn wir heute die politische Diskussion anschauen, ist ja der Unternehmer oder der Manager immer der Böse, der Raffgierige, einer, der nur auf sich selber achtet und alles andere quasi aus dem Weg räumt. Und solange wir diese Einstellung noch haben, ist die Hürde, selber Unternehmer zu werden, extrem hoch und von dieser Seite her glaube ich es nicht, zumal die Erwerbstätigen in Deutschland ja eher geringer werden und somit die Nachfrage nach Mitarbeitern ja wesentlich steigen wird. Das ist natürlich ein hoher Anreiz, nicht Unternehmer zu werden.
Interview: Anja Heyde









