Interview | 09.05.2008
Martin Schulz: Spekulation auf Nahrungsmittel pervers
Vorsitzender der Sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament im Interview der Deutschen Welle
Scharfe Kritik an Empfehlungen deutscher Banken, „die Anlegern raten, in Nahrungsmittelwerte zu gehen, weil nirgendwo mehr Gewinne zu erzielen sind als dort“, hat der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament, Martin Schulz, geübt. In einem Interview der Deutschen Welle sagte Schulz: „Die Spekulation auf Nahrungsmittel gehört abgeschafft. Der Hunger der Einen ist der Profit der Anderen. Perverser kann sich dieses System nicht mehr entwickeln.“
Angesichts der weltweiten Nahrungsmittelkrise warf Schulz den Banken vor, mit ihren Empfehlungen die Krise zu verstärken. „Nahrungsmittelverknappung steigert die Gewinnchancen der Anleger, immer weniger verfügbare Nahrungsmittel führen zu immer mehr Gewinnen der Anleger.“
Mit Blick auf den EU-Lateinamerikagipfel in Peru, an dem in der kommenden Woche auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen wird, sagte Schulz: „Ich habe den Eindruck, die kubanische Regierung von Raúl Castro bereitet einiges vor und will das Land weiter öffnen. Signale wie die Umwandlung von Todesstrafen in langjährige Haftstrafen können dazu führen, die Beziehungen auch zur EU zu normalisieren. Dann kann man vor allem die unsinnigen Sanktionen gegen Kuba endlich aufheben.“
9. Mai 2008
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