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Partner | 23.05.2008

Zensur in Gelb-Phasen

Bonn – Auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung diskutierte am Mittwoch, 21. Mai, eine Expertenrunde im Funkhaus der Deutschen Welle in Bonn. Das Thema: „China – Öffentlichkeit und Medien im Olympiajahr 2008“.

„Die chinesische Regierung hat gelernt, dass offene Berichterstattung ihr Ansehen nicht schwinden lässt.“ Das sagte Prof. Zhang Jiang zu Pekings neuer Offenheit gegenüber den Medien im Zusammenhang mit der aktuellen Erdbebenkatastrophe. Der Medienwissenschaftler aus Peking diskutierte mit den Journalisten Wang Keqin und Li Wenkai. Mit dabei auch die Programmkoordinatorin der Heinrich-Böll-Stiftung in Peking, Zhu Yi. Matthias von Hein, Leiter des Chinesischen Programms von DW-RADIO, moderierte die Runde.

Tabus gebe es dennoch weiterhin. Bei militärischen Fragen und Themen zu Religion und Minderheiten sei eine Grenze, auch ohne dass diese kenntlich sei, betonten die chinesischen Medienvertreter. Raum für investigativen Journalismus gebe es gleichwohl. „Man muss eine Nase dafür bekommen, was in welchem Medium geht und was nicht“, so Wang Keqin. Der Chefreporter der „China Economic Times“ hat bereits zahlreiche Korruptionsskandale in China enthüllt. Man müsse immer beobachten, was die chinesische Führung als wichtig definiere. Als guter Journalist gelte es daher zunächst ein guter politischer Kopf zu sein, so Wang Keqin weiter.

Die Zensur im journalistischen Alltag könne man mit einer Ampel vergleichen, veranschaulichte Li Wenkai, Chefredakteur der Kommentarabteilung der Southern Metropolitan Daily. Da gebe es Gelb, Rot und Grün; bei Gelb müsse man „etwas über Eck“ berichten, zum Beispiel bei einem aktuellen Bestechungsskandal die Interviewten nicht über den vorliegenden, sondern über frühere Skandale befragen und so das Thema indirekt transportieren.

Grün: Problem akzeptiert

Bei Rot sei der Raum für Berichterstattung sehr klein. Generell gelte, man müsse möglichst schnell berichten, bevor eine „Anweisung von oben“ eingehe. Sei die Chefredaktion bereits „von oben“ angewiesen, die Inhalte der staatlichen Nachrichtenagentur zu übernehmen, sei es zu spät. „Grün“ herrsche, wenn die chinesische Führung ein Thema als Problem öffentlich akzeptiert habe, darüber herrsche in den Chefredaktionen Konsens.

Wang Keqin, Investigativer Journalist aus PekingBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Wang Keqin, Investigativer Journalist aus PekingWang Keqin ergänzte als Beispiel indirekter Berichterstattung, dass man seinerzeit die Anweisung zum Thema SARS umging, indem man darüber aus wirtschaftlichem Blickwinkel berichtet und so die Informationen vermittelt habe. Große Finanzzeitschriften seien für politische Nachrichten in China sehr wichtig.

Zu den Gefahren des Investigativen Journalismus zählte Wang Keqin Falschinformationen, Einschüchterungen und tätliche Angriffe. „Lokale Offizielle nutzen Seilschaften, um Einfluss auf die Kader auszuüben, die unserer Zeitung vorgesetzt sind.“ Wenn ein Bericht allerdings veröffentlicht sei, könne nichts mehr passieren.

"Anzeigenkunden nicht verprellen"

Schwieriger noch als Einschüchterung ist nach Ansicht Wang Keqins wirtschaftlicher Druck, wenn etwa ein großer Anzeigenkunde drohe, sein finanzielles Engagement einzustellen, falls ein bestimmter Bericht über ihn erscheine.

Einen Anzeigenkunden zu verlieren sei etwas, wovor man sehr große Angst habe, ergänzte Li Wenkai für sein Medium. „Deshalb lassen wir viele über unsere Beiträge schauen, damit wir sicher sind, keinen Anzeigenkunden zu verprellen.“ Dennoch sei Investigativer Journalismus eine sehr wichtige Sparte. „Bei uns sind dafür 20 Journalisten tätig, die haben eine Doppelseite. Da gibt es natürlich Druck von allen Seiten. Wir passen auf, dass die Leute nicht zu viele Gefahren auf sich nehmen.

Martina Bertram

 
 
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