Projekt Zukunft
Studiogast – Michael Schulz über die Tiefsee und ihre Geheimnisse.
Prof. Michael Schulz ist stellvertretender Direktor beim Forschungszentrum MARUM in Bremen und dort Koordinator im Forschungsfeld "Ozean und Klima".
DW-TV: Da unten gibt es Merkwürdiges von riesigen Kalamaren bis hin zu schwarzen Rauchern. Was ist denn für Sie das Spannendste?
Michael Schulz: Ich glaube im Moment ist das Spannendste, zu entdecken, was es da noch alles gibt. Mit jeder Expedition, die wir durchführen, entdecken wir völlig neue Welten, Prozesse die wir bisher überhaupt noch nicht kennen, an die wir nicht einmal in Teilen gedacht haben, deren Ausdehnung wir auch nicht kennen. Man kann sich das ganz einfach vorstellen: Wenn man sich mit dem Computer-Programm Google-Earth zum Beispiel Städte anguckt, dann sind die Bilddaten oft so genau, dass man häufig auf den eigenen Balkon schauen kann. Wenn man allerdings versucht mit so einer Software den Ozean zu betrachten, wird man nur eine blaue Wand entdecken.
DW-TV: Es ist fast alles unbekannt da unten?
Michael Schulz: Es ist weitgehend unbekannt. Wir haben es noch nicht einmal hinreichend genau kartiert. Fast könnte man sagen, dass wir die Mondoberfläche besser kennen, als den Meeresboden.
DW-TV: Nun haben Sie gezeigt, dass am Meeresboden auch Methan aufsteigt. Methan ist ein sehr starkes Klimagas, zwanzigmal stärker als Kohlendioxid. Müssen wir damit rechnen, dass dieses Methan unser Klima verändert?
Michael Schulz: Davon würde ich erst einmal nicht ausgehen. Das Methan, das an Stellen aus dem Meeresboden austritt ist auf die ganzen Ozeane betrachtet, schon immer ausgetreten und das wird jetzt sicherlich nicht unmittelbar zur Klimaerwärmung beitragen.
DW-TV: Aber die Meere tauchen doch in den Modellen der Klimaforschung auf. Das ist doch auch Ihr Forschungsthema. Welchen Einfluss haben denn die Meere zum Beispiel auf die Erhöhung der Temperatur hier auf diesem Planeten?
Michael Schulz: Man muss zwei Dinge unterscheiden. Was passiert in sehr kurzen Zeiträumen, von einigen Dekaden: da spielen die Meeresströmungen eine sehr große Rolle, weil sie einfach Wärme von den Tropen in die nördlichen Breiten transportieren. Wenn man dann auf längere Zeiträume von einigen Millionen Jahren guckt, vermuten wir, das sicherlich auch Methanaustritte – wenn sie sich mit der Zeit am Meeresboden verändern – eine Rolle spielen können. Aber für die nächsten einhundert Jahre wird es aller Voraussicht nach kein so großer Effekt sein. Am Klimawandel sind wir Menschen schuld.
DW-TV: Das berühmte Forschungs-U-Boot von Jacques-Yves Cousteau, die "Trieste" hält immer noch den Tieftauchrekord für die bemannten U-Boote. Wir kann es eigentlich sein, dass dieser Rekord von 1960 heute immer noch gilt? Gibt es mittlerweile keine bessere Technik?
Michael Schulz: Die Technik hat sich ganz gewaltig verbessert. Aber man ist dazu übergegangen, nicht mehr Menschen in die Tiefsee zu schicken, weil es einfach zu gefährlich ist. Es ist im Grunde vergleichbar mit einem Flug zum Mond. Heute werden überwiegend unbemannte Tauchroboter eingesetzt. Die gibt es für unterschiedliche Tiefen. Den Tauchroboter, den wir haben, der kann bis 4.000 Meter Wassertiefe tauchen. Das ist nicht so sehr ein Konstruktionsproblem der Tauchroboter, sondern mehr des Kabels, an dem die hängen. Das ist ein drei Zentimeter dicker Draht mit einer dreitausend-Voltleitung, die ins Meer runtergeht, um das Gerät auch fernzusteuern.
DW-TV: Würden Sie gern bei den bemannten U-Booten mit runterfahren wollen?
Michael Schulz: Nein, nicht wirklich.
(Interview: Ingolf Baur)











