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Projekt Zukunft

Deltawellen – das Geheimnis des Tiefschlafs

Jan Born sucht nach den Ursachen der Vergesslichkeit. Der Psychologie-Professor an der Universität Lübeck geht davon aus, dass der Schlaf dabei eine zentrale Rolle spielt. Genauer gesagt: der Tiefschlaf. Diese Phase, so Born, nutzt das Gehirn, um Erlebnisse des Tages im Langzeitgedächtnis abzuspeichern.

Seine Erkenntnisse hat der Forscher an freiwilligen Testpersonen im Schlaflabor gewonnen. Er folgert daraus: Wenn Menschen im Alter vergesslich werden, dann liegt das wahrscheinlich auch am veränderten Schlaf. Denn ab einem Alter von etwa 40 Jahren sinkt die Länge der Tiefschlafphasen, Menschen mit 80 haben oft gar keinen Tiefschlaf mehr. Damit zeichnet sich eine faszinierende Idee ab: Wenn die Wissenschaft einen Weg findet, älteren Menschen wieder zu mehr Tiefschlaf zu verhelfen, dann könnte das ein Weg sein, um die Vergesslichkeit zu senken.

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Jeder kennt das Gedächtnisspiel: "Ich packe meinen Koffer und packe ein Buch ein."

Dann ist die Nächste dran: "Ich packe in meinen Koffer ein Buch und eine Kulturtasche ein."

Das Spiel ist für die 25-jährige Susanne Diekelmann gar kein Problem. Bei Christel Holst ist das anders: sie ist 68 und ihr Gedächtnis lässt sie manchmal im Stich.

An der Universität Lübeck will Jan Born, Leiter des Institutes für Neuroendokrinologie, der Vergesslichkeit auf die Schliche kommen. Er forscht dazu meistens nachts. Denn der Psychologe glaubt, dass der Schlaf dafür verantwortlich ist, ob wir uns etwas merken oder vergessen.


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"Gedächtnisfunktionen werden eigentlich in drei Teilfunktionen unterteilt. Das heisst, man lernt zunächst etwas. Es kommen also irgendwelche Informationen in unser Gehirn rein. Dann muss diese Information, damit sie nicht gleich wieder vergessen wird, verfestigt werden. Diese Konsolidierung, so vermuten wir, passiert im Schlaf."

Könnte die Vergesslichkeit im Alter also etwas mit verändertem Schlafverhalten zu tun haben? Unsere beiden Probandinnen nehmen an einem Experiment teil – ihr Schlaf soll genau untersucht werden.

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Doch zunächst steht Gedächtnistraining auf dem Programm. Bild- und Wortpaare müssen gelernt und behalten werden. Erst wenn beide Frauen Sechzig Prozent des Lernpensums beherrschen, dürfen Sie ins Bett. Vor allem das so genannte "explizite Gedächtnis" der Frauen ist gefragt. Es speichert neue Informationen, Fakten, Vokabeln, oder Namen.

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Es ist fast Mitternacht als beide die Füße hochlegen können. Susanne Diekelmann hat gut siebzig Prozent der Memory - Karten und Wortpaare im Kopf und auch Christel Holst hat ihr Pensum geschafft. Wie viel davon werden beide bis morgen behalten?

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Schlaf verläuft normalerweise in fünf Zyklen. Jeder einzelne dauert etwa anderthalb Stunden und enthält Tiefschlafphasen und Traumphasen. Im Schlaf verarbeitet unser Gehirn Erlebnisse des Tages. Dafür hielten Forscher bisher vor allem den Traumschlaf für wichtig. Dem Tiefschlaf ordneten sie mehr die geistige und körperliche Erholung zu.

Doch offenbar findet gerade während der Tiefschlafphasen ein wichtiger Teil der Gedächtnisbildung statt. Unser Gehirn läuft dann auf Hochtouren: besonders der Hippocampus - die Region, die über Erinnern oder Vergessen entscheidet. Frisch Gelerntes wird hier zwischengespeichert, bevor es im Tiefschlaf an die Hirnrinde gesandt und dort ins Langzeitgedächtnis integriert wird. Und hier liegt das Problem: Bei älteren Menschen hat sich der Tiefschlaf - auch Deltaschlaf genannt - verkürzt:

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Professor Jan Born, von der Universität Lübeck: "Im frühen Erwachsenenalter hat man einen ganz ausgedehnten und lang anhaltenden Deltaschlaf, vor allem im ersten Teil des nächtlichen Schlafens. Ab vierzig gibt es dann aber eine rapide Abnahme des Deltaschlafes. Wir fanden heraus, dass diese rapide Abnahme hineingeht bis ins achtzigste, neunzigste Lebensjahr, wo wir manchmal überhaupt keinen manifesten Deltaschlaf mehr sehen. Dies geht auch einher mit einer ganz deutlich verringerten Fähigkeit alter Menschen, im Schlaf Gedächtnis zu bilden."

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Der nächste Morgen bringt es ans Licht: Susanne Diekelmann hatte ausgedehnte Tiefschlafphasen. Christel Holst nicht! Wie macht sich das auf das Gelernte bemerkbar? Christel Holst hat deutliche Schwierigkeiten bei den Bildpaaren. Die 25-jährige hingegen landet genauso viele Treffer wie am Vorabend.

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Auch bei den Wortpaaren hat Susanne Diekelmann 100 Prozent behalten. Christel Holst dagegen hat 10 Prozent vergessen. Unser Gedächtnis wird also tatsächlich vom Tiefschlaf beeinflusst. Könnte man den verbessern?

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Professor Jan Born: "Denkbar ist es auf jeden Fall, dass man irgendwelche Apparate oder Instrumente entwickelt, meinetwegen eine elektrische Haube, die man während des Schlafes trägt. Diese induziert dann in sehr spezifischer Weise bestimmte elektrische Potenziale im Gehirn, und darüber verbessert sich dann der Schlaf und auch die Gedächtnisfunktion des Schlafes."

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Auch im Alter noch so tief schlafen wie ein junger Mensch – eine schöne Vorstellung, bislang sind solche Geräte aber noch Zukunftsmusik.

 
 
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