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Kunst | 03.07.2008

Frankreich - ein Mekka für Künstler

Ab Samstag sind vor allem Radsportfans im Frankreichfieber - die Tour de France beginnt. Künstler können sich dagegen das ganze Jahr über hier austoben: an der Académie Galan im Südwesten Frankreichs.

Die Académie Galan in der südwestfranzösischen Gascogne versteht sich als "interaktives Gesamtkunstwerk" auf sechs Hektar Gelände. Ins Leben gerufen hat die Kunst-Oase ein Bremer Professor. Zwei junge Musikerinnen aus Japan hat es beispielsweise ebenfalls hierher verschlagen. Sie haben sich einen schattigen Platz im weitläufigen Garten gesucht. "So ein großer Himmel hier. Da kann man fast die Milchstraße sehen. Nicht immer, aber vor allem, wenn das Wetter gut ist", sagt eine der beiden mit einem Augenzwinkern.

Kunst der Association AcadémieGalan e.V. (Quelle: http://www.academie-galan.de)
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Kunst der Association Académie Galan

Ihre Kolleginnen haben sich an diesem heißen Sommertag ins Haus zurückgezogen, der Klang von Cello-Etuden bei weit geöffnetem Fenster füllt die aromatische Luft. Das gemeinsame Mittagessen an langer Tafel unter Weinlaub, Oleander und Feigenbäumen ist gerade vorüber. Am Ende des Tisches sitzt bei einem Glas Rotwein ein Bekannter des Hausherrn. Der Tourist ist vor allem über das Ortsklima erstaunt: "Das Interessanteste für mich sind die Unterschiede in der Temperatur eines Tages. Wir haben es jetzt mit 40 Grad zu tun, heute Abend geht es runter auf 18 Grad und morgen früh soll es feucht und nass und wieder grün werden, tagsüber schraubt sich’s wieder hoch", sagt er. "Dieser Einfluss der Pyrenäen und dementsprechend die Vegetation und wie angenehm man hier leben kann, das hat mich sehr beeindruckt hier."

Wie eine kleine Kommune

Gemeinschaft der Association Académie Galan beim Grillen im Garten (Quelle: http://www.academie-galan.de)Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Gemeinsames Grillen im Künstlergarten

Galan, 819 Einwohner, ist ein abgeschiedenes Pyrenäendorf mit einer trutzigen Kirche und einem kleinen Supermarkt. An der Stirnseite des Dorfplatzes hat der Bremer Kunstprofessor Rolf Thiele 1999 ein verfallenes Herrenhaus gekauft - mitsamt verwildertem Grundstück. Seitdem arbeiten er, seine Lebensgefährtin Gabriele und alle, die ihnen dabei helfen wollen, an der Restaurierung mit - gegen freie Kost und Logis. So wie Dorothee. Sie erzählt, dass man mindestens vier Stunden am Tag arbeiten sollte. "Das muss man aber selber verantworten, das wird nicht kontrolliert oder abgestempelt. Ich hab dann in der Küche gearbeitet die ersten zwei Wochen, und hab dann die letzten zehn Tage frei gemacht und meine Sachen verfolgt", so Dorothee.

Satoshi Ochawa aus Tokio hat sich etwas Anderes vorgenommen. Im Garten gräbt er ein Loch in Richtung Erdmittelpunkt – seine Kunstbaustelle. Fast drei Meter tief ist er nun "Ich habe letztes Jahr angefangen. Ich grabe, um zu graben." Nicht-Kunst als Kunst, so heißt die Devise – auch von Professor Rolf Thiele.

Der Professor ist 65 Jahre alt, agil und jugendlich. Er lässt seine Studenten machen. Zulassungsvoraussetzungen, um nach Galan kommen zu dürfen, gibt es für den Professor an der Bremer Hochschule für Künste nicht. Für ihn ist die Académie ein Ort des Diskurses. "In der Kunst kann man wirklich nur das, was man nicht kann. Jeder hat eine Chance. Für mich ist Kunst eben kein Leistungssport, sondern eine Art, sein Leben zu führen."

Website der Association Académie Galan (Quelle: http://www.academie-galan.de)Bildunterschrift: Website der Association Académie Galan

Aller Anfang ist schwer

Als Rolf Thiele mit der Restaurierung begann, hatte das Dorf ein wachsames Auge auf ihn. Erst als das Haus allmählich tatsächlich wieder Gestalt annahm, schwand das Misstrauen. Michelle Lacour, die Gattin des Bürgermeisters, wohnt in Sichtweite der Akademie und macht keinen Hehl daraus, dass sie anfangs eine Sekte hinter dem Projekt vermutete.

Kunst der Association Académie Galan (Quelle: http://www.academie-galan.de)
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Kunst der Association Académie Galan

Als sie jedoch sah, was mit dem Haus passierte, änderte sich ihre Meinung. "Thiele hat sehr viel gearbeitet, um das Haus zu restaurieren, und als er dann junge Leute hierher kommen ließ, damit die Deutschen Südfrankreich ein bisschen kennen lernen und hier Kunst machen sollten, auch solche, die wir hier nicht immer verstehen - da war ich sehr froh! Mittlerweile ist Madame Lacour nicht mehr die einzige in Galan, die sich für die Aktionen der angehenden Künstler interessiert: Die kommen auch regelmäßig ins Dorf und zur Sicherheit nehmen sie auch mal belegte Brote, Kaffee und Kuchen mit – auf gute Nachbarschaft mit den Dorfbewohnern.

 

Alexander Musik

 
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