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Meinung | 07.07.2008 | 04:05

US-Botschaft in Berlin: unzugängliche Festung

Die Einweihung der neuen US-Botschaft am Pariser Platz in Berlin ist Anlass für eine kritische Bestandsaufnahme der Beziehungen zu den USA.

Wie eine Trutzburg steht sie da, die neue amerikanische Botschaft in Berlin. Sie liegt an der feudalsten Adresse der Hauptstadt, direkt am Brandenburger Tor, zwischen Adlon und Holocaust-Mahnmal. Doch das 83-Millionen-Euro Objekt, das im Verlauf von vier Jahren hinter einem undurchdringlichen Bauzaun wie eine geheime Kommandosache entstand, ist eher enttäuschend: breit, massiv, wenig attraktiv. Wie ein Symbol für die Stellung und das Bild der Vereinigten Staaten in der Welt präsentiert sich die neue Botschaft hinter Sicherheitszaun und Stahlbollern: im Zentrum, arrogant, abweisend und isoliert.

Genau so stehen die USA heute da: mächtig, abgehoben, einsam und ungeliebt.

In den letzten Jahren haben sie ihr internationales Prestige verspielt, haben Freunde und Verbündete verloren. Und das, obwohl sie nach den Terroranschlägen vom 11. September von einer Welle der Sympathie getragen wurden und auf die Solidarität ihrer Verbündeten zählen konnten.

Aber anstatt diese Unterstützung in eine kluge transatlantische Politik umzusetzen, betrieb Washington eine rücksichtslose und verhängnisvolle Machtpolitik. Zur Durchsetzung politischer Ziele setzte die amerikanische Regierung auf Krieg und Gewalt. Mit Lügen und Druck versuchte sie, ihre Verbündeten zur Beteiligung an einem völkerrechtswidrigen Krieg zu pressen. Ein Krieg, der nach Schätzungen einer Million Irakern den Tod gebracht hat. Die Erfolge des Krieges in Afghanistan, für den es aus guten Gründen auch im so genannten alten Europa breite Unterstützung gab, verspielte sie dagegen leichtfertig. Im Nahen Osten verschwendete sie acht wertvolle Jahre mit leeren Versprechungen und einseitiger Parteinahme. Acht Jahre, in denen neue Fakten geschaffen wurden, die einen Friedensschluss noch schwieriger machen als je zuvor.

Auch in der Klimapolitik benimmt sich die amerikanische Regierung so, als trüge sie keine Verantwortung, als wüchse in ihrem Land keine neue Generation heran, die von Naturschätzen profitieren und die Zukunft für ihre Nachkommen sichern will.

Doch allen Konflikten und Verstimmungen der letzten Jahre zum Trotz beschwören deutsche Politiker immer wieder die Wertegemeinschaft zwischen Europa und den USA. Die neue und die alte Welt eine der Glaube an Demokratie und Menschenrechte, heißt es in den Festreden, das Eintreten für Gerechtigkeit und Wohlstand für alle sei das Ziel der Regierungen diesseits und jenseits des Atlantiks.

Die Wirklichkeit hat mit diesen Sonntagsreden nichts zu tun. Der ohnehin existierende breite Graben, der Europäer und Amerikaner zum Beispiel bei der Frage der Todesstrafe und des Waffenbesitzes trennt, hat sich in den letzten Jahren weiter vertieft. Die USA haben die Folter wieder hoffähig gemacht, sie pfeifen auf Rechtsstaatlichkeit, wenn es um die Häftlinge von Guantanamo geht, und um Gefangene willfährig zu machen, bedienen sie sich genau der diktatorischen Systeme, die sie doch angeblich bekämpfen.

Die Amerikaner und die Deutschen trennen derzeit Welten. Darüber kann auch eine prächtige neue Botschaft mitten in der deutschen Hauptstadt nicht hinwegtäuschen.

 
 
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