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Buchtipp

Rishi Reddi: Karma und andere Stories

Rishi Reddi erzählt von der indischen Diaspora in Amerika. Doch jenseits von Nationalität oder Hautfarbe handeln ihre Geschichten vor allem vom Leben in der Fremde.

Da ist der arbeitslose Professor, der Probleme mit seinem Job als Supermarktkassierer hat und der Vögel rettet, die sich zwischen Bostons Hochhäusern verirren. Das ist ein alter Richter, der sich mit dem amerikanischen Rechtssystem anlegt, weil ihm in einem Restaurant ein Rindfleischgericht serviert wird, das er als Hindu nicht essen darf. Oder Lakshimi – sie freundet sich mit dem Bibliothekar ihrer Bücherei an, obwohl sich das für eine verheiratete Inderin überhaupt nicht gehört. Und schließlich Arundhati, eine ehrwürdige Witwe, die zwar bei ihrem Sohn in Amerika lebt, wie es die Tradition verlangt, aber die Flucht zurück nach Indien plant.

Kulturelle Heimatlosigkeit

Rishi Reddis Kurzgeschichten spielen alle im Milieu der Exil-Inder in Amerika. Diese Welt ist klein, man kennt sich untereinander, vor allem heiratet man untereinander. Eine scheinbar heile Welt. Die Männer sind fleißig und bringen gutes Geld nach Hause. Die Frauen versorgen den Haushalt und erziehen die Kinder. Jeder kennt jeden. Auch in den Geschichten des Buches übrigens, die so alle zusammen ein indisch-amerikanisches Kaleidoskop bilden. Eine kleine heile Welt. Doch in ihr knirscht es an allen Ecken und Ende.

Denn die guten alten indischen Traditionen passen alle nicht wirklich nach Amerika. Das wird besonders deutlich beim Heiraten. Nach indischer Tradition suchen die Eltern den Töchtern einen Ehemann. Die Liebe, so heißt es in Indien, kommt nach der Hochzeit. Für Lata, die in Amerika aufgewachsen ist und die gerade studiert, ist das undenkbar. Wie jedes andere Mädchen in den Staaten will sie den heiraten, den sie liebt. Aber damit katapultiert sie sich regelrecht heraus aus ihrer indischen Gemeinschaft.

Tiefe Gefühle

Rishi ReddiBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Rishi Reddi

Rishi Reddis Stories lassen erahnen, wie schwierig es ist, in einer fremden Welt seine kulturellen und religiösen Wurzeln nicht aufzugeben. Allerdings hat das nichts mit Migrationsliteratur zu tun. Die Geschichten handeln auf wunderbare Weise von tiefen Gefühlen, die völlig unabhängig sind von unserer Hautfarbe, Sprache oder Religion. Immer geht es um Liebe, Würde und Selbstachtung. Das macht jede Geschichte zu einem kleinen Kosmos. Eine absolute Leseempfehlung.

 

Udo Marquardt

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Weitere Schlagzeilen

Das Buch Kompakt
  1. Rishi Reddi: Karma und andere Stories
  2. Verlag: Ullstein 2008
  3. ISBN: 9783550086694
  4. Preis (EURO): 18


 
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