Meinung | 25.08.2008 | 04:05
Olympia in Peking: ein fataler Fehler
Das IOC hat mit der Entscheidung für China die olympische Idee verraten, meint Shi Ming in seinem Kommentar:
Es war ein Fehler, die olympischen Sommerspiele 2008 an Beijing zu vergeben. Weniger weil selbst unter massivster Beobachtung von insgesamt 22 000 ausländischen Journalisten Chinas Menschenrechtssituation sich kaum verbessert hat. Auch sei nur am Rande angemerkt, dass dieses Mal sogar die ausländische Presse selbst Opfer der chinesischen Zensur geworden ist.
Bildunterschrift: Shi Ming
Der weitaus gewichtigere Grund gegen Peking liegt in dem eigentlichen olympischen Geist begründet, von dem, wegen der IOC-Appeasement-Politik gegenüber China, ohnehin nicht mehr viel übrig geblieben ist. ES liegt darin begründet, dass die olympischen Spiele als Minimum ein Volksfest zwischen Völkern werden sollte. Ein Hauch ungezügelter Volksfreude aller Nationen in ein und derselben freizügigen Stadt: das wär’s gewesen. Aber selbst von diesem Minimum waren die diesjährigen olympischen Spiele meilenweit entfernt.
Zuerst wurden hundert Tausende chinesische Wanderarbeiter aus der Stadt Beijing entfernt. Ohne ihr Malochen würde es kein Vogelnest, keine breiten Straßen, keine grünen Gärten in der 17-Millionen-Stadt geben. Dann sorgten überzogene, vom IOC teils mitgetragene, Sicherheitsmaßnahem gegen die Pekinger Einwohner selbst dafür, dass nicht allein die breiten Straßen und grünen Gärten nur dünn besiedelt waren. Sogar ganze Sitzreihen der teuer erbauten Stadien blieben während des zweiwöchigen Spektakels leer. Dass alle Anträge auf freie Versammlungen zum Missfallen der Herrschenden in der Austragungsstadt abgelehnt wurden, verwundert indes kaum noch. Die Olympiade in Beijing mag alle Superlative der Weltsportgeschichte neu aufgestellt haben. Einen traurigen Superlativ führt sie dennoch ad absurdum: Es waren die Sommerspiele mit dem geringsten Flair freier, freizügiger Volksfeste in der Geschichte.









