GLOBAL 3000
Die Ainu – Japan grenzt seine indigene Bevölkerung aus
Wer kennt einen Adivasi (Indien), einen Saami (Skandinavien), einen Inuit (Nordamerika) oder einen Maori (Neuseeland)? Ihre Vorfahren waren die ersten Siedler einer Region. Sie wurden von anderen Völkern unterworfen und teilweise von ihren ursprünglichen Siedlungsräumen vertrieben.
Wie die Ainu in Japan. Etwa 25.000 Menschen identifizieren sich auf der japanischen Insel Hokkaido noch immer mit dieser ursprünglich dort lebenden Bevölkerungsgruppe. Vom übrigen Japan werden sie als rückständig verachtet und diskriminiert. Erst vor kurzem, nach langem Kampf, wurden sie offiziell von der japanischen Regierung als indigene Bevölkerung anerkannt.
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Ihre Sprache ist nur noch selten zu hören. Die Zeremonien sind uralt. Zu ihren Göttern zählen Bären und Lachse. Zweimal im Monat versammelt sich diese kleine Ainu-Gruppe um Priesterin Asiri Lela, das bedeutet soviel wie neuer Wind. Alle hier haben auch japanische Namen, aber wenn sie unter sich sind, benutzen sie die nicht. Sie versuchen ihre Kultur zu erhalten, auch wenn ihre Ainu-Abstammung immer noch als Makel gilt.
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Asiri Lela ist Ainu-Priesterin. "Japaner wollen oft keine Ainus heiraten.", sagt sie. "Und wir werden von Firmen nicht gerne eingestellt. Einige sagen, wir seien wie Tiere, nur weil wir eine stärkere Körperbehaarung als Japaner haben. Oder es ist Ihnen peinlich, mit uns gesehen zu werden."
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Die traditionelle Strohhütte gehört zu einer kleinen Kommune am Waldrand. 15 Mitglieder, wie die meisten Ainus kommen sie mehr schlecht als recht über die Runden. Sie betreiben hier Landwirtschaft, einige haben Jobs. Zu den Bewohnern gehören auch jungendliche Schulverweigerer, die das Ainu-Mobbing im Klassenzimmer nicht mehr ertragen haben. Auf Hokkaido identifizieren sich nur noch 25.000 Menschen als Ainus, viele verheimlichen ihre Herkunft – aus Angst vor Diskriminierung.
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Dabei waren ihre Vorfahren lange vor den Japanern hier. Bis vor gut 150 Jahren wurde Japans Nordinsel noch Ezo genannt, das Land der Ainus. Im Sommer mild und grün, im Winter schneebedeckt und bitterkalt. Die Ureinwohner lebten hier jahrhundertelang im Einklang mit der Natur als Fischer und Jäger. Dann kamen die Japaner, sie betrachteten Ainus als primitives Naturvolk, nahmen ihr Land, verboten lange die Kultur und zwangen sie, Japanisch zu sprechen und Bauern zu werden.
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Asiri Lela heisst auch Yasuko Yamamichi, in der Schule wurde sie trotzdem als Hündin beschimpft. Wo jetzt der See ist, war früher ihr Zuhause. Eine Ainu-Siedlung mit heiligen Orten und Gräbern. Sie erzählt: "Das Wasser war klar, wir sind drin geschwommen. Weiter unten gab es drei Stufen im Fluss, da konnte der Wildlachs zum Eierlegen gegen den Strom hochschwimmen. Es waren viele Lachse, sie kamen überall hin, bis zu den Nebenflüssen." Heute gibt es hier keine Lachse mehr. Japans Regierung hat einen Damm gebaut, zum Hochwasserschutz. Zwar entschied ein Gericht, dass die Zwangsenteignung des Ainu-Landes illegal war. Aber das kam zu spät.
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Asiri Lela ruft ihren Bärengöttern zu, dass sie den Wald betreten möchte. Zum Leben Ainus gehört der Respekt vor der Natur. Auch hier soll wieder ein großer Staumdamm gebaut werden, nur ein paar Kilometer entfernt von dem anderen. Sie will es verhindern, ob sie es schafft, weiß sie nicht.
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Das alles soll geflutet werden. Im Sand sind noch frische Bärenspuren. Nach Protesten von Ainus und anderen Bürgergruppen ruht das Projekt zwar vorübergehend, aber ein Stück weiter oben stehen schon die ersten Betonpfeiler. "Der Wald, das klare Wasser, zieht Menschen genauso an wie die Tiere, Bären, Rehe, Vögel. Wir Ainus halten das für einen heiligen Ort, wo die Götter gerne spielen."
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Asiri Lela lebt in Biratori, viele Bewohner des Ortes stammen von den Ainus ab. Kurz vor dem G8-Gipfel im Juli dieses Jahres versammelten sich hier Ureinwohner aus der ganzen Welt, um über gemeinsame Forderungen an die Staats- und Regierungschefs zu beraten. Japans Ainus hatte der G8-Gipfel vor der Haustür da schon etwas gebracht. Zum ersten Mal hatte Japans Parlament Ainus als Ureinwohner bezeichnet. Dieses Wort war bislang stets vermieden worden, auch weil die Regierung hohe Entschädiungsansprüche fürchtete. Asiri Lela glaubt den Politikern noch nicht und spricht von diplomatischem Gerede: "Die Vereinten Nationen haben uns längst als Ureinwohner anerkannt. Ich glaube, dass das japanische Parlament das nur wegen des G8-Gipfels gesagt hat. Wir wollen aber, dass uns die Regierung endlich offiziell als Ureinwohner anerkennt und sich bei uns entschuldigt."
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In ihrer Kommune bringt sie jungen Ainus alte Tänze und die Sprache bei. Die Staats- und Regierungschefs, so sagt sie, haben aus Japan hoffentlich eine Weisheit der Ainus mit nach Hause genommen: Dass die Menschen nur das von der Natur nehmen sollen, was sie zum Leben wirklich brauchen.







