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Buchtipp

Jürgen Martschukat: Die Geschichte der Todesstrafe in Nordamerika

Die USA sind die einzige westliche Demokratie, die bis heute an der Todesstrafe festhält. Von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart zeigt dieses Buch, daß die verordnete Tötung von Menschen nicht nur ein Instrument des Strafrechts ist, sondern zugleich ein Ausdruck der amerikanischen Gesellschaftsordnung und ihrer Weltbilder.

Dem achten Zusatz zur Verfassung kommt in der Geschichte der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten eine besondere Bedeutung zu, denn er untersagt "cruel and unusual punishment". Aber 'grausam und ungewöhnlich' - was heißt das schon? Erhängen oder Erschießen waren lange Zeit die klassischen Hinrichtungsmethoden. Doch dieses Töten verlief oft geradezu quälend langsam oder hinterließ hässliche Wunden und Verstümmelungen. Für eine aufgeklärte Gesellschaft immer weniger trag- bzw. er- tragbar. Dann kam die Technik ins Spiel - Amerika war begeistert.

"Sterbehilfde durch Elektrizität"

Bei der technologischen Revolution während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts faszinierte die Menschen besonders die wachsende Beherrschbarkeit der Elektrizität. Doch auch die Zahl der tödlichen Unfälle durch Strom wuchs. Die Körper der Opfer schienen dabei gerade zu makellos und unversehrt. Und so war es nur folgerichtig, dass am 14. Mai 1889 der erste wegen Mordes angeklagte Delinquent zum Tod auf einem neukonstruierten elektrischen Stuhl verurteilt wurde. Das Urteil löste eine Art kollektiver Aufbruchstimmung aus. Bereits bei der Verabschiedung des entsprechenden Gesetzes im Jahr zuvor hatte die New York Times von dieser neuen Art des Vollzuges der Todesstrafe geschwärmt als anästhetischem Gnadenakt. Von "Sterbehilfe durch Elektrizität", war die Rede, "sicher, sanft und schmerzlos".

Tödliche Injektion als "medizinischer Gnadenakt"

Trotz einiger Komplikationen setzte sich der elektrische Stuhl nach und nach gegenüber dem Galgen durch, ab den 1920er Jahren verbreitete sich zudem die Gaskammer. Und schließlich wurde am 7. Dezember 1982 der erste Mensch durch eine tödliche Injektion hingerichtet - diese Hinrichtungsart erweckt den Anschein eines medizinischen Gnadenaktes; selbstverständlich wird die Einstichstelle vor dem Einsatz der Giftspritze sorgfältig desinfiziert!

Hohe Zustimmungsrate

Jürgen Martschukat zeichnet diese Entwicklung akribisch und detail-versessen nach, ohne dabei pietätlos oder gar blutrünstig zu wirken. Einer Faszination des Morbiden, die sehr schnell beim Thema entstehen kann, wird kein Vorschub geleistet. Im Gegenteil: Ausgehend vom Phänomen der Todesstrafe ergründet der Autor ganz andere Gefilde, nämlich die amerikanische Gesellschaftsordnung und ihre Weltbilder, von der Kolonialzeit bis heute: Obwohl seit der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten Bürgerrechtler und Menschenrechtsbewegungen für die Abschaffung der Todesstrafe kämpfen, liegt die Zustimmungsrate in der US-Bevölkerung seit den 80er und 90er Jahren konstant bei deutlich über 70 Prozent.

 

Klaus Ulrich

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Weitere Schlagzeilen

Das Buch Kompakt
  1. Jürgen Martschukat: Die Geschichte der Todesstrafe in Nordamerika
  2. Verlag: C.H. Beck, 2002
  3. ISBN: 3-406-47611-2
  4. Preis (EURO): 12.90


 
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