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Alltagsdeutsch | 01.07.2008

Es lebe der Sport

Ob Sport tatsächlich so toll ist oder doch eher Mord, wie gerne behauptet wird, ist wohl Ansichtssache. Sicher ist, dass die Popularität groß genug ist, um zahlreiche Spuren in der Umgangssprache zu hinterlassen.

Musik: Rainhard Fendrich, Es lebe der Sport

"Es lebe der Sport

Der is' gesund und mocht uns hoart.

Er gibt uns Kraft, er gibt uns Schwung,

Er is' beliebt bei Oid und Jung."

 

Sprecher:

Die Deutschen verehren nicht nur ihre Dichter und Denker, sie suchen sich ihre anbetungswürdigen Idole auch im Sport. Die Helden des Sports sind die Helden der Nation. 26 Millionen Mitglieder in Sportvereinen tummeln sich tagaus, tagein auf Fußball- und Tennisplätzen, in Schwimmhallen, sie joggen oder strampeln auf Mountainbikes durch die Wälder, oder sie bewegen zu rhythmischer Musik Bauch, Po und Beine. Über die Motivation zum Sport kann man nur spekulieren. Sicherlich macht es Spaß, sich zu bewegen, was gerade die hohen Mitgliederzahlen bei Jugendlichen verdeutlichen. Doch über drei Millionen weibliche Aktive in Turnclubs legen die Vermutung nahe, dass auch gesundheitliche und figürliche Aspekte eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Eine Turnstunde oder ein paar Runden über den heimischen Sportplatz bieten schließlich auch einen gewissen Schutz gegen lästige Pfunde durch zu viel Bier und Schokolade.

 

Sprecherin:

Verstauen wir also die Süßigkeiten in der hintersten Schublade. Unser Thema heute ist schließlich der Sport. Und da sitzen unsere Fachleute in Sachen Redewendungen bereits in den Startlöchern, ähnlich einer Einhundert-Meter-Sprinterin, die unter körperlicher und emotionaler Hochspannung den Startschuss erwartet.

 

O-Töne:

"Ja, wenn man am Anfang einer Karriere steht oder beruflich irgendwo – vielleicht auch privat mit einem neuen Partner – anfängt, ist auch im Startloch stehen." / "Die Vorbereitung zu irgendeiner Sache, die man vorhat. Man hat alles so weit vorbereitet, dass man das machen kann, was man machen will." / "Auf alle Eventualitäten des Lebens vorbereitet sein. Jederzeit abrufbereit sein. Immer fit zu sein." / "Wenn ich einen neuen Berufsanfang wage." / "Versuchen, etwas anzugehen, eine Sache in Angriff zu nehmen." / "Dass man dann bereit ist loszulegen." / "Man ist bereit für 'ne Aktion, für 'ne Sache, man wartet auf etwas, um loszulegen." / "Ja, wenn man bereit ist zum Gehen. Jetzt stehe ich schon im Startloch."

 

Sprecher:

Ist der Startschuss erst einmal gefallen, sind Sportler nicht mehr zu bremsen. Sie sprinten los und haben nur ein Ziel im Auge: den Sieg. Das gilt für Hobby-Fußballer ebenso wie für Profis. Fairness, ein Wort, das im Sport gerne groß geschrieben wird, das heißt, Funktionäre versuchen gerne, die faire Handhabung der Regeln zu betonen, wird im Namen des Sieges nicht selten mit Füßen getreten. Sport ist also nicht ganz ungefährlich. Dabei muss man nicht mal nur diejenigen Sportarten ins Auge fassen, deren Risiko – wie das des Motorsports – den Tod einkalkuliert. Turner strapazieren ihre Wirbelsäulen bis über die gesundheitlich bedenkliche Belastungsgrenze hinaus. Boxer riskieren für Lorbeeren und Geld gar ihren Verstand. Sport ist Mord, behaupten nicht wenige Sportler, darunter auch viele Leistungssportler. Verletzungen sind an der Tagesordnung, und schon so mancher hat sich durch eine Muskelverletzung ins Abseits katapultiert.

 

O-Töne:

"Die meisten setzen sich selber ins Aus, ins Abseits, ne? Denn die Leute kommen ja nicht auf dich zu und sagen, mach mal dieses, jenes. Man muss die Kontakte selber suchen, ne." / "Selber schuld, aufpassen." / "Ja, von der Gesellschaft nicht mehr anerkannt werden." / "Dass man sich so verloren, verlassen kommt in der Gesellschaft." / "Mauerblümchendasein." / "Außenseiter eben, nicht dazu zu gehören." / "Keiner will mit dir was zu tun haben." / "Wenn man in 'ner Gruppe ist, und man wird einfach nicht akzeptiert, und man steht außen."

 

Sprecherin:

Vom Abseits zum Mauerblümchen. Also, ein Mauerblümchen ist natürlich kein Blümchen, das in einer Nische auf einer Mauer ein kümmerliches, beschwerliches Dasein führt. Es gibt zwar Pflanzen, die auf Steinen gedeihen, aber Mauerblümchen ist eine bildhafte, wenig schmeichelhafte Beschreibung für einen Menschen, der nicht im Mittelpunkt jeder Gesellschaft steht. Ich sollte erwähnen, dass natürlich Frauen bevorzugt als Mauerblümchen bezeichnet werden. Männer, die sich etwas zurückhaltender verhalten, würde man nie derart beschimpfen. Die bewundert man lieber als verwegene Einzelgänger.

 

Sprecher:

Ehe der emanzipatorische Eifer mit unserer Dame hier durchgeht und sie übers Ziel hinausschießt, lieber noch ein paar sachliche Informationen zum Thema Sportvereine. Die meisten Mitglieder haben unangefochten Fußballclubs mit über fünf Millionen Kickern. Mit je gut einer Million weit zurück liegen Tennis-, Turn- und Schützenvereine bei Männern. Bei den Frauen führen die Turn- und Gymnastikvereine. Aber auch bei den Damen, man höre und staune, stehen Fußballclubs hoch im Kurs. Doch jetzt erklären wir erst einmal, wie man übers Ziel hinausschießt.

 

O-Töne:

"Wenn er mehr macht, als er tun soll und sich übernimmt dabei." / "Wenn man was schafft, wo man nicht mit gerechnet hat." / "Ja, das ist nicht gerade angenehm. Man sollte schon wissen, wo man aufhören muss." / "Mich selber überschätzen." / "Wenn man also im Leben etwas macht, wo man vielleicht etwas zu weit geht."

 

Sprecherin:

Wer übers Ziel hinausschießt, kann eine Bauchlandung machen. Auch wenn man nicht gleich im Dreck landet, ist das keine schöne Sache. Bleibt einem nur, die Angelegenheit unter der Rubrik "beschwerliche, wenn auch nützliche Erfahrungen" abzubuchen.

 

O-Töne:

"Wenn man mal Pech hatte in irgend 'ner Lebenssituation, dann ist das 'ne Bauchlandung, ne." / "Ja, wenn einem völlig was daneben gegangen ist." / "Ja, wenn ich mir was vorgenommen hab, und das hat nicht geklappt." / "Ja, wenn er sich auch übernommen hat und auf die Nase fliegt." / "Das letzte Ziel bei weitem nicht erreicht, zack, irgendwie 'n Schuss in den Ofen gesetzt."

 

Sprecherin:

Eine Bauchlandung ist also kein Beinbruch, wieder im übertragenen Sinne. Und schließlich kann man auch aus einer Bauchlandung noch etwas lernen, nämlich, sich nicht unterkriegen zu lassen, nicht aufzugeben.

 

O-Töne:

"Wieder aufgestanden nach der Bauchlandung, das finde ich auch sehr wichtig, dass man nicht liegen bleibt, ne, dass man sich wieder aufrappelt."

 

Sprecher:

Hier sind noch einige Redewendungen zu erklären. Auf die Nase fliegen ist natürlich auch bildlich gemeint. Es bedeutet, eine Niederlage einstecken zu müssen. Das gleiche gilt für den berühmten Schuss in den Ofen. Auch ohne pyrotechnische Kenntnisse kann sich jeder vorstellen, was dabei passieren kann. Mitmachen ist alles, heißt es nicht nur bei Olympia. Da aber immer nur einer Sieger sein kann, gibt es natürlich unendlich viele Möglichkeiten, zu verlieren. Nicht schnell oder hoch oder weit genug zu sein, ist die eine, die andere könnte ein Eigentor sein. Im Fußball eine Schmach. "Wie kann man nur so dumm sein?", fragen sich die Experten daheim im Sessel. Aber ein Eigentor hat sicher jeder von uns schon einmal geschossen.

 

O-Töne:

"Man hat ein Vorhaben und möchte das positiv angehen, aber der Schuss kommt zurück, so dass man also dann eine negative Erfahrung macht." / "Wenn man irgendwas besonders gut machen will, und es hat nicht geklappt."

 

Sprecherin:

Wenn ein Schuss zurückkommt, ist das so ähnlich wie mit dem Schuss in den Ofen, unangenehm und peinlich.

 

Musik: Rainhard Fendrich, Es lebe der Sport

"Es lebe der Sport

Der is' gesund und mocht uns hoart.

Er gibt uns Kraft, er gibt uns Schwung,

Er is' beliebt bei Oid und Jung."

 

Sprecher:

Auch im Sport sind Wissenschaft und Technik nicht mehr wegzudenken. Computer und Videorecorder zeichnen die Sprünge einer Turnerin auf und errechnen in Sekundenschnelle, an welcher Stelle sie schneller, kraftvoller, eleganter springen muss. Die Schläge des Boxers auf einen verkabelten Sandsack belegen unzweideutig, ob ein Maximum an Schlagkraft mit Schnelligkeit gepaart erreicht wurde. Wissenschaftler und Ingenieure sind die maßgeblichen Köpfe hinter dem Radvierer. Die Jungs auf den teuren Rennmaschinen müssen nur noch in die Pedale treten. Doch Rad fahren kann auch eine ganz andere Bedeutung haben.

 

O-Töne:

"Den Vorgesetzten was vorschleimen und die Untergebenen treten und schikanieren." / "In der Firma oder unter Kollegen Rad fahren, schleimen." / "Wenn ich in meiner Firma bin, und Leute für mich sind Schleimscheißer, Radfahrer, so ungefähr." / "Die sagen zu allem Ja und Amen, nur um etwas zu erreichen und immer schön ducken, sich anpassen."

 

Sprecherin:

Beim Radfahren kommen die Gefühle ganz schön in Wallung, man könnte auch sagen, die Emotionen schlagen hoch. Von Schleimern und sogar Schleimscheißern, ein nicht sehr feines Wort übrigens, war häufiger die Rede. Schleim ist eine glitschige, schmierige Sache. Und so ist es auch mit dem Schleimen im übertragenen Sinne. Es bedeutet, sich anzubiedern, anderen nach dem Mund zu reden.


 

Sprecher:

Ich möchte noch einmal auf die Wissenschaft zurückkommen. Statistiken allenthalben. Natürlich auch, was die Mitgliedschaft in den Vereinen angeht. Wer betreibt welche Sportart, wo wird am meisten Sport getrieben? Und hier gibt es eine kleine, aber feine Trennlinie durch deutsche Lande. Im Osten ist man, wenn auch nicht unbedingt sportmüde, so doch vereinsmüder. Die Ostdeutschen müssen einen Spurt einlegen, wollen sie das sportliche Missverhältnis ausgleichen. Während knapp 40 Prozent aller Saarländer sportlich engagiert sind, suchen in Sachsen nur neun Prozent der Bevölkerung sportlichen Ausgleich. Aber halt! Wie legt man denn einen Spurt ein, und was ist ein Endspurt?

 

O-Töne:

"Na ja, das Letzte aus sich herausholen, noch mal richtig voll reinhauen in die Kartoffeln." / "Dass man eine Sache, die man vorhat, eben zu Ende bringt, indem man noch ein paar letzte Maßnahmen trifft." / "Bevor man vielleicht in die Pension geht, dass man da noch mal 'n Endspurt einlegt." / "Das Letzte aus sich rausgeben."

 

Sprecher:

Mit dieser Sendung sind wir auch schon fast beim Endspurt angelangt. Aber nur fast, denn vorher haben wir noch eine kleine Hürde zu nehmen. Keine Angst, Sie müssen jetzt zuhause keinen Hindernis-Parcours aufbauen und durchs Wohnzimmer hüpfen. Eine Hürde nehmen ist auch eine Redensart. Wann man sie gebraucht, folgt jetzt.

 

O-Töne:

"Wenn man etwas erreichen möchte und denkt, also um jeden Preis musst du es erreichen, dann ist klar, dass man alles einsetzt und dann versucht, diese Hürde zu nehmen." / "Wenn man mir Steine in den Weg legt." / "Wenn er geschafft hat, über ein Hindernis hinwegzukommen." / "Wenn es im Leben Probleme gibt, dass man bereit ist, dieses Problem zu meistern, also die Hürde zu nehmen. Jedes Problem ist ja 'ne kleine Hürde, ne." / "Dass man sich vor Schwierigkeiten nicht fürchten soll, sondern versucht, alle Probleme zu meistern, und besonders wenn man gefordert wird, kann man auch Leistungen erbringen." / "Vor nichts zurückschrecken." / "Wenn man erfolgreich sein will."

 

Sprecherin:

Eine Hürde kann aus vielen kleinen oder großen Steinen errichtet sein, die mir jemand in den Weg legt. Will ich meinen Weg weitergehen, muss ich diese Steine aus dem Weg räumen, ich muss das Hindernis oder die Hürde bewältigen, mit der Situation fertig werden. Mit unserer Hilfe bleiben Sie vor Eigentoren und Bauchlandungen zwar nicht gefeit, doch stehen Sie jetzt nicht mehr im Abseits, wenn es um sportliche Redewendungen geht.

 

Musik: Rainhard Fendrich, Es lebe der Sport

"Es lebe der Sport

Der is' gesund und mocht uns hoart.

Er gibt uns Kraft, er gibt uns Schwung,

Er is' beliebt bei Oid und Jung."



Fragen zum Text:

Was ist ein Mauerblümchen?
1. eine Blume, die sogar auf Stein wachsen kann
2. eine zurückhaltende Person, die selten im Mittelpunkt steht
3. ein bunt angemaltes Bauwerk

Wer ein Problem bewältigt,...?
1. nimmt eine Hürde
2. legt einen Endspurt ein
3. schießt ein Eigentor

Welche Vereine in Deutschland haben unter Frauen die höchsten Mitgliederzahlen?
1. Tennisvereine
2. Fußballvereine
3. Turn- und Gymnastikvereine


Arbeitsauftrag:
Überzeugen Sie den Kurs davon, dass ihre Lieblingssportart die schönste ist. Beschreiben Sie dabei auch, wie der Sport ausgeübt wird bzw. wie die Regeln lauten.

 

Gabi Klasen



 
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