Stichwort | 23.06.2008
Kopf
Als Sitz des Gehirns und also des Verstandes ist der Kopf den vielfältigsten Schmähungen ausgesetzt. Ob Dumm-, Hohl- oder Holzkopf – stets muss die Hülle für den Inhalt herhalten. Immerhin: Es gibt auch kluge Köpfe.
Böse Zungen behaupten, manche bräuchten ihn nur, damit es nicht in den Hals regnet oder damit das Stroh nicht nass wird. Jedenfalls ist er wichtig, ja lebenswichtig, und ohne ihn geht gar nichts. Er ist Sitz des Verstandes, beherbergt das Gehirn, hat Augen, Mund, Nase und Ohren. Wir reden von jenem Körperteil, das durch den Hals mit dem Rumpf verbunden ist; dem menschlichen Kopf. Köpfe können groß und klein, dick oder rundlich, kahl oder dicht behaart sein.
Häupter zu Köpfen, Köpfe zu Tassen?
Die ursprüngliche Bedeutung von "Kopf" ist "Becher" und auch "Trinkschale". Wen es jetzt leicht zu gruseln beginnt, ahnt ganz richtig, dass die Hirnschale tatsächlich als Trinkgefäß benutzt wurde. Bei einigen Naturvölkern geschieht dies heute noch während bestimmter Opferrituale. Das englische Wort "cup" und das deutsche "Kopf" haben übrigens dieselbe Wortwurzel.
Merkwürdigerweise wird "Kopf" erst spät im heute geläufigen Sinn verwendet. Das neue Wort hat "Haupt" abgelöst, aber nicht vollständig. In gehobener Sprache – "er schüttelte sein weises Haupt" – und in der Dichtung blieb "Haupt" erhalten. Und: Zum Beispiel liest man auch heute noch, dass jemand den Gerichtssaal erhobenen Hauptes verlassen habe.
Was eine kleine Bewegung ausmachen kann ...
"Kopf" ist ein Stichwort, das Kopfzerbrechen macht. Es gibt eine solche Vielzahl von Substantiven, redensartlichen und prädikativen Ausdrücken, dass einem der Kopf brummt, oder man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht, wollte man sie alle aufzählen oder gar im Kopf haben.
Kopf und alles, was mit ihm in irgendeiner Weise zu tun hat, ob im wörtlichen oder übertragenen Sinn, ist – fast immer – aktuell. Oder gab es heute etwa nichts, worüber Sie den Kopf geschüttelt haben, also Ihre Missbilligung, Ihr Unverständnis, Ihr wortloses "Das gibt’s doch gar nicht" zum Ausdruck gebracht haben? Stimmt’s? Dann werden Sie jetzt mit dem Kopf nicken, ein Zeichen der Zustimmung geben. Oft ist Kopfschütteln und Kopfnicken ein schlichtes "Nein" beziehungsweise "Ja". Aber Vorsicht: Das gilt nicht überall auf der Welt. Und außerdem: Selten sind "Ja" oder "Nein" hinreichende Antworten; und wenn, dann auf zumeist einfache Fragen.
Hoch den Kopf, damit man die Wand auch sieht
Da wir gerade bei Kopfbewegungen sind: "Kopf hoch" ist die Aufmunterung von Menschen, die es gut mit uns meinen, wenn es uns dreckig geht. Wenn uns die Sorgen über den Kopf zu wachsen drohen, wenn wir den Kopf so voll haben, dass wir nur noch die Schattenseiten des Lebens sehen und den Kopf hängen lassen oder gar in den Sand stecken.
Herrje, der Kopf! Es soll ja Menschen geben, die dermaßen überzeugt von sich oder einer Idee sind, dass sie gleichsam mit dem Kopf durch die Wand gehen, nur um das, was ihnen im Kopf herumschwirrt, auch zu verwirklichen.
Wer Köpfchen hat, ist kein Hohlkopf
Es ist schon richtig. Der Kopf ist Sitz des Verstandes. Aber wie es um diesen bestellt ist, das ist eine ganz andere Sache. Jedenfalls könnte man oft genug die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn man beispielsweise in den Kopf- oder Schlagzeilen der Zeitungen liest, was sich einige Köpfe so alles ausdenken. Vor allem beim Lesen des eigentlichen Artikels mag sich manche Leserin und mancher Leser an den Kopf fassen, denn das darf doch alles nicht wahr sein. Das will einem doch partout nicht in den Kopf, was da steht.
Glücklicherweise gibt es aber auch jede Menge Leute mit Köpfchen. Also solche, die wissen wovon sie reden, und dies auch noch auf kluge Weise tun, sprich: Zeitgenossen, die etwas im Kopf oder, wie man auch sagt, in der Birne haben. Das hat nicht unbedingt etwas mit Bildung oder Ausbildung zu tun. Umgekehrt gibt es hinreichend Mitmenschen mit akademischen und sonstigen Abschlüssen, die dennoch zur Gattung der Dummköpfe gerechnet werden müssen. Die Steigerung von Dummkopf ist übrigens Hohlkopf. Ein hartes Wort. Wer das im Streit hitzköpfig jemandem an den Kopf wirft, muss froh sein, wenn es beim Wortgefecht bleibt.
Oben oder unten, hinten oder vorne – Kopf verdreht?
Aber man kann ja schließlich nicht immer einen kühlen Kopf bewahren. Es gibt Situationen, die einem geradezu den Kopf verdrehen; in denen man/frau nicht mehr weiß, wo ihnen der Kopf steht, was hinten und vorne ist. Solches geschieht mit großer Intensität und Häufigkeit beim Frühlingserwachen und hat eigentlich weniger mit Kopf als mit Bauch zu tun. Und schön, wenn dann der vermeintlich wie von selbst ganz einfach nachgibt.
Fragen zum Text
Wie wurde der Kopf früher genannt?
1. Haupt
2. Becher
3. Birne
Wem es nicht gut geht, der …
1. bewahrt kühlen Kopf.
2. geht mit dem Kopf durch die Wand.
3. lässt den Kopf hängen.
Jemand, der sich den Kopf zerbricht, …
1. denkt nach.
2. leidet unter Kopfschmerzen.
3. ist verliebt.
Arbeitsauftrag
Welche Komposita oder Redensarten mit "Kopf" kennen Sie noch. Finden Sie mindestens fünf, die nicht im Text erwähnt werden, und erklären Sie ihre Bedeutung.







