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Stichwort | 11.04.2007

Ton

Ob Meister des besonderen Tons oder Handwerker oder wohl besser Mundwerker der Sprache - mit dem Tonfall kann unterschiedlich jongliert werden. Man kann den falschen Ton anschlagen, oder sich sogar im Ton vergreifen.

Fast könnte man meinen, Politiker seien neben ihrer Haupttätigkeit auch so eine Art Handwerker. Denn häufig ist von ihnen zu hören, dass sie etwas einräumen, sie unterstreichen gerne und setzen gegebenen Falles alles daran, um auszuräumen, was gerade eben eingeräumt werden musste. Zur Bestätigung, dass solch merkwürdiges Geschehen seine Richtigkeit hat, wird es dann noch ausdrücklich oder nachdrücklich betont.

 

Im Ton vergreifen

 

Ja, die Sprache der Politik ist eine seltsame, weshalb wir sie auch jetzt verlassen, um uns dem Stichwort ‚Ton’ zuzuwenden. Vorsorglich weisen wir gleich darauf hin, dass sich nicht nur Politiker im Ton vergreifen; nein, wir räumen sozusagen ein, dass es uns alle treffen kann. Dass wir zum Beispiel in großer Aufregung und Wut den guten Ton verletzen und unser Gegenüber derart anbrüllen, dass er oder sie keine Töne mehr hat. Reuevoll geben wir dann zu, dass in einem solchen Ton nicht miteinander umgegangen werden kann und schlagen versöhnliche Töne an. Schließlich wollen wir den Verdacht ausräumen, wir könnten uns nicht benehmen.

 

In demütiger Einsicht wird uns in solchen Situationen deutlich, dass die nahe an eine Binsenweisheit grenzende Redensart "Der Ton macht die Musik" tatsächlich ihre Entsprechung im richtigen Leben findet. Bevor wir es vergessen und sich die ungezählten Töpferinnen und Töpfer in aller Welt um die Erwähnung ihres Tons betrogen fühlen, wollen wir jenem feinkörnigen Sediment von gelblicher bis grauer Farbe, aus dem die wundervollsten Gefäße, auch Tontöpfe, mit kundiger Hand hergestellt werden, unsere Referenz erweisen. Was den tönenden Ton angeht, so finden wir folgende Definition im Lexikon:

 

Eine Schwingung in der Luft

 

Ein Ton ist "eine vom Gehör wahrgenommene gleichmäßige Schwingung der Luft, die im Unterschied zum Klang keine Obertöne aufweist." Wir müssen nicht die endlose Reihe von Adjektiven aufzuzählen beginnen, die den Ton in seinem Charakter näher bestimmen. In der Musik ist der Unterschied zwischen Klang und Ton fließend. Wenn man vom runden und weichen Ton beispielsweise einer Altstimme spricht, so ist natürlich gleichermaßen der Klang dieser Stimme gemeint. Die zarten Töne, die der Pianist auf dem wunderbar klingenden Flügel anschlägt, sind ebenfalls Klang. Übrigens: Der redensartliche Ausdruck, "den falschen Ton anschlagen" ist direkt aus der musikalischen Praxis genommen. Wenn der Pianist während des Spiels eine falsche Taste anschlägt, ergibt dies eben einen Misston.

 

Auch der Ausdruck sich "im Ton vergreifen" hat seinen Ursprung in der Musik. Es ist der Alptraum jedes Musikers, der ein Saiteninstrument spielt, sich während eines Konzerts zu vergreifen. Passiert ist passiert. Keine Möglichkeit zur Korrektur. Auch ein Halb- oder nur ein Viertelton daneben bleibt daneben. Als Stimmton zur Einstimmung von Einzelinstrumenten gilt in der traditionellen abendländischen Musik der so genannte "Kammerton", das auf 440 Hertz festgelegte, eingestrichene "A". Er ist gewissermaßen "tonangebend". Jemand, der - in übertragener Bedeutung - den Ton angibt, ist allerdings nicht unbedingt eine Orientierungshilfe für Wohlklang und Harmonie.

 

Der Ton macht die Musik

 

Bleiben wir bei der Musik und beim musikalischen Ton. Der Ton, so heißt es, macht die Musik. Und in der Tat: Das lateinische Wort "tonus", dem griechischen "tónos" entstammend, bedeutet nichts anderes als das Anspannen der Saiten. Jedes Saiteninstrument wird durch das "Anspannen" der Saite beziehungsweise der Saiten auf die richtige Tonhöhe gebracht. Es wird "gestimmt".

 

Ganz kleiner Einschub: Das Wort "tonus" ist als medizinischer Fachausdruck für die Spannung der Muskulatur in "Muskeltonus" erhalten geblieben. Wenn wir von Musik, Ton, Instrumentenstimmung sprechen, dürfen wir die menschliche Stimme nicht vergessen. Auch der Sänger, die Sängerin stimmt sich gewissermaßen durch das "Einsingen" ein. Nur so ist gewährleistet, dass sich der Wohlklang, die Klangschönheit einer Gesangsstimme entfalten kann.

 

Belcanto

 

Für Klangschönheit gibt es ein Wort, das dem italienischen Kunstgesang vom 17. Jahrhundert an den Namen gegeben hat: "Belcanto". Er bedeutet weit mehr als nur den richtigen Ton zu treffen. Das wollen wir an dieser Stelle doch einmal ganz deutlich unterstreichen.

 

 

Fragen zum Text

 

Sich im Ton vergreifen, was bedeutet diese Redewendung?

1.      dass man den guten Ton verletzet und seinen Gegenüber anbrüllt

2.      dass die Saite einer Geige reißt

3.      dass unsere Lieblingsvase zerbricht

 

Von welchem lateinischen Wort kommt Ton?

1.      Tonus

2.      Tinnitus

3.      Tonnage

 

Wie heißt die folgende Redewendung richtig?

1.      Der Ton macht die Musik.

2.      Die Musik macht den Ton.

3.      Der Ton mag die Musik.

 

 

Arbeitsauftrag

Erstellen Sie eine Liste mit Sätzen, in denen 10-mal das Wort Ton vorkommt.

 

Michael Utz



 
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