Quadriga
Der internationale Talk
Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: G8 – ist der Gipfel der Mächtigen überholt?
Wann immer sich die wichtigsten Männer und Frauen der Welt zu ihrem jährlichen Treffen zusammensetzen, scheint es, als entscheide hier ein exklusiver Club über das Schicksal der ganzen Welt. So auch dieses Mal in Japan: es geht um Klima, es geht um Energie, es geht um Nahrung. Zentrale Themen, die direkt die Lebensgrundlage und damit Existenz aller Menschen betreffen. Nur: beschlossen wird viel, verbindlich umgesetzt sehr viel weniger.
Denn der Einfluss der führenden Industrienationen ist längst nicht mehr so groß, wie der Name Weltwirtschaftsgipfel suggeriert. Die globalen Gewichte haben sich verschoben. Ginge es etwa nur um die Wirtschaftsleistung eines Staates, dürften Kanada und Russland der G8 nicht mehr angehören. Statt dessen müssten China, Indien oder Brasilien als Mitglieder dabei sein.
Zwar werden die Schwellen- oder auch Entwicklungsländer immer wieder gern als Zaungäste zu den G8-Gipfeln geladen. Nötig wäre aber eine echte Partnerschaft, damit auch diese Staaten bereit sind, schrittweise mehr globale Verantwortung zu übernehmen. Das gilt beispielsweise auch für den Klimaschutz. Ohne China - mittlerweile immerhin vor den USA der weltgrößte Emittent von Treibhausgasen - hat ein Nachfolgeabkommen für das Klimaprotokoll von Kyoto wenig Sinn. Auch im Kampf gegen die Armut in Afrika spielen Länder wie China heute eine immer wichtigere Rolle.
Sollte man den Club also auf 13 oder gar 16 Mitglieder erweitern – wie Kritiker fordern? Oder droht dann erst recht die Lähmung. Immerhin ist es jetzt schon ungeheuer schwierig, im Club der 8 gemeinsame Ziele durchzusetzen. So oder so, keine leichte Aufgabe. Die G8 steckt in einer Legitimations- und Glaubwürdigkeitskrise.
Was meinen Sie: G8 – Ist der Gipfel der Mächtigen überholt? Schreiben Sie uns an: Quadriga@dw-world.de
Unsere Gäste waren:
Hao Gui – Der chinesische Journalist wurde in Nanjing geboren und wuchs in der VR China auf. Journalismus studierte Gui jedoch in Deutschland, nämlich in Dortmund. Es folgte ein Volontariat beim westdeutschen Rundfunk WDR. Hao Gui veröffentlichte auch mehrere Bücher. Seit 2003 ist er Redakteur in der Asienredaktion von DW-RADIO. Gui beschäftigt sich mit der Wirtschaft und Politik Ostasiens ebenso wie mit Kultur und Medien.
Nicola Liebert – Die freie Wirtschaftsjournalistin studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Journalismus in Berlin, Edinburgh und New York. Ihre beruflichen Stationen führten sie über den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zur taz (Redaktion Wirtschaft und Umwelt) in Berlin bis nach New York, wo sie als Korrespondentin der Financial Times Deutschland arbeitete. Seit 2004 ist sie zurück in Berlin, wo sie u.a. wieder für die taz und die Economist Intelligence Unit schreibt. Außerdem ist Nicola Liebert Sprecherin der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Deutschland.
Andrew B. Denison – Der amerikanische Politikwissenschaftler absolviert sein Studium in Deutschland und den USA. Sein Schwerpunkt ist die Außen- und Sicherheitspolitik. Seit 1994 arbeitet er als Autor und Wissenschaftler am Institut für Strategische Analysen in Bonn. Zusätzlich ist er Direktor des "Transatlantic Networks" in Königswinter.






