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05.04.2005

Kult um Michael Moore

Der US-Filmemacher und Autor Michael Moore

Die Bücher und Filme des linken Amerikaners und Kulturkritikers Michael Moore sind in Deutschland extrem beliebt. Was macht den Kult um Moore aus?

Nur in wenigen Ländern werden die Arbeiten von Michael Moore so enthusiastisch angenommen wie in Deutschland. Sein Machwerk gegen US-Präsident George W. Bush, "Stupid White Men", hat sich hier seit Erscheinen im Herbst 2002 mehr als eine Million Mal verkauft. In den ersten beiden Monaten nach dem Filmstart von "Bowling for Columbine" trotzten im vergangenen Winter eine halbe Million Deutsche der Kälte und machten sich auf den Weg ins Kino. Sie wollten unbedingt den Film über die waffenfanatischen Amerikaner sehen, für den Moore später einen Oscar bekommen hat. Moores zweites Buch "Querschüsse" stand Ende Oktober 2003 auf Platz fünf der "Spiegel"-Bestsellerliste. An der Topposition des Nachrichtenmagazins findet sich erneut der Titel "Stupid White Men".

Aber woher kommt die Begeisterung? "Sein Film und seine Bücher bestätigen negative Stereotype, die man in Deutschland über Amerika hat", sagt Tom Clark, Geschichtswissenschaftler an der Universität Kassel. Vorbehalte gegen US-amerikanische Politiker sind in Deutschland nichts Neues. Aber Wissenschaftler Clark sieht in Moores zunehmender Beliebtheit seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eine neue Entwicklung. "Hauptursache ist sicher der Irak-Krieg, aber es gibt noch andere Faktoren", sagt er. "Deutsche sind derzeit in Bezug auf ihre eigene Identität sehr verunsichert. Jemand wie Moore kommt da sehr gelegen, weil er etwas bietet, wogegen man protestieren kann", erklärt Clark.

Adrian Kreye, New-York-Korrespondent der "Süddeutschen Zeitung", glaubt, dass Moores Popularität Ausdruck von vorhandenem Anti-Amerikanismus ist. Das Problem damit sei, dass Leser ihre Abneigung ausdrücken, indem sie Moores Buch zitieren, statt sie offen zu zeigen.

Ungeachtet der Kritik von vielen Seiten wird Moores Stern in Deutschland wohl weiter steigen. Sein bisheriger Erfolg lässt vermuten, dass er auf seiner Lesetournee durch Deutschland ganze Sportstadien füllen wird. Die Lesetournee, auf der er sein neues Buch "Volle Deckung, Mr. Bush!" vorstellt, beginnt am 15. November 2003 in Berlin.

 

GLOSSAR:

Was macht den Kult um Moore aus? – Warum verehren ihn so viele Menschen? Was sind die Gründe für seine so große Beliebtheit und worin zeigt sie sich?

das Machwerk – (hier: das Buch "Stupid White Men") Das Wort ‚Machwerk‘ hat immer eine negative Konnotation. Wer sich von einem Werk (Buch oder Film) betroffen oder gar angegriffen fühlt, bezeichnet es oft als ‚Machwerk‘ und zeigt mit diesem Wort, dass er das Werk für schlecht gemacht und nicht ehrlich, nicht korrekt hält.

Sie trotzten der Kälte und machten sich auf den Weg ins Kino.– Sie gingen ins Kino, obwohl es kalt war und sie lange vor der Kasse warten mussten.

waffenfanatisch – verrückt nach Waffen (Pistolen, Messer etc.)

Querschüsse – Bezeichnung für eine Störung; jemand ist mit etwas nicht einverstanden und versucht zu behindern: er ‚schießt quer‘.

"Spiegel"-Bestsellerliste – Das deutsche Nachrichtenmagazin "Spiegel" veröffentlicht jede Woche eine Liste der in Deutschland am besten verkauften Bücher, also der Bestseller.

seine Bücher bestätigen negative Stereotype – die Bücher zeigen, dass die negativen Stereotype richtig sind

Vorbehalte gegen US-amerikanische Politiker – Bedenken in Bezug auf amerikanische Politiker; eine abgeschwächte, eingeschränkt positive Haltung gegenüber amerikanischen Politikern

Jemand wie Moore kommt da sehr gelegen. – Er kommt zu einem passenden Zeitpunkt. Seine Bücher und Filme passen zu der Situation.

Moores Popularität ist Ausdruck von Anti-Amerikanismus. – Sein Erfolg spiegelt den Antiamerikanismus wider. Moore ist so populär, weil viele Leute anti-amerikanisch eingestellt sind.

seine Abneigung ausdrücken – zeigen, dass man etwas nicht gut findet

Moores Stern wird steigen – er wird immer mehr Erfolg haben und immer bekannter werden

sein bisheriger Erfolg lässt vermuten – weil er bisher erfolgreich war, ist es wahrscheinlich, kann man es für möglich halten

Volle Deckung! – Aufforderung: Jemand soll sich in Sicherheit bringen vor Schüssen oder anderen Angriffen.

 

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