15 Milliarden Euro gegen den Klimawandel

Bonn - Im Rahmen der 10. Bonner Plattform internationale Zusammenarbeit ging es am Mittwoch, 12. März, im Funkhaus der Deutschen Welle um das Thema „Klimaschutz durch Walderhalt!?“
Direkt zu Beginn der Veranstaltung machte Guénola Kahlert vom WWF deutlich, welche Brisanz der Walderhalt für den Klimaschutz hat: „Walderhalt ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um den Klimawandel aufzuhalten. Mehr als ein Drittel der CO2-Emissionen stammen aus der Zerstörung der tropischen Regenwälder.“ Um einen effektiven Waldschutz zu erreichen, seien 15 Milliarden Euro jährlich nötig. Diese Zahlen errechnete der britische Ökonom und ehemalige Chef der Weltbank Nicholas Stern.
„Diesen Betrag kann kein Land allein schultern und die Entwicklungsländer erst recht nicht“, erklärte der Grüne Bundestagsabgeordnete Thilo Hoppe. „Gerade die Industriestaaten haben hier eine besondere Verpflichtung den Schwellenländern gegenüber.“ In dieser Einschätzung stimmte das Podium überein.
Nationalparks im Regenwald
Geteilter Meinung war man hingegen in der Frage, wie man das Geld ausgeben solle. So dachte Martin Kaiser von Greenpeace Deutschland darüber nach, den Regenwaldländern Teile des Regenwald abzukaufen, und der indigenen Bevölkerung einen finanziellen Ausgleich zu zahlen. Dem entgegnete Prof. Martin Walter von der Fachhochschule Weihenstephan, dass der Verkauf der Regenwälder an die westlichen Industrienationen der indigenen Bevölkerung in der Region kaum vermittelbar sei.
Die Schaffung von Nationalparks ist für den CSU-Bundestagsabgeordnete Christian Ruck ein möglicher Lösungsweg für den Schutz des tropischen Regenwalds: „Wir müssen den Regierungen und der Bevölkerung klarmachen, dass durch die Gründung von Nationalparks nicht nur der Regenwald geschützt wird, sondern dass sie durch die richtige Vermarktung auch ein höheres Einkommen erwirtschaften können. Unsere Aufgabe muss es sein, den Entwicklungsländern ein ökonomisches Interesse am Erhalt ihres Regenwaldes zu geben.“
Mitschuld des Westens
Die moralische Keule zu schwingen reiche nicht, erklärt Hoppe: „Wir als Europäer, die mehr als 99 Prozent unserer Primärwälder bereits abgeholzt haben, haben nicht die moralische Instanz, um den Regenwaldstaaten vorzuschreiben, wie sie zu handeln haben.“ Zudem trügen die westlichen Industrienationen eine große Mitschuld an der Vernichtung des Regenwalds. Neben dem Anbau von Futtermitteln für Tiere sei der Anbau von Ölpalmen, welche für die Produktion von Biosprit benötigt werden, der größte Regenwaldzerstörer. Da in Deutschland dem normalen Sprit auch Biosprit beigemischt werden müsse, betreibe die Bundesregierung indirekte Regenwaldzerstörung, sagte Kaiser.
Zum Ende der Diskussion waren sich die Podiumsteilnehmer aber wieder einig: Es sei fünf nach zwölf und je länger man warte, desto schwerere lasse sich der bereits eingetretene Klimawandel aufhalten.
Mathias Kampendonk
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