Norbert Walter räumt „Versagen auf der ganzen Linie“ ein

Chefvolkswirt der Deutschen Bank im Interview der Deutschen Welle
Angesichts der Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten hat der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, „Versagen auf der ganzen Linie“ eingeräumt. In einem Interview der Deutschen Welle sagte Walter: „Wir waren alle offenkundig nicht in der Lage, die Risiken, die mit diesen Geschäften verbunden waren, richtig einzuschätzen und sind nun in diese Krise geschlittert.“ Auch Risikomanager sowie Aufsichtsbehörden, „die prinzipiell das Recht, ja die Pflicht hatten, in die Bücher zu schauen, beispielsweise bei der Bankenaufsicht“, seien offenkundig überfordert gewesen.
Die schrittweise Bekanntgabe „neuer Hiobsbotschaften“ sei nicht darauf zurückzuführen, dass „jemand etwas verheimlichen will“, so Walter im deutschen Auslandsfernsehen. Das eigentliche Problem sehe er in der „Bewertung nach Marktpreisen in den Bilanzen der Finanzinstitute. Für eine ganze Reihe von Produkten, von Asset-Klassen, gibt es jetzt aber keine Marktpreise und deshalb weiß man nicht, was man da eintragen soll.“
Wenn in den Privathaushalten, etwa in den USA, „jetzt hohe Zinszahlungen ins Haus stehen, werden diese keine Autos kaufen und sich beim Möbelkauf zurückhalten“. Solche „Folgen von realwirtschaftlichen Konsequenzen“ seien, so Walter, auch in Europa zu erwarten.
7. April 2008
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