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Studiogast - Jürgen Pfister, Chefvolkswirt Bayerische Landesbank

Unser Studiogast in dieser Woche ist Jürgen Pfister, Chefvolkswirt bei der Bayerischen Landesbank.

DW-TV: Mitarbeiter mit Minikameras überwachen, Peilsender anbringen und eingeschleuste Mitarbeiter als Lockvögel in das Unternehmen schicken - alles zum Wohle des Unternehmens. Jürgen Pfister, gibt es bei Ihnen Kameras in der Landesbank?

Jürgen Pfister: Wir haben Kameras in der Kassenhalle - aus Sicherheitsgründen. Aber selbstverständlich nicht in den Büros.

DW-TV: Thema Büros und Kameras dort: wie weit darf denn ein Unternehmen gehen, um sich zu schützen?

Jürgen Pfister: Es gibt sicherlich wichtige Ausnahmebereiche, wie im Bereich von Wertgegenständen oder technologisch sehr sensiblen Dingen, wo auch eine Überwachung sinnvoll ist. Aber das gilt sicherlich nicht für Supermärkte. Insgesamt sollten die Unternehmen bei der Personalauswahl eben mehr Wert auf  persönliche Eigenschaften legen - auf Charaktereigenschaften und nicht nur auf die Fachqualifikation, dann kann man sich viel Überwachung später ersparen.

DW-TV: Thema Vertrauen: also das hat ja auch etwas mit Vertrauen zu tun. Inwieweit kann man denn Finanzmärkten noch vertrauen? Natürlich sind die Konsumenten jetzt verunsichert?

Jürgen Pfister: Ja, das ist sicherlich richtig, denn wir haben ja weltweit gesehen: erhebliche Verluste in der Größenordnung von bis zu 1000 Milliarden Dollar, wie der Internationale Währungsfonds geschätzt hat. Das hat das Ansehen der Finanzbranche sicherlich weltweit auch auf Jahre hinaus geschädigt.

DW-TV: Nun ist das - würde ich sagen - auch eine selbstverschuldete Krise der Banken. Das kann man nicht leugnen. Der Steuerzahler muss dafür aufkommen. Wie macht man das, wie verpackt man das?

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  

Jürgen Pfister: Der Staat steht jetzt vor der Wahl, ob er eine Stabilisierung des Finanzsystems herbeiführt - auch durch Unterstützung - oder aber eine Systemkrise riskiert. Das wäre das größere Übel. Also insofern müssen wir uns für das kleinere Übel entscheiden. Und gegebenenfalls auch mit öffentlichem Geld für eine Stabilisierung der Situation sorgen.

DW-TV: Also Sie meinen, trotzdem es eine selbstverschuldete Krise ist, geht es nicht anders? Also der Staat muss da eingreifen?

Jürgen Pfister: Es geht ja darum, dass wir die Kosten letztlich minimieren. D.h. also, die Schäden für Wachstum und Beschäftigung in Grenzen halten und dazu brauchen wir ein funktionierendes Finanzsystem. Es mag sein, dass dies auch nur mit staatlicher Unterstützung aufrecht zu erhalten ist.

DW-TV: Abschließende Frage: Was kann man denn tun, um das Vertrauen wieder zu gewinnen?

Jürgen Pfister: Wir müssen in den nächsten Jahren sehr sorgfältig und sauber arbeiten, d.h. aber natürlich auch, dass die hohen Rendite-Ansprüche an Banken vielleicht etwas zurückgeschraubt werden müssen. 15, 20 oder 25 Prozent sind ohne größere Risiken nicht zu bedienen.

Interview: Anja Heyde

 

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