Weltblick - Das Feature | 12.05.2008 | 06:05

Ein Schnitt ins Leben - weibliche Genitalverstümmelung im Sudan

Beschneiderin Halfa mit Enkeltochter

Eine Koproduktion von Sudan Radio und Deutsche Welle Radio. Autoren: Hellen Ikuse Samuel, Mowahib Ibrahim und Stefanie Duckstein
Aus der Serie: Herausforderung Gleichberechtigung

"Ja, natürlich bin ich beschnitten. Das war ganz normal bei uns. Sie haben mir nicht genau gesagt, worum es geht. Sie bemalten meinen Körper mit Henna, kauften mir neue Kleider und Schmuck. Und dann ist es eben passiert."

Maida und Nahla Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Maida und Nahla

Seit gut einem Jahr streicht Nada Awad, erst 23 Jahre alt, gemeinsam mit anderen Freiwilligen durch die Vororte Khartums. Offen spricht sie mit Frauen über ein Thema, über das im Sudan sonst geschwiegen wird: die traditionelle Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen - und ihre schmerzhaften Folgen. Die Aufklärungskampagne ist ein Pilotprojekt der Ahfad-Universität in Khartum.

Der Mann als treibende Kraft

Der Dozent Ashraf Bedri ist Teil des Projekts. Das sei wichtig, meint er und nimmt einen tiefen Zug von seiner Zigarette, "allein schon deshalb, weil ich ein Mann bin. Die Frauen machen das, weil die Männer sie dazu drängen. Man sagt den Männern, heiratet eine beschnittene Frau, dann wisst ihr, sie ist Jungfrau." An diesem unsinnigen Mythos müsse man arbeiten, sagt der Dozent an der medizinischen Fakultät der Ahfad-Uni. Und ist sich sicher, dass die Praxis der Genitalverstümmelung erst aufhört, wenn auch die Männer überzeugt sind.

Eine Tugend für den Mann. An der Frau ein Verbrechen.

Scheich Abdul Al Karouri hält die uralte Tradition für eine religiöse Fehlinterpretation. Jeden Freitag hält er eine Ansprache im staatlichen sudanesischen Fernsehen. "Beschneidung ist ausschließlich gut für Männer, nicht für Frauen" verkündet er. "So verstehe ich unsere Religion. Ich hoffe, irgendwann auch andere islamische Gelehrte überzeugen zu können." Der Scheich drängt auf eine unmissverständliche Fatwa, ein Rechtsgutachten, das die Verstümmelung weiblicher Genitalien als ein strafbares Verbrechen einstuft.

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  

Doch noch gehört der Sudan weiterhin zu den Ländern mit der höchsten Rate an weiblicher Genitalverstümmelung. Ein Eingriff, bei dem auch Mädchen sterben.

 

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